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Erziehungsberatung künftig ortsnah im Rupertiwinkel

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Euro Münzen liegen auf Euro-Banknoten. Foto: Daniel Reinhardt/Archiv Foto: dpa

Traunstein – Auf einstimmigem Beschluss des Jugendhilfeausschusses des Kreistags soll das Caritas-Zentrum Traunstein die Erziehungsberatung ausweiten. Nachdem das Gremium vier weitere Wochenstunden für Fachpersonal genehmigt hat, kann die Caritas künftig Außensprechstunden für den Rupertiwinkel in Tittmoning anbieten.


Seit Jahren steigen die Beratungsanfragen aus diesem Bereich, der bei der Aufteilung der Außenstellen der Erziehungsberatung deutlich unterrepräsentiert sei, hatte die Caritas argumentiert. Im vergangenen Jahr hätten 154 Eltern aus dem Rupertiwinkel die Beratungsstellen in Traunreut, Trostberg oder Traunstein aufgesucht. Dies entspreche in etwa den Fallzahlen, mit der die Außenstelle Trostberg pro Jahr zu tun habe. Die Sozialraumanalyse des Landkreises verzeichne einen Familienzuwachs in der Region Tittmoning, auf den mit einem entsprechenden Beratungsangebot reagiert werden sollte.

Jugendamts-Chef Franz Feil schloss sich dieser Argumentation an. Derzeit arbeite die Erziehungsberatungsstelle mit 5,1 Planstellen bei etwa 900 Beratungsfällen im Jahr. Die Zahl der Fälle sei seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Die Arbeitsintensität sei jedoch aufgrund zum Teil hochstrittiger Trennungs- und Scheidungsfälle stark gestiegen. Im Sozialraum Tittmoning mit den Gemeinden Taching, Fridolfing, Kirchanschöring und Petting fehle ein Beratungsangebot, Betroffene müssten bisher weite Fahrstrecken in Kauf nehmen.

Die Erziehungsberatungsstelle der Caritas ist derzeit in Traunstein als Hauptstelle sowie in den Außenstellen Traunreut, Trostberg und Grassau präsent. Die Außenstelle in Tittmoning soll zusätzlich vier Stunden pro Woche arbeiten.

Einschließlich der Kosten für Miete, Fahrtkosten, Verwaltungsstunden und Sachaufwand ergeben sich Kosten für den Landkreis von insgesamt 9000 Euro pro Jahr, was der Ausschuss einhellig absegnete.

Jugendsozialarbeit an Thoma-Grundschule

Nach dem Willen des Jugendhilfeausschusses kann an der Ludwig-Thoma-Grundschule in Traunstein eine Vollzeitstelle für Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) eingerichtet werden. Der Ausschuss machte dies jedoch davon abhängig, dass sich die Stadt mit 20 Prozent an den Gesamtkosten beteiligt. Diese wurden in der Sitzungsvorlage mit jährlich 45 000 Euro beziffert. Nun wird eine Förderung beim Freistaat beantragt, und es werden Angebote bei den Trägern der Jugendhilfe eingeholt.

An der Schule werden aktuell 477 Kinder in 20 Klassen unterrichtet. In der gebundenen Ganztagsschule werden 83 Kinder betreut, 137 Schüler haben einen Migrationshintergrund. Die Schulleitung hatte im Antrag mehrere Probleme aufgelistet, die von den Lehrern allein nicht mehr gelöst werden könnten. Es gebe Konflikte durch die Vielzahl der Ethnien, einige Kinder hätten Schwierigkeiten mit deutschen Gepflogenheiten, würden in problematischen Familienverhältnissen oder bei Alleinerziehenden aufwachsen. Diese Eltern wünschten sich häufig pädagogische Unterstützung.

Aus Sicht des Jugendamts sei der Bedarf für JaS gegeben, bestätigte Jugendamts-Leiter Franz Feil in der Sitzungsvorlage: »Aufgrund der Größe der Schülerzahl und der Erfahrungen, wie wichtig und effektiv eine frühzeitige Intervention im Grundschulalter ist, wäre die Einführung einer JaS sinnvoll.« Seitens der Schule habe es bereits große Bemühungen gegeben, die Situation zu verbessern – durch die Ganztagsschule, das Konzept der »Sozialen Schule«, zu dem auch ein Trainings- und Auszeitraum gehört, oder ein Sozialkompetenztraining. Dies könne jedoch den großen Bedarf bei Weitem nicht decken.

Zahlreiche Zuschüsse genehmigt

Zudem hat der Jugendhilfeausschuss sechs Zuschussanträge genehmigt: Das Katholische Kreisbildungswerk Traunstein erhält wie in den Vorjahren 6500 Euro für sein Eltern-Kind-Programm. Der Ehe-, Familien- und Lebensberatung München wurden wie im Vorjahr 8500 Euro für die Beratungstätigkeit im Landkreis Traunstein gewährt, 1500 Euro weniger als beantragt. Der Verein hatte den Gesamtaufwand für den Landkreis mit rund 222 000 Euro beziffert.

Das Familienpflegewerk des Bayerischen Frauenbund-Landesverbands erhält für seine Arbeit in den Familienpflegestationen Traunstein und Trostberg einen Zuschuss von 17 394 Euro. Es leistet in erster Linie Hilfe für Familie mit Kindern, die vorübergehend wegen Krankheit oder anderen Krisensituationen Kinder und Haushalt nicht alleine versorgen können. Familienpflege ist zwar grundsätzlich eine Leistung der Krankenkassen. Die Gebührensätze decken aber nur einen Teil der Kosten für eine Einsatzstunde ab. Seit dem Jahr 2011 gewährt der Landkreis dem Familienpflegewerk deshalb zwei Euro je Einsatzstunde des Vorjahres als Zuschuss. 2017 waren 8697 Einsatzstunden dokumentiert.

Mit 200 000 Euro aus Landkreismitteln kann der Kreisjugendring Traunstein rechnen. Die Hälfte davon wird direkt an die Jugendverbände und Jugendvereine zur Förderung der Jugendarbeit im Landkreis Traunstein weitergeleitet.

Dem Caritas-Zentrum Traunstein sagte das Gremium für die Arbeit der Suchtpräventions-Fachkraft 41 956 Euro zu. Dies sind zwei Drittel der Personalkosten für eine Vollzeitkraft, wie es der Jugendhilfeausschuss bereits im Jahr 1997 beschlossen hatte. Die Regierung von Oberbayern steuert 12 280 Euro für die Stelle bei. Dem Mütterzentrum »Wössner Regenbogen« wurden 6000 Euro gewährt. Der Verein bietet ein familienorientiertes und bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder.

Etwas mehr Geld für Pflegeeltern

Der Jugendhilfeausschuss hat Änderungen in den Richtlinien für die Vollzeitpflege zur Kenntnis genommen. Diese waren am 1. Januar in Kraft getreten. Rund 115 Kinder und Jugendliche sind im Schnitt der vergangenen Monate in Pflegefamilien untergebracht gewesen. »Es freut mich, dass sich immer wieder Familien bereit erklären, Kinder und Jugendliche bei sich aufzunehmen. Dies ist keine leichte Aufgabe, da diese in der Regel schon einiges in der Herkunftsfamilie mitgemacht haben«, sagte Landrat Siegfried Walch (CSU).

Die Pflegefamilien werden vom Pflegekinderdienst des Jugendamts unterstützt und erhalten finanzielle Unterstützung auf Basis der Vollzeitpflegerichtlinien. Die monatlichen Pflegepauschalen richten sich nach dem Alter des Kindes und wurden auf Weisung vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz leicht angehoben: für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr auf 802 Euro (plus zehn Euro), für Kinder vom siebten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr auf 904 Euro (plus zehn Euro), und für Jugendliche ab dem 13. Lebensjahr auf 1040 Euro (plus zwölf Euro).

Nach einem Schreiben des Präsidenten des Landgerichts Traunstein hat der Jugendhilfeausschuss für das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Traunstein und die Jugendkammer am Landgericht Traunstein mindestens 80 Jugendschöffen für die Jahre 2019 bis ‘23 vorzuschlagen. Dafür hatten sich 68 Frauen und 56 Männer gemeldet. Fast alle Bewerbungen entsprechen laut Jugendamts-Chef Franz Feil den Voraussetzungen für dieses Ehrenamt. Die Jugendschöffen müssen unter anderem erzieherisch befähigt, in der Jugenderziehung erfahren sein und im Landkreis wohnen. Nur ein Mann musste von der Liste gestrichen werden, da er beim Zoll beschäftigt ist und Vollzugsbeamte das Jugendschöffen-Amt laut der Statuten nicht ausführen dürfen. Die Vorschlagsliste wird nun im Jugendamt eine Woche lang öffentlich ausgelegt und anschließend ans Amtsgericht Traunstein übersandt. rse