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Peter Schwenk Gast bei der Ausstellung von Gudrun Reubel und August Schmitt

Erzählkugeln im Abendlicht

Eine Hausausstellung findet noch am kommenden Wochenende am Samstag und Sonntag beim Künstlerpaar Gudrun Reubel und August Schmitt in Fridolfing statt. Als Gast haben sie Metallbildhauer Peter Schwenk aus Maithenbeth eingeladen.

Wie »Seifenblasen aus Aluminium oder Eisen« liegen Peter Schwenks Kunstkugeln auf der Terrasse. (Foto: Ibrahem Alchami)

Autor Matthias Oesterheld aus Wasserburg hielt bei der Vernissage die Laudatio auf die drei Künstler. »Wir haben uns schon länger einen Gast für unsere Ausstellung gewünscht«, erklärte Hausherr August Schmitt. In Atelier, Werkstatt und Wohnbereich stehen und hängen die vielfältigen Werke des Künstlerpaares allerdings so dicht, dass man jemanden brauchte, der seine Werke im Freien aufstellen kann. Der große Garten und die neu angelegte Terrasse über Schmitts Werkstatt bieten noch viel Platz.

Ideale Ergänzung zum »Gesamtkunstwerk«

Mit Schwenk, den beide schon lange kennen, hat das Künstlerpaar eine ideale Ergänzung für das »Gesamtkunstwerk« aus Haus und Garten, Schmitts Möbeln und Reubels Grafik, ihren Gemälden, Objekten und Skulpturen gefunden. Die unterschiedlich großen Kugeln des Gastes liegen im Gras und auf dem Steinboden der neu gebauten Terrasse, als gehörten sie schon immer hierher. Natur, Kunst und Handwerk verschmelzen zu einem beeindruckenden Gesamtbild.

Oesterheld würdigte in seiner Laudatio zunächst Gudrun Reubel, deren »liebenswerte Persönlichkeit« sich in ihren Kunstwerken spiegele. Reubels grafisches Werk beschrieb er als diszipliniert, streng und klar. Ihre Arbeiten bewegten sich immer im Spannungsfeld der Gegensätze und forderten ein meditatives Sich-Einlassen des Betrachters. Er werde durch ihre Werke zu Staunen und Nachdenken angeregt. Gerade in der Radierung beweise Reubel höchste Könnerschaft und Präzision. Beachtlich sei, dass sie bei der beeindruckenden Vielfalt ihrer künstlerischen Ausdrucksformen dennoch eine unverwechselbare Handschrift besitze.

Kunst originell in den Alltag bringen

August Schmitt stellte der Laudator vor allem als Liebhaber des Materials Holz vor. Er gestalte »außerordentliche Gegenstände, die Kunst in den Alltag bringen.« Seine Werkstatt fasziniere wie die alten Handwerksstuben großer Künstler. An Schmitts Werken gefalle ihm die »Leichtigkeit, ja fast Verspieltheit« im Umgang mit Holz, Schiefer und alten Dingen. Schmitt verbinde in seinen Möbeln und Objekten Originalität und Experimentierfreude mit handwerklicher Präzision. Ob es sich hierbei um Kunst in Verbindung mit höchstem handwerklichem Können handele oder um Handwerk mit großem Anteil an Kunst, sei letztlich eine akademische Fragstellung.

Seinem langjährigen Freund Peter Schwenk gelinge es, Schweres leicht scheinen zu lassen: Die künstlerisch gestalteten Metallkugeln wirkten »wie Seifenblasen aus Aluminium oder Eisen«, betonte Oesterheld. In Wahrheit sei es das Ergebnis harter Arbeit und »im Schweiße seines Angesichts« entstanden, machten die »Roundabouts« beim Betrachten körperliche Anstrengung und technischen Hilfsgeräte wie Plasmaschneider, Schweißgerät und Schwingschleifer vergessen. Stattdessen lüden sie als Farb-, Material- und »Erzählkugeln« zur Betätigung kindlich überbordender Fantasie ein. Nicht zufällig seien Ball und Kugel die Grundlage unzähliger Spiele. Ohne Anfang und Ende, von allen Seiten in immer neuer Perspektive zu betrachten, sei die Kugel »die Grundform par excellence«, Symbol für die Unendlichkeit. Diese Kugeln bräuchten auch, so Oesterheld, keinen Sockel der Bewunderung.

Im Garten des Fridolfinger Anwesens liegen sie wie zufällig hingerollte, zu groß geratene Murmeln: jede anders und einmalig, gefügt aus Schrott und Fundstücken, unzähligen rostigen Eisenhänden oder verschiedenen glänzend polierten Alu-Fischen, aus farbig lackierten bunten Eisenblech- Blüten oder matt schimmernden Metallstäbchen.

»Das Erzählen findet im Kopf des Betrachters statt«, so Oesterheld. Das gilt auch für die meist ohne Titel ausgestellten Werke Gudrun Reubels, die zwar oft kontroverse Themen aufgreifen, für die Zuweisung von Bedeutung aber noch genug Spielraum lassen. Viele ihrer Bilder faszinieren durch reines Formenspiel und immer neue Materialien. Und Schmitts Möbel und Objekte möchte man, wie der Laudator treffend sagte, »am liebsten streicheln«.

Die Hausausstellung in der St. Johann-Johann-Straße 33 ist am Samstag und Sonntag zwischen 15 und 19 Uhr zu besichtigen – oder zu anderen Zeiten nach Vereinbarung (Tel. 08684/9198, E-Mail info@g-reubel.de). Gerda Poschmann-Reichenau