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Erstes Eis auf den Seen birgt Lebensgefahr – BRK warnt: Eisflächen nicht betreten

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Eisflächen nicht betreten!
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Foto: BRK BGL

Berchtesgadener Land – Die kalten Temperaturen der vergangenen Tage haben dazu geführt, dass sich auf einigen kleinen Weihern und Seen in Bayern eine dünne Eisschicht gebildet hat. Vielerorts sind die Eisflächen noch nicht tragfähig. Das heißt, die Eisdecke ist zu dünn, und es besteht Lebensgefahr, wenn man sie betritt.


Im Berchtesgadener Land sind noch keine Gewässer wirklich zugefroren, auch der schattige Hintersee fängt erst langsam an, Eis zu bilden. Aufgrund der niedrigen Wassertemperaturen verliert ein ins Eis eingebrochener Mensch innerhalb kurzer Zeit das Bewusstsein und läuft Gefahr, zu ertrinken. Die BRK-Wasserwacht warnt daher eindringlich vor dem Betreten von nicht tragenden Eisflächen.

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Die ehrenamtlichen Wasserretter des Roten Kreuzes sind rund um die Uhr für Notfälle auf dem Wasser und für die Eisrettung mit Wasserrettern und Einsatztauchern einsatzbereit. »Die beste Rettung ist aber die, die gar nicht erst benötigt wird; daher raten wir zur Vorsicht. Das Eis trägt in vielen Fällen nicht! Nicht aufs Eis gehen! Im Notfall Hilfe unter der Nummer 112 anrufen«, erklärt der Technische Leiter der Ortsgruppe Berchtesgaden, Franz Kurz.

Die Wasserwacht rät dringend folgende Regeln für den Ernstfall zu beachten:

Laut um Hilfe rufen. Auf jedem Fall vermeiden, dass man unter das Eis gerät. Wenig bewegen, um möglichst wenig Körpertemperatur zu verlieren. Sofort Hilfe holen über die Notrufnummer 112. Die eingebrochene Person beruhigen. Nur mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern (teilweise an Seen am Uferbereich vorhanden), Ästen, Abschleppseil oder ähnlichen Gegenständen die zur Verfügung stehen, die eingebrochene Person absichern.

Nur zur Rettung ans eisige Wasser gehen, wenn man selbst über eine weitere Person mit einem Seil gesichert sind. Den Verunglückten an Land bringen, in der stabilen Seitenlage lagern und vor Kälte schützen, bis der herbeigerufene Rettungsdienst eintrifft.

Eisflächen auf natürlichen Gewässern sollten besser gemieden werden; zum Schlittschuhlaufen stehen vielerorts Eislaufbahnen zur Verfügung. Wer dennoch Wintersport auf dem Eis treiben möchte, sollte grundsätzlich nur an bewachten Gewässern und nie allein auf das Eis gehen sowie auf die Warnungen der örtlichen Behörden, der lokalen Medien und Hinweis- und Verbotsschilder vor Ort achten.

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Die Bilder zeigen eine Übung der BRK-Wasserwacht Berchtesgaden am Hintersee. Foto: Planegger, BRK BGL

Interview mit der Technischen Leitung der Wasserwacht Berchtesgaden

Was sind die konkreten Gefahren an zugefrorenen Gewässern?

Die Eisstärke, ihre Beschaffenheit und somit die Tragfähigkeit können stark schwanken und sich selbst in einem kleinen Umkreis enorm verändern. Deshalb ist es trügerisch, sich darauf zu verlassen, dass das Eis schon halten werde.

Denn die Entwicklung des Eises ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise von Luft- und Wassertemperatur, Wind, Strömung (u.a. von einmündenden Bächen, Flüssen oder Quellen), von der Wassertiefe und einem sich ändernden Wasserstand, Pflanzenbewuchs unter Wasser, Schnee auf dem Eis (der isolierend wirkt und so potentielle Schwachstellen verdeckt) oder Erwärmung des Eises durch Sonnenschein. Dies sind nur einige Beispiele, wie die Eisbildung ungünstig sein kann.

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Foto: Planegger, BRK BGL

Warum ist das so gefährlich?

Im kalten Wasser kann sich ein Mensch in der Regel nur wenige Minuten über Wasser halten. Schnell lassen die Kräfte nach und man ist zu stark geschwächt, um sich über Wasser halten zu können. Wer ins Eis einbricht, verliert bei den niedrigen Wassertemperaturen schnell das Bewusstsein und läuft so Gefahr, zu ertrinken.

Wann ist das Eis tragfähig?

Es muss in der Regel mehrere Wochen strengen Frost geben, damit Gewässer richtig zufrieren. Aufgrund der vielen Einflussfaktoren auf die Eisdicke gibt es keine wirklich verlässliche Antwort auf diese Frage.

Wo bekommt man Informationen zu Eisflächen?

Informieren kann man sich bei den Behörden vor Ort, beispielsweise den Wasserwirtschaftsämtern oder den zuständigen städtischen Referaten. Diese geben teilweise das Eis offiziell frei.

An diesen Gewässern finden sich Hinweisschilder, ob das Eis betreten werden darf oder nicht, zudem liegen am Ufer in der Regel Seile, Ringe und Leitern bereit. Auch das Betreten dieser Eisflächen geschieht jederzeit auf eigene Gefahr.

Was sind Anzeichen für eine zu dünne Eisschicht?

Unter anderem dunkle oder schwarze Stellen im Eis zeigen an, dass die Schicht noch viel zu dünn ist. Auch verschneite Eisflächen und bewachsene Uferzonen sind gefährlich. Ebenso sind Seen, die von Bächen oder Flüssen durchzogen sind, gefährlich. An den Ein- oder Ausflüssen kann innerhalb weniger Meter das Eis deutlich dünner als auf dem Rest des Sees sein.

Wie verhält man sich, wenn das Eis knackt?

Falls das Eis knistert und knackt, am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage ruhig in Richtung Ufer bewegen oder robben.

Wie verhält man sich, wenn man selbst ins Eis eingebrochen ist?

Ruhe bewahren, laut um Hilfe rufen und auf sich aufmerksam machen. Wenig bewegen, da der Körper sonst noch schneller auskühlt. Sich über Wasser halten, nicht unter das Eis geraten, sich falls möglich am Rand des Eises festhalten oder auf dickeres Eis hochziehen, gegebenenfalls auch seitwärts mit Händen und Füßen gleichzeitig.

Falls das Eis beim Versuch, darauf zu klettern weiter einbricht, kann man sich langsam in Richtung Ufer bewegen, indem man mit Ellenbogen oder Fäusten die Eisfläche zerschlägt, bis man ans Ufer gelangt.

Wie kann man helfen, wenn jemand ins Eis eingebrochen ist?

Hilfe über die Notrufnummer 112 holen, die eingebrochene Person beruhigen. Falls möglich, die eingebrochene Person absichern mit Hilfsmitteln wie Rettungsring, Leitern, Ästen, Abschleppseilen oder ähnlichen Gegenständen. Nur selbst ans eisige Wasser gehen, wenn man selbst über eine dritte Person mit einem Seil gesichert ist und am besten liegend, beispielsweise mit einer Leiter als Hilfsmittel, um das Gewicht auf dem Eis bestmöglich zu verteilen.

Keinen direkten Kontakt mit dem Verunglückten herstellen, nicht direkt die Hand reichen, immer ein Gegenstand dazwischen, beispielsweise einen Stock. Den Verunfallten an Land bringen, bei Bewusstlosigkeit in der stabilen Seitenlage lagern und vor Kälte schützen, bis der Rettungsdienst eintrifft.

mp/ml/red