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Ernst Rappel beseelte seine Heimat wie kein anderer

Die Region ist um einen herausragenden Künstler und einen äußerst liebenswürdigen Menschen ärmer: Ernst Rappel aus Inzell verschied in tiefem Frieden in der Nacht zum 18. Januar in der Nähe seiner Ehefrau Annemie in seinem Zuhause in Breitmoos. Am 19. Mai wäre Ernst Rappel 91 Jahre alt geworden.

Auf seinem Balkon mit wunderschönem Blick zum Falkenstein saß Ernst Rappel gerne. Mit der Darstellung von zwei Bergleuten an der Schmelzer Kapelle widmete sich Rappel einer wichtigen Epoche der Inzeller Geschichte. (Fotos: Mergenthal)

»Kein anderer Künstler hat mit seiner Kunst unseren heimatlichen Gau so beseelt wie dieser gebürtige Traunsteiner, dessen Familie hier seit circa 200 Jahren ansässig ist«, sagt über Rappel Heinz Scholz, einer seiner besten Inzeller Freunde. In seiner Heimatstadt ebenso wie in seiner Wahlheimat Inzell schuf er zahlreiche Werke im öffentlichen Raum und an Privathäusern, die jeder Einheimische kennt.

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Ernst Rappels Basis war das solide Handwerk. Der Sohn eines Kirchenmalers absolvierte nach der tiefen Zäsur von Krieg und Gefangenschaft 1950 die Meisterprüfung im Malerhandwerk. Im Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München traf er seine erste Frau Renate, eine Grafikerin, mit der er später viele Kunstwerke schuf, und heiratete sie in Traunstein. Das Paar rettete gemeinsam in achtjähriger Arbeit den alten Buchschlögelhof aus dem Jahr 1490 in Breitmoos bei Inzell vor dem Verfall und baute ihn um.

Sein erstes großes Kirchenglasfenster schuf der Künstler 1964 im Kinderheim St. Josef in Traunstein, sein erstes Inzeller Werk 1962 beim »Dorfkramer«, ein Wandrelief.

Heute begegnet man seinen Werken in der Region auf Schritt und Tritt. Zahlreichen Rathäusern, Banken, Schulen, Plätzen, Kirchen oder Privathäusern, rund 40 Häusern allein in Inzell, drückte er seinen künstlerischen Stempel auf: mit Bronzeguss-Brunnen, Wandmalereien, Mosaiken und vor allem Sgraffiti, einer Relief-Technik, bei der die Farbe in den Putz eingearbeitet und der dunkelste Ton zuerst aufgetragen wird. Dem Experimentieren mit neuen Techniken und der Keramik galten seine besonderen Vorlieben. Eine kleine Auswahl seiner Werke sei hier genannt: In Traunstein kreierte Rappel unter anderem das Glasmosaik im Foyer des Kulturzentrums, das Fenster der Taufkapelle von St. Oswald, den Kreuzweg und die Sonnenuhr im Institut Sparz, das Sgrafitto der Seligen Irmengard am Caritasheim Traunstein, die Wandmalerei in Kantine und Aufenthaltsraum des Landgerichts und das Keramikmosaikwappen am Landratsamt, in Eisenärzt den heiligen Franziskus für das Schwesternheim und in Ruhpolding ein Keramikmosaik im Innenhof des Vinzentinums sowie Stuckreliefs mit Blattsilber im Eingangsbereich und in den Stockwerken. Im Berchtesgadener Land hat er unter anderem das Hotel Größwang am Königssee und den Gasthof Reiter im Achtal gestaltet, und in Teisendorf schuf er für das Seniorenheim ein Kirchenfenster sowie ein Altarbild.

Ernst Rappels Vermächtnis für seine Wahlheimat Inzell lässt sich überhaupt nicht mit Worten oder einer Auflistung fassen. Seine Werke zieren das Rathaus, den Festsaal, die Schule, den Friedhof, den Badepark, das Feuerwehrhaus, Banken sowie unzählige Geschäfts- und Privathäuser.

Den kleinen, geduldigen Mann zeichneten große Zähigkeit, eine positive Lebenseinstellung und ein unverbrüchlicher Humor aus. Damit überstand er große Lebenskrisen, wie das frühe Ableben infolge schwerer Krankheiten sowohl seiner ersten Frau Renate, neben der er in Inzell seine letzte Ruhestätte finden wird, als auch seiner zweiten Frau Hilde. Seit 17 Jahren begleitete ihn nun bis zu seinem Tod Ehefrau Annemie.

Mehrmals rappelte er sich selber nach gesundheitlichen Krisen wieder auf. Fast bis zuletzt war er noch künstlerisch tätig, begann zum Beispiel vor zweieinhalb Jahren die Arbeit an einem Keramik-Relief des »bayerischen« Papstes Benedikt XVI. Für seinen 90. Geburtstag im Mai 2012, den er bei guter Gesundheit im mit vielen Rappel-Wandmalereien verzierten Gasthof Schmelz feierte, gestaltete er ein originelles Plakat und die Einladungskarte.

Ernst Rappel wird als Mensch eine tiefe Lücke hinterlassen. Doch in seinen kraftvollen Werken, die viele Tiere, Pflanzen und andere Symbole aus der Natur zieren, wird er im öffentlichen Raum weiterleben – auch und gerade für die Menschen, die sich dort bewegen oder an einem seiner Brunnen Ruhe finden.

Das Requiem mit Beerdigung findet am Freitag, 25. Januar, um 14 Uhr in der Pfarrkirche St. Michael in Inzell statt. Veronika Mergenthal