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Ermittlungen gegen Sportarzt Franke eingestellt

Erfurt (dpa) - Ein Strafverfahren gegen den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke wird es nicht geben. Am Mittwoch beendete die Staatsanwaltschaft Erfurt die monatelangen Ermittlungen gegen den früheren Honorararzt des Olympiastützpunktes Erfurt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

Praxis
Das Haus mit den Praxisräumen des Erfurter Sportmediziner Dipl.-Med. Andreas Franke. Foto: Mario Gentzel Foto: dpa

Ein hinreichender Tatverdacht bestehe nicht, teilte die Behörde nach Bewertung des gesamten Akteninhalts mit. Franke war vorgeworfen worden, Sportlern Blut entnommen, dieses mit UV-Licht behandelt und anschließend in den Körper der Athleten reinjiziert zu haben, was einem Dopingvergehen gleichkomme.

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Zwar sieht die Staatsanwaltschaft in der vorgenommenen UV-Bestrahlung einen objektiven Verstoß gegen den Buchstaben M1.1 der Anlage zum Übereinkommen gegen Doping im Sport und damit eine verbotene Methode, «ein zielgerichteter Einsatz zu Dopingzwecken im Sport ist aber nicht nachweisbar. Vielmehr ist die Einlassung des Beschuldigten, er habe die Methode zur Verbesserung der Immunabwehr angewandt, nicht zu widerlegen», heißt es in einer Presseerklärung.

Dass es sich bei seiner Methode um einen Verstoß gegen das Dopinggesetz handeln soll, sorgte bei Franke und seinem Rechtsbeistand für Unverständnis. «Eine verbotene Methode beziehungsweise Blutdoping liegt nur dann vor, wenn tatsächlich durch die Methode eine Erhöhung des Sauerstofftransfers bewirkt wird», zitiert der Anwalt Wolfgang Euler den Buchstaben M1.1 und fährt fort: «Eine davon abweichende Meinung, Blutdoping liege bereits vor, wenn eine Methode geeignet ist, zu einer Erhöhung des Sauerstofftransfers beizutragen, ist mit dem eindeutigen Wortlaut der Vorschrift nicht zu vereinbaren.»

Vielmehr sehen Franke selbst, die von ihm behandelten Sportler und verschiedene Sportärzte in der Behandlung eine Methode zur Immunabwehr. Das hatte zu einer kontroversen Debatte in Deutschland geführt, die nun neue Nahrung erhält.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, die Frankeschen Behandlungsmethoden hätten keine wissenschaftlich belastbaren leistungsfördernden Wirkungen und legte zu seinen Gunsten aus, dass er nichts verschleierte, diese Methode seit Jahren auf seiner Internetseite benennt und auch bei «Nicht-Sportlern» anwendet.

Die Ermittlungen hätten zudem weder eine systematische noch zielgerichtete Behandlung von Sportlern ergeben. Die als Zeugen gehörten und damit zur Wahrheit verpflichteten Athleten hätten eine zielgerichtete Behandlung zur Leistungssteigerung von sich gewiesen und erklärt, sie hätten Franke aufgrund aktueller Erkrankungen aufgesucht.

Dem widerspricht der Doping-Experte Fritz Sörgel in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. In seinem Fazit forderte er Schwerpunktstaatsanwaltschaften. «Dopingbetrug ist kein Ladendiebstahl, erfordert Fachleute, die die mafiösen Strukturen kennen und konsequent aufdecken», sagte er.

Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hieß es, die Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft beantworte lediglich die strafrechtliche Frage. «Wie bekannt, ist das sportrechtliche beziehungsweise disziplinarrechtliche Instrumentarium vom Strafrecht unabhängig und weitergehend. Deshalb wird sich das DOSB-Präsidium mit den Vorgängen um den Arzt beschäftigen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen», sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue.

Für die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) teilte Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer mit, man nehme die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis. Er betonte jedoch: «Ungeachtet der Einstellung der staatsanwaltlichen Ermittlungen betreiben wir die von uns bereits eingeleiteten sportrechtlichen Verfahren zügig und konsequent weiter.» Die NADA hatte die Methode Frankes nach der seit 2011 geltenden Verbotsliste als Dopingvergehen eingeschätzt und Ermittlungen gegen 30 Sportler aufgenommen.

Ein Verfahren des Deutschen Sportschiedsgerichts gegen die von Franke behandelte Erfurter Eisschnellläuferin Judith Hesse hatte vor einem Monat einen Freispruch ergeben. Der Sportlerin, die sich selbst angezeigt hatte, konnte kein persönliches Verschulden nachgewiesen werden, wenngleich das Gremium objektiv ein Dopingvergehen ausgemacht hatte.

«Ich bin nicht überrascht von der Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Ich war von Anfang an überzeugt, dass kein Dopingfall bestand. Ich habe den Experten vertraut, die etwas davon verstehen», sagte Peter Gösel, Präsident des Landessportbundes Thüringen und Vorsitzender des Trägervereins des Olympiastützpunktes Erfurt, bei dem Franke lange Zeit beschäftigt war.