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Erfrischende Arien

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Opernvergnügen pur im k1-Saal: Unter der Leitung von Richard Kalahur bereiteten das Ruperti-Orchester, die vereinten Chöre (Sängerchor Traunreut, Kirchenchor Palling und Gesangverein Trostberg) mit den Solisten Sieglinde Zehetbauer (Sopran) und Anton Klotzner (Tenor) einen höchst ansprechenden Querschnitt aus beliebten Opernwerken. (Foto: Benekam)

So eine erfrischende Opern-Gala mit bekannten Werken zum »innerlich« Mitträllern eignet sich hervorragend, sich wieder einmal auf Wesentliches zu besinnen und die Querelen des Alltags für ein paar Stunden hinter sich zu lassen.


Mit immer neuen und attraktiven Konzertangeboten aus unterschiedlichen Musikgenres lockt der Sängerchor Traunreut gleich mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten mit exquisiten musikalischen Genusshappen, die, wie man jetzt im Traunreuter k1-Saal erleben durfte, heute wie damals regen Zulauf genießen. Für Chorleiter Richard Kalahur, der seit nun schon 36 Jahren seine Liebe zur Musik und seine musikalischen wie musikpädagogischen Kompetenzen mit viel Herzblut im Sängerchor wirken lässt, scheint seine Arbeit ein Jungbrunnen zu sein.

Dank seiner abwechslungsreichen Werkauswahl, seines spitzbübischen Humors und nicht zuletzt aufgrund seiner ansteckenden Musikleidenschaft gelang es ihm, die einst eher kleine Chorgemeinschaft (Gründungsjahr 1951) zu einem respektablen Klangkörper heranwachsen zu lassen. Bei fast ausverkauftem Haus freuten sich die Musikliebhaber nicht nur auf die angekündigten Opern-Arien mit den Solisten Sieglinde Zehetbauer (Sopran) und Anton Klotzner (Tenor), sondern auch über die Tatsache, dass diesmal nicht nur ein, sondern gleich drei Chöre die k1-Bühne füllten.

Zusammen mit dem ebenfalls unter Kalahurs Leitung musizierenden Ruperti-Orchester, dem Gesangverein Trostberg und dem Kirchenchor Palling war nun die große Bühne auf gleich mehreren Ebenen mit musizierfreudigen Amateur- wie Profimusikern ausgefüllt. Der schöne Anblick ließ auf ein klangvolles Hörvergnügen hoffen. Diese Hoffnung wurde in keinem Moment enttäuscht. Das Ruperti-Orchester hatte hörbar Vergnügen daran, die Gäste mit »Der Schauspieldirektor« von Mozart zu begrüßen. Mit voll tönendem Klang erhoben im Anschluss mit »Godiam la pace« aus der Mozartoper Idomeneo – in harmonischer Orchesterbegleitung – die Chöre ihre Stimmen.

Die beiden Gesangssolisten wissen nur zu gut, dass man in der Oper nicht nur was Schönes hören will, sondern auch was sehen will: Das Duett »La ci darem la mano« aus Mozarts Don Giovanni bot ausreichend Gelegenheit zu frechem Kokettieren und ließ die Gäste mehrmals kichern. Aber es muss nicht immer Mozart sein. Drei Werke aus »Die verkaufte Braut« von Friedrich Smetana brachten die k1-Gäste zum Schwärmen. Die Chöre kredenzten »Der Chor der Landleute«, das Orchester gab die lustige Polka – tänzerisch leicht interpretiert – zum Besten und die Solisten glänzten stimmlich im Duett in »Mit der Mutter sank zu Grabe«.

Ihre gesanglichen Qualitäten brachte Zehetbauer besonders in Dvoraks Opern-arie der Rusalka (»Mondlied«) mit herrlich mühelosem Klang und wirkungsvollen Koloraturen zur vollen Entfaltung. Anton Klotzner konnte in der Romanze des Nemorino aus Donizettis Oper »Der Liebestrank« mit seinem angenehmen Tenor und gut dosierter Charakterisierungskunst mit seiner charmanten Kollegin voll Schritt halten, sodass im Anschluss Verdis »Freudentaumel« aus der Oper Ernani, von Orchester und Chor mit Schmiss interpretiert, nicht besser hätte passen können. Nicht aus einem Guss, sondern eher »von innen heraus«, wie man den Eindruck hatte.

Das galt auch für den zweiten Konzertteil, in dem, wie zu spüren war, sogar noch eine genussvolle Leistungssteigerung möglich war. Die Chöre zeigten in zwei Werken aus der Oper »Die Lombarden« von Verdi, dass ihr Potenzial im ersten Teil längst noch nicht ausgeschöpft war und das Orchester lief insbesondere in einem Werk von Pietro Mascagni, dem »Intermezzo sinfonico«, zur Hochform auf: eine »Melodie« voller Harmonie mit lyrischem Charakter und romantischer Tonfärbung, die jede Weltflucht überflüssig macht – zum Dahinschmelzen schön. Mit zwei Arien aus La Bohème und Tosca war auch der große Puccini in der kurzweiligen Opern-Gala vertreten und bot den Gesangssolisten einmal mehr die Möglichkeit, ihre Vielseitigkeit und gestalterische Ausdruckskraft unter Beweis zu stellen.

Verdi sei Dank: Das Schlusslicht im Programm war ein letzter schmackhafter Opernhappen, der immer zündet und zwangsläufig mehrere Zugaben nach sich zieht: Das »Trinklied« aus La Traviata. Gut so. Denn weder Musiker, Chöre noch Gesangssolisten und erst recht nicht Richard Kalahur zeigten auch nur ansatzweise Ermüdungserscheinungen. Das kräftige Klatschen und laute Bravorufen der Konzertbesucher wollte auch nicht abebben, sodass man sich in der Opern-Gala im k1 auf insgesamt drei Zugaben und zwei Sektgläser für die Solisten einigen konnte. Nach der Opern-Gala ist vor der Opern-Gala. Kirsten Benekam