weather-image

Erfolgsmodell Steinadlerforschung gefeiert

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Die Festredner des Abends (v.l.): Dr. Lutz Spandau, Jochen Grab, Paul Klima mit »Bruno«, Dr. Christian Barth, Ulrich Brendel und Dr. Roland Baier. (Foto: Bauregger)
Bildtext einblenden
Ein Steinadler vor den Mühlsturzhörnern. (Foto: Nationalparkverwaltung)

Berchtesgaden – Seit 25 Jahren beschäftigt sich eine Projektgruppe im Nationalpark Berchtesgaden intensiv mit der Erforschung des Lebensraumes des Steinadlers. Zwischenzeitlich wurden die Untersuchungen auf die gesamte Alpenkette bis zum Bodensee ausgeweitet. Darüber hinaus fand ein Projekttransfer nach Japan statt. Zu diesem Jubiläum gab es am Samstag einen Festabend im »Haus der Berge«. Auf eine interessante und verbindliche Art führte Florian Schrei vom BR durch den Abend. Für die musikalische Umrahmung sorgte Hermann Huber mit seinem Edeltrio.


Der »Hausherr« und Leiter des Nationalparks Berchtesgaden Dr. Roland Baier freute sich, neben Vertretern der Politik, der Behörden und vieler unterstützenden Organisationen, auch viele Freiwillige, Mitarbeiter des Nationalparks und ehemalige Praktikanten begrüßen zu dürfen, ohne die dieses Projekt nicht so erfolgreich verlaufen wäre.

Anzeige

»Das größte Artensterben seit der Kreidezeit«

Ein Gewinner dieses gezielten Artenschutzprojektes sei in jedem Fall der Steinadler, so das Resümee. Gerade in Zeiten des »größten Artensterbens seit der Kreidezeit« sei es wichtig, in Gebieten wie dem Nationalpark »Natur Natur sein zu lassen« und sich als Mensch zurückzunehmen. So avanciere der Nationalpark zu einem Beispiel staatlicher Daseinsvorsorge.

Der Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Dr. Christian Barth, der den erkrankten Umweltminister Thorsten Glauber vertrat, freute sich insbesondere darüber, dass der Steinadler zurück sei. Gerade jetzt, da sich viele andere Arten und Pflanzen auf dem Rückzug befänden. Das Projekt zeige auch, dass sich der Einsatz für den Naturschutz und den Artenschutz trotz eines schwierigen Weges lohne.

Gestärkt werde dieser Bereich seiner Ansicht nach auch durch ein verbessertes Naturschutzgesetz und etwa der Gründung eines bayerischen Artenschutzzentrums in Augsburg. Dr. Lutz Spandau erinnerte daran, dass erste Projektschritte schon von 37 Jahren in einem Forschungsprojekt der TU München gemacht worden seien. Seit 1994 unterstütze die Allianz Umweltstiftung dieses wertvolle Projekt mit erheblichen Finanzmitteln. So flossen bisher 550 000 Euro in das Projekt direkt und weitere 250 000 Euro in die Ausstellungen zum Steinadler im »Haus der Berge« oder im Klausbachhaus, in die Beobachtungsstation im Klausbachtal oder in Geräte für die telemetrische Erfassung der Tiere. Nicht nur weil der Steinadler Wappentier der Versicherungsgruppe ist, sondern auch ein langfristiges Monitoring elementar wichtig zum Schutz des Steinadlers sei, zeigte sich Dr. Spandau überzeugt, dass die Stiftung das Steinadlerprojekt auch weiterhin finanziell unterstützen werde.

Interessante Einblicke in die Projektarbeit

Zwei Spezialisten, die Projektverantwortlichen Ulrich Brendel und Jochen Grab gaben danach einen interessanten Einblick in die vielschichtige Projektarbeit. Im Fokus standen und stehen demnach Untersuchungen und Erfassungen zu den Hauptfluggebieten, die Größe der Reviere und die Brutplätze.

Gams als liebstes Beutetier

Als Ergebnis könne festgehalten werden, dass der Adler im Alpenraum wieder flächendecken heimisch sei. An Brutplätzen konnten 95 Fels- und acht Baumhorste identifiziert werden. Die Projektverantwortlichen sind sich aber sicher, das es noch viele weitere, unentdeckte gebe. In Bezug auf die bevorzugten Beutetiere habe sich gezeigt, dass insbesondere in den Brutzeiten das Gams als dominierendes Beutetier gejagt werde. Die Bruterfolge seien insgesamt schwankend. Nur jedes dritte Adlerpaar ziehe erfolgreich jedes Jahr Junge groß.

Zu unverzichtbaren Helfern bei der Projektarbeit gehörten die bisher etwa 300 Praktikanten, aber auch viele Ehrenamtliche, die sich an der Datensammlung beteiligen. Ein großer Vorteil sei es, dass in der Nationalparkverwaltung viele Kompetenzen unter einem Dach vereint sind und die Ergebnisse des Monitorings einer großen Zahl von Interessierten weitervermittelt werden konnte. So hätten bisher 20 000 Menschen an den Adlerführungen im Klausbachtal teilgenommen. Der Steinadler sei bestens dafür geeignet, »die Herzen der Menschen zu erreichen« und das Artenschutzthema anschaulich zu transportieren. Als gegenseitig befruchtend und kooperativ hätten sich auch die Kooperationen mit den Vertretungen etwa der Gleitschirm- und Hängegleiterpiloten, den BaySF, dem ADAC oder der Bergwacht Bayern herausgestellt. So seien sportliche Aktivitäten unter Einhaltung von Schutzzonen um die Horste gut zu lenken.

Langzeitsender für die Steinadler

Bildtext einblenden
Ein Steinadler vor den Mühlsturzhörnern. (Foto: Nationalparkverwaltung)

Als großes Ziel für die nächsten Jahre nannten die Projektverantwortlichen das Vorhaben, mit Langzeitsendern die Bewegungen der Steinadler noch intensiver verfolgen zu können. Im Anschluss hatten die Stars des Abends, die gezähmte Adlerdame »Fritzi« und ihr Bruder »Bruno« mit ihren Falknern Paul Klima und Bibiana Maier vom Falknerhof Dietramszell ihren großen Auftritt.

Auch hier entlockte der Moderator den Gästen viele interessante Details über die Aufzucht und den Einsatz der Tiere, zum Beispiel in vielschichtigen Filmprojekten, unter anderem am Jenner. Wie Klima hier versicherte, sei das Gewicht der Peilsender (20 bis 50 Gramm) oder der Kamera (100 und 150 Gramm) kein Problem für die Adler.

Weiter berichtete Rolf Eberhardt über seine Pionierarbeit, die bereits vor 37 Jahren mit der Erfassung von Daten für ein geografisches Informationssystem (GIS) begonnen hatte und eine Krönung mit dem Transfer des heutigen Erfassungssystems nach Japan erfahren habe. Claudia Gruber, eine ehemalige Praktikantin und heutige Gebietsbetreuerin im bayerischen Lechtal, berichtete über ihre Untersuchungen über Fütterungsaktionen im Klausbachtal und den Zusammenhang mit der Wettersituation.

Björn Klaassen, Geschäftsführer des Deutschen Hängegleiterverbands, freute sich über die Erfolge bei der bereits in den 1990er Jahren begonnenen Vermittlung zwischen den Projektverantwortlichen und den Luftsportlern. Beide Bereiche seien emotional besetzt. Darum gelte es nach wie vor, Gräben zu überwinden. Verhaltensregeln für die Begegnungen mit Adlern und anderen Greifvögeln, umgehende Infos zu Schutzzonen über verschiedene Kommunikationsmedien, oder zur Deutung wichtiger Signale der Vögel, die aus deren Flugverhalten abgelesen werden können, hätten zwischenzeitlich aber zur Entspannung der Situation beigetragen. Wichtig sei es allemal, bei solchen Projekten auch die Menschen und Freizeitsportler mitzunehmen. Schließlich berichtete Lisa Puschmann, Naturschützerin und Gleitschirmfliegerin, über ein Projekt am Geigelstein. Dort übernimmt ein 14-köpfiges Team aus Gleitschirmfliegern und Paragleitern freiwillig Schutzaufgaben für »ihre« Steinadler während der Brutphase und gibt Infos zum Schutzbereich umgehend weiter.

Puschmann und Klaassens erzählten emotional beeindruckend von Begegnungen mit dem Steinadler in der Luft und von hilfreichen »Tipps« der Vögel bei der Findung von tragfähigen Thermikströmen für den eigenen Flug. Mit einer Stärkung am Buffet und vielen interessanten Gesprächen endete die Adlergala im »Haus der Berge«.

Werner Bauregger

Italian Trulli