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Entwicklung der Fotografie seit den Siebzigern

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Zofia Kulik »The Human Motiv«, Teppich aus der Montage serieller Schwarz-Weiß-Fotografien. (Foto: Mikosch)

Mit seiner Ausstellung »Camera Austria International – Labor für Fotografie und Theorie« präsentiert das Museum der Moderne in Salzburg bis Anfang März eine umfassende Schau künstlerischer fotografischer Entwicklung, die seit Ende der siebziger Jahre von der Grazer Institution Camera Austria beobachtet, gefördert und dokumentiert wurde.


Nicht allein die österreichische Fotografie lag und liegt im Blick der nach wie vor aktiven Gründungsmitglieder Christine Frisinghelli, Manfred Willmann und Seiichi Furuya, sondern auch die Vernetzung mit der internationalen Fotografie wie die der Künstler untereinander. Fast 550 Werke aus aller Welt kann das Museum durch Mitarbeit von Gastkuratorin Frisinghelli und Haus-Kuratorin Christiane Kuhlmann präsentieren. So konnten sich Direktor Thorsten Sadowsky und sein Team bereits bei der Eröffnung der Ausstellung über das außerordentliche Interesse der Besucher freuen.

Acht Kapitel thematisieren die unterschiedlichen Arbeiten mit ihren spezifischen Sichtweisen und Positionen: »Topografie und Landschaft«, »Bild und Identität«, »Lebensraum und Repräsentation«, »Komposition und Dekonstruktion«, »Bild und Politik«, eng verknüpft mit »Recherche und Archiv«, »Bildpolitik und Wissenschaft« und »Privatheit und öffentliches Bild«.

Die von der Camera Austria kontinuierlich veröffentlichten Zeitschriften mit aktuellen Dokumentationen liegen auf verschiedenen Tischen bereit, so dass auch Fotografien der nicht hier ausgestellten Künstler dabei sein können.

Zum Thema »Komposition und Dekonstruktion« sticht ein Bild geradezu ins Auge, wenn man den Themenraum betritt. Nicht nur, dass es allein die Breitseite des Raums optisch füllt: Ein riesiger orientalischer Teppich scheint dort angebracht, wirksam in seinen typischen grafisch-symmetrischen Aufteilungen und Mustern, hier in Schwarz-Weiß und mit mehr oder weniger kräftigen Abstufungen. Fast magisch zieht dieser Teppich den Blick an. Erst nah vor ihm entdeckt der Betrachter, dass er aus einer Unzahl kleiner und großer einzelner, in verschiedenen Formen zugeschnittener Silbergelatineabzüge besteht, die zu diesem »Teppich« wieder zusammengesetzt und verklebt wurden. Diese Abzüge zeigen in verschiedenen Variationen menschliche Körper in tänzerischer Haltung oder Bewegung, die durch mehrfache übereinander gesetzte Belichtung etwas Unwirkliches, Verzauberndes bewirken. »The Human Motiv« (»Das menschliche Motiv«) nennt die polnische Künstlerin diese beeindruckende Montage aus seriellen Schwarz-Weiß-Fotografien, die bereits auf der documenta in Kassel gezeigt wurde und sonst seinen Platz im Warschauer Muzeum Naradowe hat. Gastkuratorin Frisinghelli benennt die Idee, welche hinter diesem Collage-artigen Werk steht: Ordnung und Unterordnung.

Unter diesen vielen verschiedenen Fotografien aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln – sei es zur Zeitgeschichte, fremder Lebensweise, Natur oder Körperlichkeit, Beruf oder Freizeit oder Menschen in verschiedenen Aktionen – wird klar, was das auf Anhieb befremdliche Motiv auf dem Plakat für diese Ausstellung bedeutet. Darauf ist nämlich eine fiktive Kamera zu sehen mit vier Objektiven, die in alle Himmelsrichtungen weisen: Der Blickwinkel jedes Fotografen, jede Wahrnehmung ist anders. Diese Vielseitigkeit menschlicher Sichtweise und das Festhalten dieses einzigartigen Blicks auf die individuell gesehene Realität - dies ergibt den Reiz dieser Ausstellung.

Die Ausstellung dauert bis 3. März, Öffnungszeiten sind jeweils von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, am Mittwoch bis 20 Uhr. Helga Mikosch