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Entsetzen über Umstände von Pezzoni-Flucht

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Kevin Pezzoni wurde vor seinem Haus bedroht. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa

Köln (dpa) - Die Flucht des Kölners Kevin Pezzoni aus Angst vor dem eigenen Anhang hat im deutschen Profifußball für Entsetzen gesorgt und Forderungen nach härteren Strafen für gewaltbereite Chaoten ausgelöst.


«Das ist unter keinen Umständen akzeptabel. Jetzt muss endgültig für jedermann klar sein, dass es ab einem bestimmten Punkt keinerlei Toleranz mehr geben kann», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der «Welt am Sonntag». Dies sei der Fall, «sobald Gewalt, in welcher Form auch immer, im Spiel ist».

Mittelfeldspieler Pezzoni vom 1. FC Köln war nach Angaben von Trainer Holger Stanislawski in den vergangenen Tagen durch Hooligans massiv bedroht worden. Der 23-Jährige löste daraufhin kurz vor Ablauf der Wechselfrist seinen Vertrag auf.

Rauball sei sich sicher, «dass die Verantwortlichen des 1. FC Köln alle nötigen Konsequenzen aus dem Fall ziehen werden. Es ist traurig, dass es eine kleine Minderheit erneut geschafft hat, sich so Gehör zu verschaffen.» FC-Präsident Werner Spinner will konsequent gegen die Schuldigen vorgehen. «Sie erhalten Stadionverbote, werden aus dem Verein ausgeschlossen - sofern sie Mitglieder sind - und der FC wird eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, um auch strafrechtlich gegen sie vorzugehen», kündigte der Clubchef an.

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein ähnlicher Fall beim Regionallisten 1. FC Magdeburg für Schlagzeilen gesorgt, als Ex-Kapitän Daniel Bauer von Vermummten attackiert worden war und den Verein verließ. Für den deutschen Profifußball ist eine derartige Eskalation hingegen neu. «Fakt ist, dass das definitiv alle Grenzen gesprengt hat. Das geht überhaupt nicht», urteilte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp beim Sender «LigaTotal».

Stuttgart Sportdirektor Fredi Bobic sprach in der TV-Sendung «Doppelpass» in Sport1 von einem «Skandal» und forderte eine Null-Toleranz-Politik. «Wir müssen sie verfolgen wie normale Straftäter», sagte Bobic. Ähnlich sieht es der ehemalige Kölner Trainer Ewald Lienen: «Das ist kriminell!» Er verlangte ein Einschreiten der Polizei. «Das ist absurd, dem müssen wir einen Riegel vorschieben.»

Köln-Coach Stanislawski hatte den Fall öffentlich gemacht. «Es sind Dinge vorgefallen, die Kevin das Fußballspielen in diesem Club nicht mehr ermöglichen», erklärte Stanislawski nach dem Training am Samstag. Pezzoni sei bepöbelt und bedroht worden. «Wenn ein Spieler Angst haben muss, auf die Straße zu gehen, dann sind eindeutig die Grenzen überschritten», meinte Stanislawski erschüttert. Zuvor hatte der Club noch nüchtern mitgeteilt, dass der Vertrag mit Pezzoni in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde.

Pezzoni selbst meldete sich wenig später via Facebook zu Wort. Es freue ihn, dass ihm viel Verständnis für seine Entscheidung entgegengebracht würde, schrieb der Profi. «Und wie viel Unverständnis wir gemeinsam gegenüber Mobbing, Beleidigungen, Gewalt & Co. haben. Dies hat weder auf oder neben dem Platz, noch im privaten Umfeld etwas zu suchen.» Sein Vater Franco Pezzoni berichtete: «Ich hatte große Angst um meinen Sohn. Es ging einfach nicht mehr. Wir mussten der Sache ein Ende machen.»

Das Team des 1. FC Köln stärkte ihrem bisherigen Mitspieler mit einer Mitteilung den Rücken. «Wir alle kennen unsere Rolle und unsere Verantwortung. Doch wir lassen als Mannschaft nicht zu, dass einzelne Spieler von einzelnen Chaoten gedemütigt und persönlich angegangen werden. Wir erwarten Fairness und Respekt im Umgang mit jedem einzelnen Spieler», hieß es.

Auch Präsident Spinner sprach sich klar gegen Gewalt aus. Er wies allerdings darauf hin, es handle sich um einige wenige «Störer und Chaoten,, die mit ihrem Verhalten den gesamten Verein und seine Fans in Verruf bringen.» Die Täter würden konsequent ausgesperrt.

Der Verein erklärte, dass zwei Tage vor der beidseitigen Vertragsauflösung Pezzoni den Verein «über Vorgänge in seinem persönlichen Umfeld informiert» habe. Mit der Beendigung des Kontrakts habe der FC einer ausdrücklichen Bitte des Spielers entsprochen.

Pezzoni war bereits am 19. Februar tätlich angegriffen worden. Am Karnevalssonntag erlitt er nach der Attacke eines Unbekannten einen Nasenbeinbruch. Er musste operiert werden, kehrte aber wenige Tage später ins Mannschaftstraining zurück. Zudem sei Pezzoni in den zurückliegenden Tagen auch über Facebook beleidigt und bedroht worden.

Pezzoni war seit 2008 für den 1. FC Köln aktiv gewesen und hatte unter anderem 80 Bundesligaeinsätze bestritten. Jetzt hofft er auf eine neue Chance bei einem anderen Verein. «Ich freue mich auf neue sportliche Herausforderungen!», schrieb Pezzoni in einem Grußwort an die Fans.

Offener Brief auf der FC-Homepage

Facebook-Seite Kevin Pezzoni

Offizielle Seite Kevin Pezzoni