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Entscheidung für Bischofswiesen

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Der Marktschellenberger Gemeinderat hat sich in der Sitzung am Montagabend für den Mittelschulstandort Bischofswiesen ausgesprochen. (Foto: Kastner)

Marktschellenberg – Der Marktschellenberger Gemeinderat hat sich in der Sitzung am Montagabend für Bischofswiesen als künftigen Standort der Mittelschule entschieden. Nach den Abstimmungen in Ramsau (eine Stimme im Mittelschulverband) und Schönau am Königssee (zwei Stimmen), sind damit vier von sechs Stimmen im Mittelschulverband für den Standort Bischofswiesen. Das Ergebnis steht somit bereits vor der Abstimmung in Berchtesgaden fest.


Die Entscheidung war letztlich vor allem eine Finanzielle. Bürgermeister Franz Halmich plädierte vor der Abstimmung dafür, möglichst sachlich zu wählen und fasste einige Argumente zusammen. »Der Schulweg nach Bischofswiesen wird natürlich geringfügig länger, aber die Zeiten, wann die Kinder wegfahren und heimkommen bleiben gleich.« Die seien schließlich an den Busfahrplan gebunden. Auch die Qualität des Unterrichts bleibe für die 24 Marktschellenberger Mittelschüler gleich, denn die Lehrer gingen ja mit. Erhebliche Unterschiede sah er hingegen im Zustand der Ausstattung. »In Berchtesgaden gibt es einen Sanierungsbedarf von etwa 4,6 Millionen Euro. Bischofswiesen hat hingegen ein renoviertes Gebäude. Außerdem werden die Kosten in Bischofswiesen von der Gemeinde getragen. In Berchtesgaden müsste hingegen der Mittelschulverband dafür aufkommen.« Die Schulverbandsumlage pro Schüler hätte sich in Berchtesgaden auf 2 805 Euro belaufen. In Bischofswiesen, rechnet man mit 2 240 Euro. »Das sind in Berchtesgaden 565 Euro mehr pro Schüler und Jahr. Der Wechsel nach Bischofswiesen wäre damit die wirtschaftlichste Variante.«

Halmichs Ansicht nach sprächen die Argumente eindeutig für Bischofswiesen. Auch für Anton Angerer (FW) und Nikolaus Rußegger (Grüne) waren die finanziellen Vorteile in Bischofswiesen ausschlaggebend. »Man kann den Bürgern auch schlecht erklären, dass erst viel Geld für die Schule in Bischofswiesen ausgegeben wird, wenn dann Berchtesgaden saniert werden muss.«

Für Gemeinderätin Sophia Stanggaßinger (CSU) waren die Argumente weniger eindeutig: »Das ist sicher die schwerste Entscheidung, seit ich im Rat bin. Aber ich denke, ein aufstrebender Ort wie Berchtesgaden sollte sich eine Mittelschule leisten. Wir sind im Gemeinderat oft mit hohen Ausgaben konfrontiert und segnen es trotzdem ab, weil es eben sein muss. Ich möchte daher für Berchtesgaden stimmen.«

Auch Daniela Graßl (FW) sprach sich für Berchtesgaden als Standort aus: »Es wird eine Ausbildungsbasis in der Mitte gebraucht. Das spricht für den Standort Berchtesgaden. Ich glaube nicht, dass Kinder in der vierten Klasse entscheiden, in welche Schule sie gehen. Das tun die Eltern, und für die ist der Standort wichtig.« Auch Platz für die Schüler wäre laut Graßl in Berchtesgaden mehr. »Berchtesgaden hat sich seit Jahren bewährt.«

Für Dr. Michael Köhler (CSU) war das kein Argument: »Wir müssen ohne Sentimentalität entscheiden.« Angesichts der Kosten und der Möglichkeiten in Bischofswiesen sähe er keine andere Wahl, als gegen Berchtesgaden zu stimmen. Die angegebenen Kosten für eine Sanierung erachtete er außerdem als sehr knapp geschätzt. »Da kommt meist mehr«, so Köhler.

Die Kritik am längeren Schulweg wollte Michael Köhler nicht gelten lassen: »Das sind zehn Minuten mehr. In Berchtegaden müssen die Kinder dafür bis zum Schulgebäude noch ein Stück laufen. In Bischofswiesen werden sie direkt aufs Gelände gefahren.« Auch Franz Kranawetvogl (LW) fand Beschwerden wegen des längeren Schulweges übertrieben: »Andere fahren nach Bad Reichenhall oder Freilassing.«

»Ich habe außerdem den Eindruck, dass der Berchtesgadener Bürgermeister und der Gemeinderat nicht auf den Standort bestehen«, sagte Köhler im Gemeinderat. Vielleicht habe man auch bereits eine andere Nutzung oder einen Verkauf im Kopf. Thomas Janders (SPD) Frage, wie die Nachnutzung ausschauen sollte, konnte Bürgermeister Halmich nicht beantworten: »Was Berchtesgaden mit dem Gebäude macht, ist nicht bekannt, aber eine Nachnutzung ist in Berchtesgaden sicher einfacher als in Bischofswiesen.«

Der zweite Bürgermeister, Volkhard Geiger (FW), machte deutlich, dass es ihm leid tue, Berchtesgaden als Standort zu verlieren. »Für mich schaut es so aus, als wäre es von langer Hand geplant worden, Berchtesgaden aufzulassen und nach Bischofswiesen zu gehen.« Er habe sich aber beide Standorte angeschaut und in Bischofswiesen sei eine schöne Schule. Nicht gelten lassen mochte er die Kritik am neuen Standort als »Randgemeinde«. »Dann wären auch wir in Marktschellenberg in einer Randgemeinde und so fühle ich mich nicht.«

»Wir müssen damit umgehen, dass Eltern sich hauptsächlich für andere Schultypen entscheiden und damit höhere Kosten für den Betrieb der Schulen entstehen. Daher müssen wir jetzt den Schritt gehen, sie zusammenzulegen«, fasste Halmich zusammen. Die Mitglieder des Gemeinderats entschieden sich schließlich mit zwei Gegenstimmen für den Mittelschulstandort Bischofswiesen. Alexandra Rothenbuchner