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Entrückte Verhaltenheit

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Christian Gerhaher (links) und Gerold Huber beim Signieren nach dem Vorjahreskonzert. (Foto: Aumiller)

Er gilt als der bedeutendste Liedersänger unserer Tage: der aus Straubing gebürtige Christian Gerhaher, der seine Stimme in allen gewünschten Facetten modellieren und nuancenreich schattieren kann.


Liedkenner geraten bei der bloßen Nennung seines Namens in verklärte Verzückung und seine Fans jubeln lauthals bei jedem seiner Auftritte. So war die aus der Erinnerung genährte Erwartung bei seinem diesjährigen Salzburger Festspielabend entsprechend hoch geschraubt. Aber die Freude über die Interpretation des exquisiten Schubert-Programms hielt sich leider in Grenzen. Gewiss hatte er aus Schuberts reichem Œvre einen Schatz an weniger populären Stücken ausgewählt, die nichtsdestoweniger zum Feinsten der vertonten Poesie Schuberts zählen. Dass die Wahl durchgehend nur auf dunkel trübe Schattenstimmungen mit nur vereinzelten lichten Aufhellungen fiel, gehört zu Gerhahers Präferenzen.

An diesem Abend war sein Überkultivieren des »natürlichen«, nicht manierierten Singens hingegen zur eigenen Manier geworden. Die extrem lineare Tongebung in ihrer Verhaltenheit kam dem Sprechen sehr nahe und erweckte manchmal den Eindruck, als würde der Sänger nur markieren. Der Stimmgebung fehlte damit jeglicher klingender Schmelz. Der emotionale Gehalt der Poesie und der Schubertschen Tonsprache blieb weitgehend Gerhahers Privatsache und vermittelte sich nicht über die vorderen Reihen hinaus.

Es mag sein, dass er damit dem Original der Schubertzeit nahekam, denn die Lieder wurden einst im Salon vor einem überschaubaren Freundeskreis aufgeführt. »Einsam schallen meine Lieder, nur das Echo hallt sie wider«, singt er im Lied »Der Sänger am Felsen« D482. Als Vereinsamter, ganz in sich Gekehrter gab sich Gerhaher auf dem Podium, um so lauter war am Ende das Echo seiner jubilierenden Anbeter, die er mit einer Zugabe belohnte: »Im Abendrot« knüpfte er an seine Liedkunst an.

Sein Begleiter, der fantasievolle Pianist Gerold Huber gestaltete den Klavierpart mit brillantem Anschlag, die Klangebene in Verbindung mit dem Wortgehalt dynamisch und vielschichtig auslotend. Aber zu Gerhahers wenig prägnantem Stimmeinsatz war der Klavierpart entschieden zu laut, da geriet die Balance zwischen Bariton und Klavier ziemlich ins Wanken. Elisabeth Aumiller