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Entdecker auf Schatzsuche

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Auf geht's. Die Massen warten schon. Sicher ist nur so viel: Jeder der Flohmarkt-Besucher wurde fündig. Die Auswahl war riesig. Fotos: Anzeiger/Voss
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Die fleißigen Helferinnen hatten eine große Kuchenauswahl im Angebot.
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»Wetten, dass ich diesen Schlüsselkasten loskriege?« Bürgermeister Franz Rasp ist skeptisch. Ob es geklappt hat?
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Wie immer befanden sich die Küchenutensilien draußen auf der Wiese verteilt.
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Galerist Peter Karger hat zugeschlagen.
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Bücherwürmer hatten jede Menge zum Stöbern.

Berchtesgaden – Punkt halb acht, jedes Jahr das gleiche Bild: Dutzende Flohmarkt- Freunde rennen dem Pfarrheim Sankt Andreas die Türen ein. So wieder geschehen am Samstag. Der Pfarrheim-Flohmarkt ist seit mittlerweile 36 Jahren eines der Hauptereignisse der Kirchengemeinde St. Andreas in Berchtesgaden. Der Grund: Zum einen gibt es einzigartige Schätze zu entdecken, zum anderen kann man auf einfache, aber effektive Weise wohltätige Zwecke unterstützen.


Sieben Uhr morgens: Schon jetzt stehen vor dem Pfarrheim Sankt Andreas jede Menge eingefleischter Schnäppchenjäger Schlange. Die Ungeduld und Unruhe unter den Leuten ist regelrecht spürbar. Und das zu Recht: Es handelt sich um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Denn nur der Kenner weiß: Die besten Dinge sind am schnellsten weg. Warum sollte es in diesem Jahr also anders sein?

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Von ausgefallenen Kostümen über die skurrilsten Küchengeräte bis hin zur Mini-Hüpfburg reicht das gut sortierte Angebot. Das kommt nicht von ungefähr: An die 40 Freiwillige haben die ganze Woche lang die Spenden in mühevoller Kleinarbeit geordnet, gefaltet und gestapelt. Aber nicht nur die Berchtesgadener sind begeisterte Flohmarktfreunde. Auch für Touristen ist es ein sehenswertes Ereignis.

Ute Fritzke aus Wolfsburg ist schon zum zehnten Mal in Berchtesgaden. Da die engagierte Urlauberin darüber nachdenkt, einmal nach Berchtesgaden zu ziehen, hilft sie in diesem Jahr erstmalig beim Pfarrheim-Flohmarkt mit. Dafür opfert sie eine Woche ihrer kurzen Aufenthaltszeit im Ort. Ihr sei es wichtig, den Ort und seine Bewohner von einer anderen Seite kennenzulernen: »Es war wirklich sehr viel Arbeit. Aber zunächst mal gefällt mir Berchtesgaden, und ich wollte einmal in diese normale Welt eintauchen«, sagt sie. »Ich wusste, da werden wieder viele Einheimische mitmachen und weil ich mit dem Gedanken spiele, hierher zu ziehen, wollte ich mich schon mal ins Ortsleben eingliedern.« Sie freue sich sehr darüber, dass sie von allen »Kollegen« im Pfarrheim liebevoll aufgenommen werde.

Ute Fritzke verkauft auf dem Flohmarkt Herren-Kleidung. Sie ist seit Montag jeden Tag ins Pfarrheim gekommen, um bei den Vorbereitungen zu helfen. So bringt das Ereignis auf vielfältige Weise die unterschiedlichsten Menschen zusammen.

Wer schon einmal hier war, der hat sie mit Sicherheit auch schon gesehen: Waldtraud Resch ist schon über dreißig Jahre dabei. Sie backt seit langer Zeit Waffeln, die für die vielen Besucher einfach schon dazugehören. Um zu verhindern, dass in diesem Jahr der Nachschub ausbleibt, haben Waldtraud und ihr Mann Teig aus 200 Eiern zubereitet. Ihr liege es am Herzen, mitzuhelfen. Denn der Erlös geht ausschließlich an wohltätige Institutionen, wie etwa die »Blinden Musiker München«, die Wasserwacht und das Rote Kreuz: »Bei unserem Flohmarkt kann man sich sicher sein, dass alles die richtige Adresse erreicht«, sagt Resch.

Aber so viel Freude ihr das bunte Treiben auch macht, etwas bereitet ihr Sorgen: »In diesem Jahr haben wir zwei große Container für den Müll und unbrauchbare Dinge benötigt. Manche Leute bringen keine verkäuflichen Gegenstände, sondern entsorgen auf diesem Weg ihren Unrat«, meint Resch. Kaputte Plastik-Blumenkästen oder gebrauchte Klobrillen würden nicht benötigt. Allein am Samstag sind um die 100 Personen vor Ort, um den »am besten sortierten Flohmarkt« am Laufen zu halten.

Es ist mittlerweile drei Uhr am Nachmittag. Was morgens noch säuberlich aufgestapelt, liebevoll gefaltet und gut sortiert war, ist nun zum Teil durcheinander, auf einem Haufen oder einfach weg. Es sieht aus, als wäre ein Sturm über den großen Saal im Pfarrheim hinweggefegt, der bis zum Bersten voll mit Kleidung aller Art war. Besonders beliebt waren Dirndlgewänder und Trachtenmode. Alles, was die entdeckungsfreudigen Besucher zurückgelassen haben, wird nicht entsorgt. Sondern weitergeschickt. Dafür sorgt ebenfalls der Pfarrheim-Flohmarkt mit seinen Helfern. Annabelle Voss

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