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Endlich Gardasee!

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Endlich Gardasee!
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Lotti (Cornelia Froboess) und ihr Mann Heinz (Willem Menne) am Gardasee. Hans Joachim Pfeiffer/ARD Degeto Foto: Hans Joachim Pfeiffer Foto: dpa

Zwei Frauen wollen zu neuen Ufern aufbrechen. Eigentlich ist die Ostseeinsel Usedeom das Ziel. Doch dann landen sie am Gardasee, was vielleicht sogar viel besser ist.


Berlin (dpa) - Am Lago di Garda in Bella Italia ist es einfach zauberhaft. Viele Liebespaare vergnügen sich seit jeher an seinen Gestaden. Doch jetzt landen hier zwei Frauen, die im Grunde ganz woanders hin wollten. Zu sehen ist das in der Komödie «Endlich Gardasee!», die am kommenden Samstag (20.15 Uhr) im Ersten auf dem Programm steht.

Oma Lotti (Cornelia Froboess) hat die Schnauze voll: Nach über 40 Jahren Ehe will sich die rüstige Rentnerin von ihrem Mann Heinz (Willem Menne) trennen und in eine eigene Wohnung in Hamburg ziehen. Das gefällt Enkelin Eva (Julia Nachtmann) überhaupt nicht, und so packt die Physiotherapeutin einfach Omi und die Badesachen ein, um zu einem Kurzurlaub aufzubrechen, der sie nicht - wie geplant - nach Usedom, sondern an den Gardasee führt.

Ganz selbstlos handelt sie dabei nicht, ist sie doch verunsichert über die gemeinsamen Zukunft mit ihrem Freund Johannes (Bernhard Piesk). Ganz zufällig taucht dann unterwegs in Meran auch der Weinhändler Tobias (Ulrich Friedrich Brandhoff) auf, Evas heimlicher Schwarm.

Charmant machen den angenehm leichten, aber keineswegs seichten Film vor allem drei Dinge: der Sehnsuchtsort Gardasee, die Musik der 50er Jahre - und natürlich Cornelia Froboess («Almuth und Rita», folgt im Anschluss um 21.45 Uhr). Sie feiert am 28. Oktober ihren 75. Geburtstag, und in ihrer Rolle scheint sie ganz in ihrem Element zu sein. Denn Lotti wollte ihr Leben lang an den Gardasee und verehrt die Filmdiva Sophia Loren, über die sie jede Zeile in den Illustrierten liest.

Die Gründe für ihr abruptes Handeln bleiben jedoch lange im Dunkeln. Es könnte an ihrem Mann liegen, mit dem sie nicht streiten kann, und der nur vor dem Funkgerät sitzt. Und daran, dass ihr nicht mehr allzu viel Zeit bleibt in ihrem Leben.

Produziert hat diesen hübsch altmodischen Film eine der wenigen unabhängigen Produktionsfirmen in Deutschland, die Relevant Film in Hamburg. Produzentin Heike Wiehle-Timm (60) erhielt auf dem Hamburger Filmfest bereits zwei Produzentenpreise - für «Apropos Glück» (2016) und erst kürzlich für «Aufbruch in die Freiheit» (am 29. Oktober im ZDF). Gemeinsam mit Regisseurin Ulrike Grote (55, «Die Kirche bleibt im Dorf», «Apropos Glück») ist ihr hier eine beschwingte und bodenständige Komödie gelungen, die durchaus ernste Saiten anschlägt und von Aufbruch und Selbstfindung handelt.

«Es geht nichts über ein gutes Klischee, die Frage ist nur, wie man es verpackt. Wenn es eins zu eins ohne Wendung aufgetischt wird, man in jedem Satz die Absicht hört, bleibt es an der Oberfläche und langweilt einen fürchterlich», sagt Grote. «Das sind für mich die Stärken des Films, dass die beiden Hauptfiguren so echt daherkommen, als seien sie wirklich schon ein Leben lang zusammen unterwegs».

Da ist was dran, und die jeweils genannten beiden Damen hinter und vor der Kamera haben allesamt ein gutes Händchen für diese Geschichte. Vor allem das Wiedersehen mit Cornelia Froboess macht viel Freude. «Ich glaube nicht daran, Versäumtes nachholen zu können», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. «Man kann aufbrechen zu neuen Lebensformen, ja. Ob das allerdings glücklicher macht, wird man erfahren. Es bleibt in jedem Fall ein Abenteuer.»

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