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Ende in Sicht – »Jugendherberge Berchtesgaden« steht aktuell leer

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Bischofswiesen: Jugendherberge Berchtesgaden in der Strub steht leer – Muss Einrichtung schließen?
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Arbeitet nur noch Vormittags: Herbergsleiterin Petra Renner. (Foto: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Die Buchungen werden storniert, die Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben. Petra Renner fühlt sich im Stich gelassen. Sie ist Leiterin der »Jugendherberge Berchtesgaden« in Strub. Während für die Gastronomie und Hotellerie längst ein Rettungsschirm gespannt wurde, gehen gemeinnützige Organisationen leer aus.


»Wenn keine Lösung gefunden wird, müssen wir die Jugendherberge schließen«, sagt Petra Renner. Seit sieben Jahren leitet die 48-Jährige die Jugendherberge in Strub. 265 Betten verteilen sich auf zwei Häuser, das ältere Haus wurde 2011 kernsaniert. »Im Jahr zählen wir rund 50.000 bis 53.000 Übernachtungen«, sagt sie. Seit 16. März ist die Jugendherberge geschlossen. »Wir waren im März und April bombastisch gut gebucht.« Jugendherbergen sind auf Klassenfahrten angewiesen – die sollen vorerst nicht stattfinden.

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Anstatt ihre 25 Mitarbeiter im Haus zu koordinieren, ist Petra Renner nun damit beschäftigt, die Stornierungen zu bearbeiten. »Ich bin nur noch am Vormittag im Haus«, sagt sie, »die anderen Mitarbeiter sind zu null Prozent in Kurzarbeit geschickt worden«.

Um immerhin noch einen Teil der Gäste zu behalten, versucht Petra Renner Lösungen zu finden. Sie schreibt alle Gäste an und bietet verschiedene Optionen. So können Urlauber beispielsweise ein verkürztes Rücktrittsrecht nutzen oder die Reise zu den gleichen Bedingungen auf das Jahr 2021 verschieben.

Buchungen für August

»Wir haben derzeit noch viele Buchungen für August und hoffen, dass wir die Gäste tatsächlich begrüßen können.« Positiv wirkt in Berchtesgaden immerhin die Tatsache, dass die Jugendherberge auch von vielen Familien und Sportgruppen genutzt wird. »Vielleicht entscheiden sich einige nach der Corona-Krise kurzfristig für ein Wochenende in den Bergen.« Dennoch laufen die Kosten weiter. Der Strom muss bezahlt werden, die Gebühren für die Mülltonnen fallen an.

»Das ist bei Gasthäusern und Hotels nichts anderes, aber für sie gibt es einen Schutzschirm«, sagt die Herbergsleiterin. Der Landesverband Bayern im Deutschen Jugendherbergswerk hat sich deshalb mit einem Brandbrief an die Regierung gewendet. Darin wird die Situation geschildert. »Es scheint, als würde sich langsam etwas bewegen.« Eine Lösung gebe es aber noch nicht. Auch Petra Renner ist nicht untätig geblieben: Sie hat Bürgermeister und Landrat kontaktiert und sie darum gebeten, ihre politischen Kontakte zu nutzen. »Ich zähle aktuell 20.000 Buchungen weniger.«

Petra Renner will nicht, dass Mitarbeitern gekündigt werden muss. »Ich weiß zwar nicht, wie sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickeln wird, hoffe aber, dass wir unsere Mitarbeiter Stück für Stück wieder einsetzen können.« Sie hat eine WhatsApp-Gruppe erstellt, um die Angestellten auf dem Laufenden zu halten. »Ich versuche, Hoffnung zu geben.« Gute Kräfte seien schwer zu finden. »Ich möchte mein Team behalten.«

Zeit nutzen

Nach dem Motto »Wir brauchen Hilfe, also helfen auch wir« hat die Belegschaft der Jugendherberge zu Hause Osternester gebastelt. Sie sollen Ende der Woche an Insula-Mitarbeiter übergeben werden. »Man darf nicht vergessen, dass es auch für andere Menschen eine sehr schwere Zeit ist«, sagt Renner.

Sie hofft, dass sich die Lage bald entspannt und eine Lösung für die Jugendherbergen gefunden wird. Ob die Beschränkungen am 19. April aufgehoben werden oder in die Verlängerung gehen, spielt zunächst keine Rolle, denn die Zimmer der Jugendherberge werden leer sein.

Lena Klein