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Ende einer Legende

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Ende einer Legende
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Robbie Coltraine als alternder Comedian Paul Finchley. Foto: Joss Barrat/The Forge & All3media Int/Arte France Foto: dpa

Das Thema sexuelle Gewalt in der Film- und TV-Branche ist derzeit sehr aktuell. Nun greift eine TV-Serie dieses brisante Thema auf.


Berlin (dpa) - Bei der #MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe geht es um ein komplexes und schwieriges Thema. Behauptungen und - oft zunächst unbewiesene - Beschuldigungen können sehr schnell ganze Existenzen zerstören.

Genau darum geht es in der britischen Mini-Serie «Ende einer Legende» (Originaltitel: «National Treasure»), die an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) auf Arte mit allen vier Folgen zu sehen ist.

Paul Finchley (Robbie Coltrane) ist ein sehr beliebter und nun schon älterer Komiker, ein «nationaler Schatz», der scheinbar harmonisch und zufrieden mit seiner Frau Marie (Julie Walters) in einem schönen Häuschen in Schottland lebt. Ihre Tochter Dee (Andrea Riseborough) ist drogensüchtig und macht gerade eine Entziehungskur durch. Eines Tages stehen zwei Polizeibeamte vor der Haustür und konfrontieren Finchley mit dem Vorwurf, 1993 an einem Filmset eine junge Frau vergewaltigt zu haben.

Das Haus wird durchsucht, er wird befragt, der Druck der Öffentlichkeit wird ständig größer. Seine Frau - die in 40 Jahre langer Ehe alle seine Affären geduldet hat - verbannt ihn aufs Sofa, doch sie glaubt und hält weiter zu ihm. Bis er sogar jetzt wieder eine Nacht mit einer anderen Frau verbringt und immer mehr Frauen aus der Vergangenheit das Gleiche behaupten.

Der Regisseur Marc Munden und der Autor Jack Thorne haben ihre gut dreistündige Miniserie sehr dicht und spannend gedreht. Beide Hauptfiguren werden glaubhaft und stark gespielt von Robbie Coltrane (67, «Für alle Fälle Fitz») als ziemlich schwachen Mann und Julie Walters (68, «Paddington») als ziemlich starke Frau. Beide tragen die gesamte Serie mit Bravour.

Sie zeigen eindrucksvoll, was derartige Anschuldigungen mit diesem Ehepaar, mit seiner Familie, mit seinen Freunden und den vielen Fans anstellen. Die mühsam aufgebaute Fassade rund um den als «Schürzenjäger» bekannten Star zerbröselt immer mehr, ein merkwürdiges Selbstverständnis kommt zum Vorschein. Vor dem Hintergrund der aktuellen #MeToo-Debatte zeigt die bereits 2016/17 gedrehte Serie den unheilvollen Zusammenhang von Sexualdelikten und Machtstrukturen im Showgeschäft, das längst schon keine Glitzerwelt mehr ist.

Die beiden Hauptdarsteller verbindet nicht nur diese Serie: Robbie Coltrane spielte in den «Harry Potter»-Fantasyfilmen nach den Büchern von Joanne K. Rowling den Halbriesen Rubeus Hagrid und seine Kollegin Julie Walters die Mutter von Harrys Kumpel Ron, Molly Weasley.

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