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Elf neue Wohnungen in Ischl geplant

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In das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Harrecker-Hofs (rechts) in Ischl sollen elf Wohnungen eingebaut werden. Das Konzept wurde in der Gemeinderatssitzung abgesegnet. Was mit dem dazugehörigen Bundwerkstadel (links) passiert, steht noch nicht fest. Auf dem freien Grundstück (Vordergrund) sind ein Vier- und ein Sechs-Familien-Haus geplant. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Nachdem das Bauleitplanverfahren für das in Ischl geplante Wohnprojekt im Juni ins Rennen geschickt wurde, hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einen Grundsatzbeschluss gefasst, das vom Projektbüro Blüml in Tittmoning nachgebesserte Konzept zu übernehmen und den Förderantrag bei der Regierung von Oberbayern einzureichen. »Wir sollten endlich in die Pötte kommen«, forderte Sepp Daxenberger (CSU). »Wenn der Förderantrag nicht durchgeht, brauchen wir gar nicht mehr weiter diskutieren.«


Wie mehrfach berichtet, handelt es sich bei dem Bauvorhaben um ein Pilotprojekt mit neuen Wohnformen, mit dem aber der dörfliche Charakter weiterentwickelt und erhalten bleiben soll. Die Gemeinde hatte das ehemalige Harrecker-Anwesen und die dazugehörigen Grundstücke vor Jahren gekauft und eine Antwort darauf gefunden, wie sie das Quartier in dem kleinen Dorf verwerten könnte, ohne dabei zu sehr in die gewachsene Struktur einzugreifen.

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Von der Single- bis zur Sechspersonen-Wohnung

In das Wohn- und Wirtschaftsgebäude des Harrecker-Hofs sollen laut Plan elf Wohnungen – von der Single-Wohnung bis zur Sechspersonen-Wohnung – eingebaut werden, die nur an Einheimische vermietet werden sollen. Während das Wohnhaus saniert werden soll, muss das Gewölbe des ehemaligen Stalls aufgrund seines desolaten Zustands neu aufgebaut werden.

In das Gesamtensemble soll auch ein sogenannter Parkstadel integriert werden, in dem auch eine zentrale Energieversorgung in Form einer Hackschnitzelanlage vorstellbar wäre. Über die Energieversorgung wird in nächster Zeit ein Arbeitskreis diskutieren. Unmittelbar neben dem Parkstadel sind in der Planung weitere Stellplätze eingezeichnet.

Der dazugehörige Bundwerkstadel sollte ursprünglich Vereinen als Lager zur Verfügung gestellt werden. Davon ist man aber inzwischen abgekommen, weil der Stadel nach Ansicht des Gemeinderats als Lager eigentlich zu schade ist. Auf dem freien Grundstück sind auch ein Vier- und ein Sechs-Familien-Haus vorgesehen, die sich optisch der Umgebung anpassen sollen. Das Vier-Familien-Haus ist bereits einer Familie aus Ischl versprochen, die dringend mehr Wohnraum braucht. Sie steht bereits in den Startlöchern und hofft, dass das Bauleitverfahren bald abgeschlossen wird.

Das geplante Projekt stößt aber nicht bei allen 98 Bewohnern des idyllisch gelegenen Kirchendorfs auf Gegenliebe. Viele befürchten, dass die Infrastruktur für ein weiteres Bevölkerungswachstum nicht ausgelegt sei. Vor allem beschäftigt sie die ohnehin beengte Situation am Friedhof. Hier sehen viele im zunehmenden Verkehr großes Konfliktpotenzial.

»Wo sollen die Leute denn dann parken?«

An Feiertagen oder bei Beerdigungen herrsche hier ohnehin schon sehr viel Verkehr, beklagte eine Anwohnerin gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt: »Wo sollen die die Leute denn dann parken, wenn die wenigen Parkplätze dann auch noch wegfallen?«

Die Tatsache, dass durch das Projekt mit einem Zuzug zu rechnen ist – laut Raumgröße wird mit 20 Erwachsenen und 18 Kindern gerechnet – verschwieg auch Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) nicht. Er könne die Angst der Bürger verstehen, sagte er. Deshalb müssten die Ischler auch weiter in die Planungen mit involviert werden, forderte Toni Mayer (Grüne).

Dr. Christine Kosanivic (FW) erinnerte daran, dass auch die Besucherparkplätze für die Bewohner gesichert sein müssten. Vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde als Bauherr das Privileg besitzt, das Projekt nach ihren Vorstellungen zu gestalten und zu verwalten, versuchte Martha Gruber (FW) die Angst zu nehmen: »Wir als Gemeinde dürfen sagen, wer in die Wohnungen reinkommt«, so Gruber.

Die aktuelle Planung stellte Kristian Stampf vom Planungsbüro vor. Sepp Daxenberger bedauerte zwar, dass demnach das Bestandsgebäude auf der Ostseite zugunsten eines größeren Abstands zum Nachbargrundstück um zwei Meter kürzer wird.

Dadurch soll eine größere Wohnung in zwei kleinere aufgeteilt werden. Trotzdem sollte in das Vorhaben Bewegung kommen, forderte er. Dass die Umsetzung dieses rund Sechs-Millionen-Euro-Projekts nicht einfach und auch nicht risikofrei sein wird, dessen ist sich der Gemeinderat bewusst. Aber sowohl als Bauherr als auch als Investor hat die Gemeinde, die das staatliche Wohnraumförderprogramm mit einer 30-prozentigen Förderung in Anspruch nehmen wird, die Hand drauf.

Mieteinnahmen von 100 000 Euro pro Jahr

Mit dem Grundstück bringt die Gemeinde ein Eigenkapital von 1,4 Millionen Euro ein. Bei einem angenommenen Mietzins von 8,50 Euro pro Quadratmeter ist mit jährlichen Mieteinnahmen von 100 000 Euro zu rechnen. Rund 1,3 Millionen Euro sollen als Darlehen aufgenommen werden.

Wie es hieß, sollen zudem auch noch Fördermöglichkeiten abgegriffen werden. Ausgehend von einer 0,0-Prozent-Verzinsung bei einer Laufzeit von 20 Jahren läge das jährliche Defizit – also die Summe, die die Gemeinde über die Mieteinnahmen hinaus als Kredittilgung zahlen müsste – bei 18 000 Euro, rechnete Kristian Stampf vor. Bei einer Laufzeit von 30 Jahren und einem 0,2-Prozent-Zinssatz würde sich das jährliche Defizit bei 25 000 Euro bewegen.

Von der Kämmerei wurde auch eine Rechnung mit 9,50 Euro beziehungsweise 11,10 Euro pro Quadratmeter aufgemacht. Bei 9,50 Euro würde sich das jährliche Defizit bei 14 000 Euro bewegen, bei 11,10 Euro könnte bei einer 30-jährigen Laufzeit gar eine volle Deckung erreicht werden. Zunächst gilt es aber abzuwarten, ob der Förderantrag auch genehmigt wird. Bartlweber rechnet mit einem Bescheid spätestens Ende dieses Jahres. ga