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Einfache Formen geben Raum für Interpretation

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Ein Bild aus Eileen Susanne Kreipls Zyklus »Länder und Sitten«: Italien. Dazu kommentiert sie: »Ohren und Italien? Überall Lautstärke und Temperament. Liebeslieder. Amo(h)re. Lieber Öhrchennudeln auf dem Teller als ein Pferdekopf im Bett. Fressen und gefressen werden…« (Foto: Privat)

Die Kleine Galerie Waging gibt immer wieder mal jungen, talentierten Malern aus der Region die Gelegenheit zu einer eigenen Ausstellung. Diesmal ist Eileen Susanne Kreipl (27) aus Traunstein an der Reihe, die ihre Pop-Art-Bilder mit dem Kürzel »E.S.K.« signiert. In ihren plakativen Acryl-Bildern reduziert sie die Wahrnehmung auf das Wesentliche und regt mit ihren einfachen, naiv wirkenden, kleinen Objekten auf meist einfarbigem Hintergrund zum Nachdenken an.


Seit Jahren ist die Kunst ihr Leben. Doch erst vergangenes Jahr hat sie angefangen, ihre Kunst in Galerien auszustellen und zu verkaufen. Ihr bisheriges Werk ist in Sparten strukturiert und widmet sich in jeweils mehreren Ausarbeitungen unter anderem folgenden Themen: Süchten, Zeichentrick-Charakteren, Rolex-Ikonen und ganz und gar nicht zuletzt Ländern und Sitten sowie Typen. Denn, wie sie im Gespräch sagt, habe sie »ein ehrliches Interesse an Menschen«. Sie liebt es, Menschen in Kategorien einzuordnen und zu versuchen, hinter die jeweilige Fassade zu schauen. Nach Fachoberschule und Schreinerlehre arbeitet sie seit gut fünf Jahren im Verkauf und genießt »in dieser Lebensschule« die Gelegenheit, Menschen in ganz unterschiedlichen Verfassungen zu studieren.

Und dann entstehen aus diesem »Studium« Bilder, die – etwa am Beispiel »Classical Woman« – wie folgt aussehen: Auf weißem Untergrund prangen da in einfachen Formen und Farben pink gefärbte Lippen, dazu ein Lippenstift, eine Rosenblüte und ein Glas mit einem Getränk. Und dazu verfertigt Eileen Susanne Kreipl immer noch ein paar Anmerkungen, die in diesem Fall wie folgt lauten: »Sie hat Stil und einen unfehlbaren Geschmack. Sowas spricht sich herum. Dame von Welt. Sehr kommunikativ. Und überall gern gesehen…«

Und als Gegenstück der klassische Mann. Er verwirklicht sich auf grauem Untergrund mit einer dicken Zigarre, einer teuren Uhr, einem Ohr und einem halb gefüllten Cognac-Schwenker. Und dazu der Kommentar der Künstlerin: »Von Generation zu Generation. Er hört sich um und umgibt sich mit Profis. Neugier und Geschäftssinn wurden ihm in die Wiege gelegt. Und diese gibt er nur allzu gerne weiter…«

Ähnlich verfährt Eileen Susanne Kreipl auch mit ihren Länder-und-Sitten-Bildern: Vermeintlich typische Kennzeichen der jeweiligen Länder und der dort wohnenden Menschen werden in sehr einfacher Form dargestellt. Die Malerin scheut sich dabei auch nicht, Klischees zu bedienen. Die Einfachheit der Bilder drückt sich auch darin aus, dass die Farben nicht untereinander gemischt werden. Reine, ungemischte Farben sorgen dadurch für noch mehr Nüchternheit und Klarheit im Motiv.

Einfache Formen bevorzugt die Malerin auch deshalb, weil sie damit ihre Motive gut wirken lassen kann. So stehen, wie sie meint, den Betrachtern alle Interpretationsmöglichkeiten offen – »und jeder kann seinen Senf dazu geben«, fügt sie schmunzelnd hinzu. So kämen die Menschen in Kontakt und unterhielten sich im Optimalfall untereinander; und Kommunikation sei ja gerade »in unserem Handy-Zeitalter« doch sehr wichtig. Da gebe es kein Richtig oder Falsch; jeder könne aus den Bildern das herauslesen, was er meint.

Aber so einfach die Bilder auch aussehen mögen, und so minimalistisch die Darstellungen sind – da steckt eine Menge Arbeit dahinter, zumal manche Motive auch mit Blattgold oder -silber angereichert werden. Die Grundierung in Acrylfarbe wird in mehreren Schichten mit der Spachtel aufgetragen, bis der Farbton und die Struktur genau so sind, wie es sich die Künstlerin vorstellt. Dann skizziert sie ihre kleinen Motive auf Schablonen, schneidet diese aus und schiebt sie so auf der grundierten Leinwand so lange hin und her, bis Anordnung und Gesamtbild passen. Dann werden die Formen mit Bleistift aufgezeichnet, weiß grundiert, damit die geplanten Farben auch wirklich perfekt zur Geltung kommen, und schließlich werden sie gemalt.

Eileen Susanne Kreipls Bilder sind zumeist 40 mal 40 beziehungsweise 100 mal 80 Zentimeter groß. Sie hängen bereits in einigen Galerien: in der Galerie Popstreet-shop Hamburg, in der Happy-Gallery-Art & Design in München und in der Udo-Schmidt-Galerie Lüdenscheid, die alle bekannt sind für Pop-Art-Kunst.

Die Ausstellung in der Kleinen Galerie in Waging ist ihre erste Einzelausstellung. Die Vernissage ist am morgigen Freitag um 18 Uhr und läuft bis zum 17. August. Öffnungszeiten sind jeweils Dienstag bis einschließlich Freitag von 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, am Samstag von 9 bis 14 Uhr. Die Malerin ist jeweils an den Dienstagen und Freitagen in den beiden Wochen persönlich vor Ort. Hans Eder