weather-image

Eine vernichtende Niederlage

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Der Ungar Peter Fodor lieferte gegen den bulgarischen Spitzenringer Nikolay Dobrev einen sehr starken Kampf und gewann knapp mit 6:5 nach Punkten. (Foto: Waßmuth)

Eine 4:28-Niederlage des TSV Berchtesgaden gegen den großen Favoriten AC Lichtenfels hätten sich die Berchtesgadener Verantwortlichen trotz geschwächter Aufstellung nicht vorgestellt. Abteilungsleiter Hans Labacher hatte zuvor öfter betont, dass ein Gegner seine Staffel erst einmal besiegen müsse. Die Oberfranken führten den Berchtesgadenern den Unterschied drastisch vor Augen. Allerdings ist zu bedenken, dass Lichtenfels noch vor gut einem Jahr in der ersten Bundesliga dabei war und freiwillig abgestiegen ist. Die mit »Deutsch-Bulgaren« gespickte Mannschaft blieb zusammen, sodass nominell mindestens zwei Klassen Unterschied zwischen beiden Staffeln war.


Bereits nach fünf Kämpfen mit drei nicht eingerechneten Schulterniederlagen der Berchtesgadener führte der Gast zur Ringpause schon mit 16:1. Doch es sollte noch schlimmer für die Mattenherren kommen. Nurmehr ein Kampf ging danach auf das Konto der Berchtesgadener. Die beiden Einzigen, die zu Punktsiegen kamen, waren der Ungar Peter Fodor und der Lette Andris Andreas Rühle. »In stärkster Aufstellung und mit einigen glücklicheren Kampfausgängen hätten wir die Niederlage in Grenzen gehalten, einen Gedanken zum Sieg gab es ohnehin nie«, erklärte Ringerboss Labacher.

Auch zum zweiten Heimkampf des TSV Berchtesgaden kamen wieder um die 900 Zuschauer ins Kongresshaus, darunter eine kleine Gruppe Lichtenfelser. Ein Gröler mit einem Megaphon und ein Trommler aus Lichtenfels bereicherten den Ringsportabend nicht gerade, sondern sorgten eher für eine Missstimmung unter gut aufgelegten Berchtesgadener Ringsportanhängern.

Tobias Küpper (F 57) begann gegen den Bulgaren Mario Petkov, den er auch schon besiegt hatte, gut und ging in einer sehr eng umkämpften Auseinersetzung zunächst mit einer Zweierwertung in Führung. Doch mit Fortdauer der Begegnung setzte sich der Bulgare immer mehr durch. Zur Ringpause führte der Gästeringer mit 3:2 und nachdem er seine Führung auf 5:2 ausgebaut hatte, nützte er eine Unachtsamkeit von Küpper zum Schultersieg. Damit lag Berchtesgadens erhoffter Marschfahrplan erstmals daneben.

Eine taktische Angelegenheit war dann der Schwergewichtskampf zwischen Peter Fodor (G 130) vom TSV Berchtesgaden und dem Lichtenfelser Spitzenmann Nikolay Dobrev aus Bulgarien. Beide Ringer bekamen von Kampfrichter Niko Straub von der SpVgg Freising ausschließlich Strafpunkte und keine Wertungen für Griffe. Sehr zum Unmut für den Gästeringer lag Fodor am Ende mit 6:5 vorne und holte den ersten Punkt für Berchtesgaden. Danach wurde es jedoch bitter für die Mattenherren.

Gefangen in der Brückenlage

Sebastian Hillebrand (G 61) versuchte von Beginn an gegen Dominik Sohn die unglückliche Schulterniederlage gegen Unterföhring vergessen zu machen. Nach einer 4:0-Führung passte Hillebrand einmal nicht auf und schon war es geschehen. Er konnte sich aus der Brückenlage nicht mehr befreien. Die Stimmung in der Halle geriet gegen Null, nur das Lichtenfelser Megaphon und das unrhythmische Trommeln war noch zu hören. Im vierten Kampf stand Andreas Pfnür (F 98) gegen Christoph Meixner von Beginn an auf verlorenem Posten. Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Gästeringer den Berchtesgadener entscheidend besiegen würde, was schließlich auch passiert ist.

Stinksauer verließ Lukas Laue (F 66 A) nach der vierten Schulterniederlage für die Berchtesgadener die Matte. Dabei kämpfte Laue bis zur Pause gegen den bayerischen Spitzenringer Christian Lurz sehr gut, musste dann aber durch einen »Black out« ebenfalls eine Schulterniederlage hinnehmen.

Auch nach der Pause war für den TSV Berchtesgaden zunächst nichts zu holen. Marius Mackamul (G 86 B) unterlag nach 2:41 Minuten mit 0:16 wegen technischer Überlegenheit seines Gegners Tobias Schütz. Grund zum Jubel gab es für die Berchtesgadener Ringsportanhänger dann im siebten Kampf des einseitigen Ringsportabends. Andris Andreas Rühle (F 86 A) zeigte eine sehr starke und konzentrierte Leistung und rang Christian Merkel nach Punkten nieder. Berchtesgaden verbesserte das eindeutige Skore auf 4:20.

Technische Überlegenheit

Mit Rühles Sieg waren jedoch die Erfolgserlebnisse der heimischen Ringer auch schon vorüber.

Denn Wolfgang Heil (G 66 B), der sich für den verletzten Korbinian Hillebrand in den Mannschaftsdienst stellte, hatte gegen Venelin Venkov nicht den Hauch einer Chance. Der Lichtenfelser beendete den einseitigen Kampf durch technische Überlegenheit vorzeitig.

Christoph Graßl (F 75 A) ersetzte den ebenfalls verletzten Andreas Hillebrand. Aufgrund seiner Ausbildung bei der Polizei kann der Ramsauer derzeit nicht regelmäßig trainieren und stand so gegen Johannes Lurz auf verlorenem Posten. In der ersten Runde noch gut dabei verlor Graßl mit 3:8 nach Punkten.

Schließlich gab es auch für Alexander Petersen (G 75 B) gegen Rumen Savchev nichts zu holen. Nach sechs Minuten lag der Gast mit 7:2 Punkten voran, obwohl Petersen alle Register zog, um dagegen zu halten.

So musste der TSV Berchtesgaden eine sehr hohe Niederlage hinnehmen, die jedoch nicht das wahre Leistungsvermögen der Berchtesgadener Ringerstaffel zeigt.

Mit Erfolgen in den beiden nächsten Auswärtskämpfen in Traunstein und in Penzberg sollte der TSV Berchtesgaden dafür sorgen, dass die treuen Zuschauer auch zum dritten Heimkampf am 22. Oktober gegen den TSC Mering wieder in großer Zahl erscheinen. Christian Wechslinger

Mehr Bilder gibt es online in der Mediengalerie auf www.berchtesgadener-anzeiger.de.