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Eine Totenmesse der etwas anderen Art

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Der Kammerchor Trostberg gestaltete in der Stadtpfarrkirche St. Oswald ein geistliches Abendkonzert, zu dem trotz einer weiteren kulturellen Veranstaltung in der Stadt viele Besucher kamen.


Der lang anhaltende Beifall war sicherlich Ausdruck für ein beeindruckendes Erlebnis; beeindruckend auch deshalb, weil man ein Requiem kennenlernen durfte, das sich deutlich von anderen Totenmessen unterschied. Gabriel Fauré komponierte sein Requiem op. 48 in einem längeren Prozess um 1888 zwischen dem Tod seines Vaters und dem Tod seiner Mutter. Er war damals 42 Jahre alt. Sein Werk hört sich an wie eine zärtliche Liebeserklärung an die verstorbenen Eltern. Faurés Requiem kennt keine dramatischen Forte-Zuspitzungen, wie sie Giuseppe Verdi in seinem » Dies Irae« komponierte. Das Stück wird von einer versöhnlichen, kontemplativen Stimmung dominiert. Kenner bezeichnen diese Totenmesse als eines der schönsten Werke der französischen Romantik.

Der Kammerchor Trostberg wurde mit diesem kompositorischen Juwel – vielleicht auch dank der idealen Akustik der Oswald-Kirche – und seiner bekannten Stimm- und Pianokultur seinem guten Ruf gerecht. Im »Introit« konnte sich, vorgetragen von einem homogen artikulierenden Chor, besonders der Tenor mit warmem Timbre profilieren. Der Anfang gab schon den Grundcharakter dieser von impressionistischer Harmonik geprägten Musik vor.

Klaus Reiter deutete als Bariton-Solist im »Offertoire« seine mächtige Stimme nur kurzzeitig an und passte sich dem weichen Gesamtklang geschmeidig an. Viele Teile dieses Requiems erweckten den Eindruck einer sphärischen Klangwolke.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die im norditalienischen Stil neu erbaute und im Altarraum dezent postierte Orgel. Armin Salfer hatte sich bei dieser Aufführung für die Orgelfassung entschieden. Manfred Müller, der Kirchenmusiker von St. Oswald, musste dabei viele Register ziehen, um ein ganzes Orchester zu ersetzen. So glaubte man im Sanktus auch die in der Orchesterfassung erstmals einsetzenden Violinen zu hören, während bis dahin der von der Orgel imitierte tiefere Bratschen- und Celloklang dominiert hatte.

Orgel, Sänger und Dirigent bildeten so ein nahezu magisches Dreieck. Durch die schräge Aufstellung des Chors, der nicht in Richtung Kirchenraum sang, wurde die Balance zwischen den einzelnen Stimmgruppen etwas beeinträchtigt.

Ein Höhepunkt in diesem Requiem ist sicherlich das Sopran-Solo »Pie Jesu.« Souverän und mit raumfüllender Stimme präsentierte Beate Krettek diese wunderbare Melodie. Unaufdringlich und dezent in der Tongebung geleiteten dann die stimmlichen Engel des Chors die andächtig lauschenden Zuhörer ins »Paradisum«.

Begonnen hatte die geistliche Abendmusik mit Felix Mendelssohn Bartholdy und als der Beifall nicht enden wollte, erklang sozusagen als Wegzehrung und Abrundung eines bewegenden Konzertes sein wohlbekanntes »Denn er hat seinen Engeln befohlen«.