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Eine Luftmatratze für den Götschen – Gemeinderat genehmigt »Landing Bag«

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Bischofswiesen: Eine Luftmatratze für die Skipiste am Götschen – »Landing Bag« für Freestyler
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Die Halfpipe ist Vergangenheit, künftig soll es am Götschen an dieser Stelle einen »Landing Bag« für das Training der Freestyler geben. (Foto: Christian Wechslinger)

Bischofswiesen – Deutscher Skiverband und Snowboard Germany wollen künftig ihr Trainingszentrum für die sogenannten neuen Sportarten am Götschen bündeln. Dazu wollen sie mit 80-prozentiger finanzieller Unterstützung durch Bund und Land einen »Landing Bag« errichten. Das ist ein überdimensionales, mit Luft gefülltes Landekissen für das Training der Freestyler.


Der Gemeinderat stimmte dem Projekt, das eine Sommer- und Winternutzung vorsieht, am Dienstag mit sechs Gegenstimmen grundsätzlich zu. Die Gegner befürchten vor allem Nachteile für die Freiweideberechtigten.

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Hintergrund der Planungen sei, dass Bund und Land künftig nur noch eine Trainingsstätte fördern werden, sagte Bürgermeister Thomas Weber. Deshalb wolle der Snowboard-Verband seine Trainingsstätte im Rahmen eines Gesamtkonzepts an den Götschen verlegen. Der Eingriff in die Natur sei gering und die Sportler von der Talentschule am Dürreck hätten künftig kurze Wege. Auch der DSV wolle dort trainieren, sagte Weber.

80 Prozent Förderung

Laut Rathauschef gibt es bereits eine Förderzusage von Bund und Land. Die würden 80 Prozent der Kosten in Höhe von 1,37 Millionen Euro übernehmen. Für die restlichen 20 Prozent würden die Sportverbände aufkommen. »Der Gemeinde entstehen keine Kosten. Investieren werden wir nur den Teil, den wir ohnehin über die Trainingsstättenförderung bekommen«, versicherte Thomas Weber und sprach von einem Vorzeigeprojekt.

Das stellte schließlich Christian Weiler von der Tiroler Firma Klenkhart & Partner detailliert vor. »Auf einem »Landing Bag« lassen sich ganzjährig akrobatische Sprünge mit geringem Verletzungsrisiko trainieren«, sagte der Ingenieur. Das sei essenziell für die Freestyledisziplinen in Snowboard und Ski, die mittlerweile auch zum olympischen Programm gehörten. Geplant ist die Anlage oberhalb der Talstation, direkt neben der Trasse des kleinen Schlepplifts. Gebaut werden müssten eine Rampe mit Startturm, ein Anlauf, ein Kicker, ein Table und ein »Landing Bag« als Landezone. Der ist etwa 20 bis 25 Meter breit, 55 Meter lang und 1,5 Meter dick.

Auf dem Anlauf soll ein aus Plastikmatten bestehender Dry-Slope im Sommer Schneebedingungen simulieren. »Den ›Landing Bag‹ kann man sich vorstellen wie eine große, aufblasbare Luftmatratze«, erklärte Weiler und betonte, dass für das Projekt keine Rodungen erforderlich seien. An Bruttokosten nannte er 1,37 Millionen Euro. Wenn der Förderantrag sofort eingereicht wird, könnte das Projekt im nächsten Jahr umgesetzt werden.

Schnell zeigte sich, dass für einige Gemeinderäte das dort bestehende Freiweidegebiet mit entsprechenden Rechten der Bauern eine wichtige Rolle spielt. Vor allem Sepp Stangassinger (UBB), Sepp Angerer (SPD), Mathias Aschauer und Martin Fendt (beide Freie Wähler) befürchteten, dass die Bauern Nachteile hätten und sahen die Gefahr, dass die Berechtigten für Schäden aufkommen müssen, die ihre Tiere anrichten.

Gespräche mit den Freiweideberechtigten

Gerade das wiesen Christian Weiler und Bürgermeister Thomas Weber mit Nachdruck zurück. »Der Betreiber ist immer für die Sicherheit seiner Anlage verantwortlich«, sagte Weiler und bekräftigte, dass das Gelände eingezäunt werde. Und laut Bürgermeister bekommen die Freideweideberechtigten grundsätzlich Entschädigung, wenn Weidefläche aus irgendwelchen Gründen ausfällt. Allerdings ließ er auch durchblicken, dass sich hier Ausfall und Hinzugewinn von Fläche in etwa die Waage hielten, weil die bisherige Fläche für die Halfpipe wieder als Weidefläche genutzt werden kann.

Die Beteuerungen konnten die Skepsis im Gemeinderat allerdings nicht zügeln. Auch Hans Metzenleitner (SPD) plädierte dafür, mit den Freiweideberechtigten in dieser Angelegenheit vor einer Beschlussfassung noch zu reden. Eine Verzögerung hätte allerdings laut Bürgermeister zur Folge, dass die Frist für den Förderantrag nicht eingehalten werden könnte. Eine Realisierung im nächsten Jahr wäre dann nicht mehr möglich. So verständigte man sich darauf, den Förderantrag zunächst einmal einzureichen. Bis zur endgültigen Genehmigung der Förderung durch den Gemeinderat will sich Bürgermeister Thomas Weber mit den Freiweideberechtigten und auch dem Jagdverband zusammensetzen.

Grundsätzlich Gegenwind kam von den Grünen und UBB. Michael Sturm von den Grünen verwies darauf, dass seines Wissens für den Götschen nur Winterbetrieb erlaubt sei, das werde wohl künftig aufgeweicht. Außerdem bringe das Projekt dem Bischofswieser Bürger nichts. Und Paul Grafwallner (UBB) wunderte sich darüber, dass der Staat in Zeiten des Klimawandels solche Projekte noch mit Steuergeldern unterstützt. Von kurzen Wegen der Sportler könne auch nicht die Rede sein, weil sicherlich viele Auswärtige künftig dort trainieren würden.

Grafwallner schlug auch vor, dieses Projekt in das Planfeststellungsverfahren aufzunehmen, das aktuell für die Ertüchtigung der Beschneiungsanlage läuft. »Da könnte man mehr Rechtssicherheit schaffen«. Gedanken machte sich Grafwallner schließlich über die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes aus der Ferne, zumal der Götschen vom Eisenrichter aus sehr gut einsehbar sei. Die Verlegung einer großen Matte wertete der UBB-Sprecher als Eingriff in das Ökosystem Boden. Im Hinblick auf die Diskussion um die Freiweiderechte warnte Grafwallner dafür, dass das Projekt die Zustimmung aller benötige. »Sonst ist es gestorben.«

»Sommer ja, Winter nein«

Martin Fendt lehnt ohnehin eine Ganzjahresnutzung ab und bekräftigte: »Sommer ja, Winter nein«. Dagegen betonte Liftbetreiber und CSU-Gemeinderat Bernhard Heitauer, »dass ich auch hinter den Bauern stehe«. Am Götschen seien in den letzten Jahren großzügige Flächen für die Bauern geschaffen worden. »Und wenn sie Probleme haben, dann kommen sie in erster Linie zu mir«, weiß Heitauer und brachte einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein: »Wenn der Skibetrieb am Götschen einmal beendet werden sollte, dann müsste das ganze Gelände laut Verträgen wiederaufgeforstet werden.«

Der Bürgermeister soll nun bis zum Eingang des Förderbescheids mit Freiweideberechtigten und Jägern reden. Außerdem soll er bei den Sportverbänden nachfragen, ob als Kompromiss ein reiner Winterbetrieb möglich wäre. Sechs Gemeinderäte stimmten gegen den Grundsatzbeschluss: Bernhard Oeggl (CSU), Kaspar Stanggassinger (Freie Wähler), Michael Sturm, Marlies Moderegger (beide Grüne) sowie Paul Grafwallner und Sepp Stangassinger (beide UBB).

Ulli Kastner