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Eine Grillparty als Bühne des Lebens

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Michael Altinger und seine »Ein-Mann-Band« Martin Julius Faber beim Auftritt auf der NUTS-Sommerbühne. (Foto: Heel)

Mit dem Auftritt des Kabarettisten Michael Altinger im Traunsteiner König-Ludwig-Hof fand die spielfreie Zeit der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS endlich ein Ende.


Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung der Stadt Traunstein werde nun, so Franz-Josef Fuchs, bis Ende September ein bunt gemischtes Programm aus Musik und Kabarett geboten, bei dem eigentlich für jeden etwas dabei sein müsste. Des weiteren dankte er den Nachbarn für ihr Verständnis und der Firma Musik Mayer für die Bühne und die Technik. Und dann freute sich der Kabarettist und NUTS-«Dauerbrenner« Michael Altinger, dessen geplanter Auftritt im März bereits der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen war, dass er wieder auf der Bühne stehen und sein aktuelles Solo-Programm »Schlaglicht« vorstellen konnte, »vor ganz Traunstein«, wie er leicht übertrieben anmerkte, und wie üblich begleitet von seiner Ein-Mann-Band Martin Julius Faber an Keyboard und Gitarre.

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Und schon war er mittendrin in seiner imaginären Grillparty im heimischen Strunzenöd, wo alle zugegen sind, von der Männer-Yogagruppe bis zum Personal des örtlichen Swingerclubs, um sich an seinem legendärem Kartoffelsalat (garantiert ohne Fleischwurst) zu laben. Kuriose Typen wie den Planking-Fan (eine neue Form des Liegestützes), die Altinger bravourös zum Leben erweckt und gnadenlos auf die Schippe nimmt. Weil der Ehrengast des Abends, ein berühmter Erfinder namens Hellmut Lux, mit dem sich Altinger in seinem letzten Programm »Hell« angefreundet hat, aber auf sich warten lässt, nimmt er zwischendurch alles auf Korn, was ihm (scheinbar) gerade so einfällt, pfiffig, temporeich und dabei immer in Bewegung: Von der Angst vorm Älterwerden (»Boid bin i oid«) über das das neue Statussymbol Flugscham bis hin zur Demokratie, mit der etwas nicht stimmen kann, wenn der Wahlzettel länger ist als eine Klopapierrolle.

Ein Dorn im Auge sind ihm auch Zahnärzte, die immer fragen: »Benutzen Sie eigentlich Zahnseide?«, Eltern, die heute begeistert die Musik hören, die sie ihren Kindern in den 80er Jahren madig gemacht haben, und natürlich Hotelzimmer mit Toilettentüren aus Glas. Amüsante Einblicke mit hohem Wiedererkennungswert, vermischt mit durchaus ernsten Anmerkungen zur Wegwerfkultur und dem Fluch des Überangebots.

Daneben glänzt Michael Altinger als Sänger mit erstaunlicher Stimmkraft, wobei die Lieder ausschließlich seiner Frau gewidmet sind, die er »doch so sehr vermisst«. Warum er sie vermisst, wird erst beim letzten Lied klar: Sie hat ihn verlassen! Zum Glück hat er ja seinen bislang stets stummen Sidekick Faber, der an diesem Abend über wahre Freundschaft singt und sogar ein Gedicht aufsagen darf, von Altinger an der Gitarre begleitet.

So gab es doch ein Happy-End und das Publikum, das zwischendurch leichtem Regen trotzte, ging hochzufrieden nach Hause.

Wolfgang Schweiger