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Eine ertragreiche Lüge

Bad Reichenhall - Es sollte die beste Lügengeschichte werden. Und wurde zur genialen Geschäftsidee. Johannes Hoffmann, ein gebürtiger Schönauer, vertreibt seit sechs Jahren den »Jennerwein«. Die Berglese gibt es als Weiß- und Rotwein. Die Geschichte dazu ist mehr als komisch.

»Ich bin Mitglied in einer weltumspannenden Kulturvereinigung«, sagt Johannes Hofmann vom Gasthaus »Hofwirt« in St. Zeno. Alljährlich kürt die Vereinigung das Mitglied mit der besten Lügengeschichte. Das hat Tradition. Johannes Hofmann hat sich also so seine Gedanken gemacht - und am Ende die gelungenste Münchhausen-Geschichte präsentiert.

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Die geht wie folgt: Hofmann war mit seinen Tourenskiern in den Berchtesgadener Alpen unterwegs. Auf dem südlichen Jennerfeld legte er eine Verschnaufpause ein und genoss eine Tasse heißen Tee. Prompt entdeckte er etwas Glitzerndes neben sich im Schnee. »Zuerst dachte ich an einen verschneiten Christbaum«, so Hofmann. Dann erkannte er aber, dass es sich um kleine Kugeln handelte, die aus dem Schnee herausstachen. Die Kugeln stellten sich als Trauben heraus. Weinstöcke auf dem Jenner. Ein Wunder.

Die Freude war, so besagt es Hofmanns Lügengeschichte, noch größer, als sich im folgenden Sommer herausstellte, dass dort ein ganzer Hang voll mit Rebstöcken war. Und damit noch nicht genug des Naturwunders. Zwei Traubensorten befanden sich an einem einzigen Rebstock. Schnurstracks hatte sich Hofmann die Leserechte bei der Gemeinde Schönau am Königssee besorgt, den Weinberg ließ er eintragen und wusste nach ein wenig Recherche Bescheid darüber, warum es am Jenner überhaupt Wein gibt: »Die zur Römerzeit im damaligen Juvavia (Salzburg) angesiedelten Legionäre haben den Weinanbau betrieben, um die Stimmung unter den Soldaten zu heben.« Auch soll es den Wildschütz Georg Jennerwein gegeben haben, der auf der Krautkaseralm aufwuchs.

Soweit zur hofmannschen Lügengeschichte, die nun ihre Früchte trägt. Denn die Resonanz auf seine Erzählung vor sechs Jahren sei groß gewesen, sagt er. So groß, dass Hofmann handelte. In Öl wurde das Etikett für das erlesene Tröpfchen gepinselt - eine an die Jennerbahn erinnernde Gondel, ein paar Reben. Dann rief er seinen Winzer im Burgenland an. Er solle doch mal 300 Flaschen Jennerwein abfüllen lassen, Weiß- und Rotwein, einen guten Sauvignon Blanc und einen Blauburgunder.

»Eigentlich war die ganze Sache nur als Gaudi gedacht«, erinnert sich der Gastronom. Doch war der Erfolg durchschlagend. Die Idee fanden Freunde und Bekannte gut, es sprach sich herum. Inzwischen ist der Jennerwein ein Erfolg. Vor allem als witziges Geschenk. Viele Berchtesgadener würden danach fragen. »Aber natürlich schmeckt er auch besonders gut«, verspricht Johannes Hofmann.

Selbst in der Jenner-Bergstation wird der Wein verkauft. Die österreichischen Nachbarn fragten immer wieder, wie man einen Wein im Jänner überhaupt ernten könne. Und damit noch nicht genug. Hofmann bleibt am Ball und hat schon wieder neue Ideen. »Kürzlich wollte ein Kunde ein paar Flaschen Jennerwein kaufen. Ich habe ihm dann erzählt, dass es wegen der neuen Beschneiungsanlage auf dem Berg demnächst auch einen Eiswein geben würde.« Der Kunde hat es glatt geglaubt. Und Hofmann freute sich über eine weitere Münchhausen-Geschichte. kp