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Ein zauberhafter Anfang

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Markus Wolf und Tomoko Sawallisch gaben das erste Konzert in der umgebauten Achentalhalle. (Foto: Flug)

Das erste Konzert in der Achentalhalle, der frisch zu einem Veranstaltungssaal umgebauten Schwimmhalle im Alten Bad Unterwössen, war ein Paukenschlag, der über 250 Besucher beinahe euphorisch zurückließ: Das alljährliche Benefizkonzert anlässlich zum Geburtstag des verstorbenen Professors Wolfgang Sawallisch hatte die Sawallisch-Stiftung in Verbindung mit der Musikschule Grassau in die neue Halle verlegt. Dort spielten Professor Markus Wolf auf der »Vollrath Stradivarius« der Bayerischen Landesbank von 1722 und Tomoko Sawallisch am Steinway-Flügel.


Markus Wolf brachte es schon kurz nach seinem Studium in Wien zum Ersten Konzertmeister der Wiener Symphoniker, 1989 in gleicher Position der bayerischen Staatsoper. Er war mehrere Jahre Gastkonzertmeister beim London Symphony Orchestra und Dozent am Richard-Strauß-Konservatorium München. Er unterrichtet an den Musikhochschulen Augsburg und München.

Die Pianistin Tomoko Sawallisch, Ehefrau des Sawallisch-Neffen Wolfgang W. Sawallisch, errang Preise in Klavierwettbewerben, Sonderauszeichnungen und spielt heute als Solistin in verschiedenen Städten in Deutschland und Japan. Tomoko Sawallisch hat eine besondere Leidenschaft für die Kammermusik entwickelt. Sie ist Mitglied des Beirats der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung und deren Repräsentantin in Japan.

Markus Wolf hatte das Programm des Konzertabends im Alten Bad zusammengestellt und weder sich noch die Pianistin geschont. Mit Ludwig van Beethoven und Franz Schubert stellte er zwei Salieri-Schüler gegenüber und rundete das ganze nach der Pause mit dem späten Johannes Brahms ab. Von Beethoven spielten die Musiker die herausfordernde Sonate für Klavier und Violine in D-Dur, op. 12/1, von Schubert das Rondo für Klavier und Violine in h-Moll, op. 70.

Die Stücke gelten durchweg als Herausforderung, doch das vergaßen die Zuhörer. Sie ließen sich tragen vom Gefühl und der ansteckenden scheinbaren Leichtigkeit, mit der Tomoko Sawallisch und Markus Wolf selbst anspruchsvollen Passagen einen eigenen Stil aufdrückten. Wunderbar, wie die langsamen Passagen ausdrucksstark die Stimmungen vermittelten. Wuchtigen Takten folgte zärtliche Töne. Mal im Gleichklang, mal im Wechselspiel perlten die Melodien aus dem Klavier, während die Violine eine Note in die andere fließen ließ.

Nach der Pause erklang dann Brahms in den vielen Stimmungen der Sonate für Klavier und Violine in d-Moll, op. 108. Mal melancholisch, mal düstern aufbrausend oder sentimental wanderten die Musiker durch die Sätze. Seine Freude drückte das Publikum in seinem kräftigen Applaus aus.

Die neue Akustik in der Halle sorgt auch dafür dass die Musik so warm bis in die letzte Reihe klang, die feinsten Violinstriche noch am Saalende zu hören waren. Verantwortlich dafür waren auch Alexandra Leutheuser und Andreas Grenz von Theaterprojekte Daberto und Kollegen.

»Jeder Raum ist akustisch anders, und eine Akustik nie perfekt«, erklärt die Diplomingenieurin für Akustik. In Unterwössen sei ihr Unternehmen von einer Mischnutzung mit Schwerpunkt auf die Musik ausgegangen. Herausforderung für die Akustik eines Saals seien parallele Wände, zwischen denen der Ton Ping-Pong spielen könne. Unterwössner Eigenart sei dabei die große Glasseitenwand.

Mit verschiedenen Maßnahmen bekamen die Planer die Eigenheiten in den Griff: Gegenüber der Fensterseite hängen die Wandplatten in verschiedenen Winkeln. Vorhänge sind in Wandkassetten verborgen und können weiter ausgefahren werden, wenn eine geringere Belegung des Saals das erfordert.

Mit diesem Konzertabend habe Hermann Hesse wieder einmal Recht, zitiert Musikschulleiter Otto Dufter in der Konzertbegrüßung: »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.« Paul Bischof, Vorstand der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung, hob deren Bedeutung und die des Benefizkonzerts für den musikalischen Nachwuchs hervor. Ludwig Flug