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Ein wenig leiser, ein wenig melodischer

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Bandleader und Entertainer Martin »Maschtei« Wilhelm zog in Staudach alle musikalischen Register. (Foto: Kewitsch)

Weit über drei Jahrzehnte spielt Sauerkirsch nun bereits im Gäu rauf und runter. Manchmal macht sich die neunköpfige »Kapelle« rar, aber gerne zelebrieren sie jahrelang gepflegte Traditionen. Dazu gehört unter anderem auch die alle zwei Jahre stattfindende »Unplugged«-Party auf der Staudacher Musikbühne im Gasthaus Mühlwinkl. Heuer war es wieder soweit.


Martin »Maschtei« Wilhelm, der Entertainer am Mikrofon, ist die Triebfeder der Truppe. Es wurde schon viel geschrieben über die Sauerkirschen, über die stets ausverkauften Unplugged-Doppelkonzerte – so mag sich die Frage aufdrängen: Gibt es Neues zu berichten, was schreibt man da noch? Und wie es der Zufall so will, schon bei der Anmoderation vermeldet »Maschtei« dann wirklich Brandaktuelles. Es gebe nicht weniger als acht neue Nummern, das gab es zuletzt 1984, da hatte die Band nämlich insgesamt nur acht Nummern zu bieten. Wilhelm geht dann nahtlos in seinen »Plappermodus« über – das kann bisweilen dauern.

Die Truppe steht hinter ihm, oder genauer, um ihn herum, denn dieses Mal befindet sich die Bühne wieder inmitten des Saals. Er holt sich seine Lacher mit scherzhaften Passagen über die Schwiegermutter oder er reißt Zoten, er lässt sich nicht bremsen, die Musiker sind von einer stoischen Gelassenheit beseelt. Man kennt ihn ja, es kann dauern. Die Besucher hören wirklich acht neue Nummern, allesamt ein wenig leiser, melodischer als der bekannte Sauerkirsch-Sound, aber nicht minder gut hörbar. Dazu trägt der Kapellen-Sound bei: drei Bläser (Peter Lechner, Josef Lechner, Franz Pichl) sowie die gute Lead-Gitarre von Georg Meier, aber auch Wegbegleiter Thomas Gartner (Gitarre), Peter Janotta (Drums), Markus Reiter (Klavier) und Peter Lechner (Tuba, Bass) reihen sich mit dem Erfahrungsschatz der Jahrzehnte nahtlos ein.

So bleibt nicht viel Neues zu berichten. Ich werde nicht darüber informieren, dass die Gag-Quote abermals eine sehr hohe war, nicht schildern, wie eine perfekte Elvis-Imitation aus dem Grassauer Stift entsteigt und Rock 'n' Roll vom Feinsten zelebriert, auch nicht erzählen, dass die bekannten Hits wie »Mama hat gsogt«, »Solang die Leber lebt« oder auch »Das gelbe Haus« einfach Volltreffer waren – das alles ist ja hinlänglich bekannt. Martin Wilhelm tobte sich aus, er war in seinem Element – den Erzählungen einiger Gäste zufolge am zweiten Spieltag sogar noch ein Stückweit »euphorischer«; Sauerkirsch live halt. Es wäre auch müßig zu erzählen, dass ein dankbares Publikum nicht nur lautstark Zugaben forderte, sondern auch herzhaft lachen durfte. Und es ist mittlerweile Brauch, dass Sauerkirsch-Konzerte selten vor Mitternacht enden.

Kurzum: über drei Jahrzehnte ungetrübte Spielfreude, ein rundum gelungener Konzertabend mit einer eingespielten Truppe und einem Unterhalter von großem Format. Man sollte sich den April 2017 vormerken. Es gibt Termine, die kommen immer wieder. Udo Kewitsch