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Der 22-jährige »Rising Star« Emmanuel Tjeknavorian begeisterte im Großen Festspielhaus in Salzburg. (Foto: Aumiller)

Im Großen Festspielhaus in Salzburg erweist sich der 22-jährige Geiger Emmanuel Tjeknavorian, gebürtiger Wiener armenischer Herkunft, wahrhaft als »Rising Star« auf dem Weg zu steiler Karriere.


Seine enorme Begabung verspricht nicht nur eine große geigerische Zukunft, sondern mit seiner wunderbaren Wiedergabe des Konzerts für Violine und Orchester in d-Moll op. 47 von Jean Sibelius zeigt er sich bereits gegenwärtig als beeindruckender Künstler und Violinist der Extraklasse. Tjeknavorian brilliert in seinem Spiel nicht allein mit erlesener Tonqualität und technischer Bravour, sondern er horcht hinein in die Musik, in das, was der Komponist zwischen den Noten aussagt. Die Brillanz der instrumentalen Fertigkeit vermittelt sich bei ihm »nur« als die Basis, um dem Herzschlag der Musik nachzuspüren und ihn vermitteln zu können.

Sibelius’ Musik drückt klangmalerisch melancholische Stimmungsbilder aus. Es wird dem Komponisten attestiert, er habe in seiner Klangsprache Naturempfindungen seiner finnischen Heimatlandschaft eingefangen. Tjeknavorian trifft den Atem dieser Musik. Mit betörendem Zauber intoniert die Violine über einem ruhigen Streichertremolo das Hauptthema, das in unterschiedlicher Färbung im ganzen Werk immer wieder aufblitzt. Kurz interveniert die Soloklarinette, bevor das Orchester ein geheimnisvolles Dunkel dagegensetzt.

Eindeutig gibt der Komponist dem Solopart das Primat, um den sich das Orchester in differenzierten Klangfarben rankt. Die auskomponierte große Solokadenz ist Teil der Stimmungsschilderungen des gesamten Werks und führt hin zum romantisch empfindsamen Adagio, von den Holzbläsern in feiner Lyrik eingeleitet. Im bewegten Tanzrhythmus, in gemäßigt flottem Schritt, schließt sich der Finalsatz an, immer wieder die Grundthematik einflechtend. Der Geiger ist in akzentuierter Rhythmik auch hier die melodisch tragende Säule, von Tjeknavorian wunderschön klangseidig, mit Bravour ebenso wie mit Herzblut vorgetragen.

»Auf der E-Seite zu spielen, ist für mich das Größte«, sagt der junge Geiger, der mit fünf Jahren mit dem Geigenspiel begann und dem die Violine von Anfang an als »sein« Instrument galt. Inzwischen hat er mit namhaften Orchestern und Dirigenten konzertiert. 2015 wurde er beim internationalen Jean-Sibelius-Wettbewerb für die beste Interpretation des Sibelius-Konzerts ausgezeichnet. Er ist für die Teilnahme 2017/18 am Rising- Stars-Zyklus der European Concert Hall Organisation ausgewählt und wird im Dezember in Rolando Villazons TV-Show »Stars von Morgen« Gast sein. Tjeknavorian spielt eine Violine von Antonio Stradivari.

Nach der Pause lässt das Mozarteumorchester unter der Leitung des slowenischen Dirigenten Marko Letonja die Symphonie fantastique op. 14 von Hector Berlioz zunächst etwas bedächtig angehen, bis sich das ungewöhnliche Klangfarbenbouquet dieser fantasievollen Fantastik entfaltet. Letonja, mehrfach Chefdirigent diverser Orchester, viel gereist und mit großem Repertoire oft Gast bei namhaften Orchestern, ist ab Herbst 2018 Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker.

Berlioz’ Symphonie fantastique ist als Programmmusik angelegt, in der sich der Bogen von romantisch träumerischer Liebe bis zum Hexensabbath spannt. Im Opiumrausch erlebt der Held in der »Episode aus dem Leben eines Künstlers«, die träumerische Begegnung mit der Geliebten, Wanderungen durch die Natur, Gerichtsszenarium bis hin zum Hexentanz in orgiastischer Walpurgisnacht.

Der romantischen Klangfarben gibt es viele, die Dirigent und Orchester engagiert auffächern. Herausragend sind in der »Szene auf dem Lande« die empfindsam und klangedel gespielten Soli von Englischhorn und Oboe. Auch Klarinette und Flöte mischen im Verlauf reizvoll mit. Rüde Töne produzieren zwischendurch die Tuben und imponierend lassen wilde Wirbel von Pauken und Trommeln den Gang zum Hochgericht anschaulich werden. Harfenklänge, Glockengeläut, intensives Blech und auftrumpfende Orchesterorgie gehören zum Taumel des Finales beim Hexensabbath. Elisabeth Aumiller