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Ein Solo für den Kontrabass

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Junge Kontrabassisten – auf unserem Bild Boris Diaghilev aus Russland – zeigten in der Villa Sawallisch in Klavierbegleitung von Professor Dunja Robotti ihre große Virtuosität. (Foto: Benekam)

Er hat zwar nur vier Saiten, ist aber ungemein vielseitig, hat einen sinnlich geschwungenen Corpus mit Taille und Hüfte, einen langen Hals, ist zugleich das größte und auch das tiefste Streichinstrument und kann sowohl gestrichen als auch gezupft werden. Er inspiriert nicht nur Musiker, sondern auch Dichter und Maler und weil er sich auf kein bestimmtes Genre festlegen lässt, kommt er in Klassik, Jazz, Pop und Rock zum Einsatz. Nebenbei: Er ist das Fundament jeder Sinfonie – Der Kontrabass.


16 junge Kontrabassisten aus acht Nationen, die in der Villa Sawallisch in Grassau bei Professor Dorin Marc einen Meisterkurs für Kontrabass absolviert hatten, ließen in einem Matineekonzert keinen Zweifel an ihrer »tiefen Verbundenheit« zu diesem Instrument. Ein jeder, so schien es, gab seinem Kontrabass eine eigene Stimme, pflegte seinen eigenen »Klangstrich«, seine »Liebe«, die wohl Patrick Süskind (Theaterstück »Der Kontrabaß«) hätte aufhorchen lassen: Kein bisschen zu schwer, zu unhandlich oder zu tief und auch kein »Romantik-Verhinderer«.

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Dorin Marc ist Professor für Kontrabass an der Hochschule für Musik in Nürnberg. Sein Kontrabass-Studium absolvierte er in seinem Heimatland Rumänien an der Universität für Musik Bukarest. Sowohl in seinem Heimatland als auch international wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nach einer Woche Lehrtätigkeit in der Villa Sawallisch zeigte sich im konzertanten Auftritt seiner Schüler, dass er ein hervorragender Lehrer sein muss. Denn was die Gäste da zu hören und zu sehen bekamen, das zeugte nicht nur von spieltechnisch hohem Niveau. Schließlich macht nicht die Technik allein einen guten Musiker aus. Es ist vielmehr das Zusammenspiel von technischer Präzision, Empathie, Fähigkeit und dem Sinn für die richtige Dynamik und ihre Feinabstimmung zum Mitspieler, was das Mittelmaß vom Meister abhebt.

Und so fühlte sich das in diesem Abschlusskonzert schon an und obwohl es die Zuhörer mit drei Stunden Spieldauer an seine Grenzen brachte, war es in keiner Minute langweilig. Es »basste« eben. Jeder Schüler spielte in Klavierbegleitung von Professor Dunja Robotti ein Werk – das Ergebnis einwöchiger Intensivarbeit am Instrument. Auf der Suche nach diesem »besonderen« Ton und der Entwicklung des eigenen Ausdrucks in den Interpretationen der gespielten Werke wurde deutlich, dass alle Schüler zwischen 16 und 30 Jahren in ihrer Entwicklung bereits sehr weit vorgedrungen waren.

In ganz unterschiedlichen Werken aus verschiedenen Epochen wirkten viele Schüler, als seien sie in die Masse, Kraft und Variationsmöglichkeiten ihres Kontrabasses verliebt. Etwa die Deutsche Eva Brockhaus in einer Sonate von Adolf Misek, die bei guter spieltechnischer Sicherheit bereits viel Emotion in ihr Spiel legte und die liedhaft-romantischen Linien auch in ihrer Körperspannung erlebbar machte. Oder Boris Diaghilev (Russland), der zuweilen in überschießender Interpretationsfreude zwar einige Griffpassagen etwas »unsauber« spielte, dafür aber so ganz intensiv die Dynamik des anspruchsvollen 1. und 2. Satzes des Konzerts in D-Dur von Johann Baptist Vanhal »begriff«. Sein Zwillingsbruder Gleb interpretierte eine Sonate von Johann Wilhelm Hertel mit hingebungsvollem Gestaltungswillen bei verblüffender Unverkrampftheit.

Ganz solo und erstklassig interpretiert erklang von Svenja Dose (Berlin) »Kadenza« von Teppo Hauta-Aho: Eine wahre Zirkusnummer auf dem Kontrabass, tonal von ganz oben nach ganz unten chargierend, lässt das Werk nichts aus, was die Spielmöglichkeit des Kontrabass zu bieten hat und zeigt nebenbei, dass es tatsächlich möglich ist, Dissonanzen harmonisch klingen zu lassen. Großen Respekt zollten die Zuhörer auch Yosuke Motoyama (Japan) und Adrian Eriksson (Schweden), die Schuberts Arpeggione-Sonate zu Gehör brachten, wobei auch hier wieder beide Schüler auf ganz unterschiedliche Weise Größe zeigten.

Nach so vielen grandiosen Kontrabassklängen dürfte wohl keiner der Konzertbesucher mehr daran zweifeln, dass dieses so form- und klangschöne Instrument tatsächlich weit mehr kann, als »nur« begleiten. Ein »Solo« (-Auftritt) für Jung-Kontrabassisten, für das sich die restlos begeisterten Zuhörer mit einem euphorischen Applaus bedankten.

Kirsten Benekam