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Ein Skitourenparadies der Extraklasse

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Das erste Ziel der beiden Skitourengeher war das 2200 Meter hohe Kreuzeck.
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Rudi Till genoss die Abfahrt vom Karkogel in vollen Zügen. (Fotos: Alois Raba)

Der Januar war schneereich – und statt Skitourengehen war vor allem Schneeräumen angesagt, Mitte Februar gab es endlich wieder eine längere Schönwetterperiode. Da es kurz zuvor geschneit hatte, war Pulverschnee und Sonnenschein zu erwarten. Also rief ich kurzerhand den Alois an und fragte ihn, ob er für ein paar Tage mit auf Skitour gehen will. Er sagte sofort zu und wollte erst dann wissen: »Wo soll’s den hingehn?« Meine Antwort: »Ins Großarltal, weil da war ma no nia.«


Schon am nächsten Tag fuhren wir mit dem Wohnmobil – unserer »rollenden Skihütte« – ins »Tal der Skitouren«, wie das Großarltal auch genannt wird. Praktischerweise gibt es im Zentrum von Großarl, und in Stockham am Talschluss je einen Wohnmobilparkplatz.

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Unser erstes Ziel war die prächtige Hochwinterskitour auf das 2200 Meter hohe Kreuzeck, zu dem man von einem kleinen Parkplatz bei der Halmoosalm startet. Da wir am Anreisetag etwas später dran waren, bekamen wir mit unserem Wohnmobil keinen Parkplatz und mussten von Karteis auf einer kleinen Bergstraße 300 Höhenmeter hinaufstiefeln.

Zahllose Abfahrtsvarianten

Von hier ging es über Wiesen und einen Saumweg bis zur Karteisalm und durch einen lichten Lärchenwald in ein weites Hochkar. Dieses gleicht einem riesigen Amphitheater, dessen Halbrund zahllose Abfahrtsvarianten bietet. Der höchste Punkt ist der Kreuzeckgipfel, den wir nach knapp drei Stunden und 1200 Höhenmetern erreichten und dafür mit einem großartigen 360-Grad-Panorama belohnt wurden.

Nach einer kurzen Pause zogen wir unsere eigenen Spuren mit viel Flow in den 30 Zentimeter tiefen Pulverschnee, um anschließend vom Grund des Hochkars nochmals gut 200 Höhenmeter hinauf zum kleinen Schattleitenkopf zu steigen. Dessen Pulverschneehänge waren noch fast unverspurt und lagen wie eine riesige Bettdecke zu unseren Füßen. Wir ließen den Pulverschnee stauben und glitten voller Glücksgefühle zurück zur Halmoosalm. Von hier ging es etwas komplizierter – teils entlang der Straße und teils über steile Wiesen und Gräben – hinunter ins Tal.

Am nächsten Tag starteten wir früh und fuhren von Großarl auf einer schneebedeckten Forststraße zum 1300 Meter hoch gelegenen Parkplatz ins Ellmautal. Ich hoffte inständig, dass uns kein Auto entgegenkommt, um nicht anhalten zu müssen und anschließend womöglich nicht mehr anfahren zu können. Wir hatten Glück und erreichten wohlbehalten den großen Parkplatz im Ellmautalgrund.

Unsere Ziele waren diesmal das Filzmooshörndl und der Loosbichl, die mit schönen nordseitigen Hängen begeistern. Über den Sommerweg stiegen wir zur Filzmoosalm auf, um anschließend über eine kleine Geländestufe in einen wunderschönen, lichten Zirbenwald zu gelangen, der in ein großes Hochalmgelände übergeht, das aufgrund des Neuschnees einem großartigen Gletscherbecken glich. Dieses weite Gelände durchquerten wir in einem weiten Rechtsbogen in angenehmer Steigung, um anschließend über einen Rücken zum 2190 Meter hohen Gipfel des Filzmooshörndl zu gelangen. Eine Wahnsinnsaussicht, die von der Hochalmspitze im Süden, über den Großglockner im Westen, dem Hochkönig im Norden bis zum Dachstein im Osten reichte, raubte uns fast den Atem. Alois fragte mich: »Kennst du de ganzn Berg«? Ich meinte: »Na, aba wo du hi schaugst, nix wia Gegend«.

Wir fuhren nicht entlang des Aufstiegs, sondern rauschten über einen bis zu 40 Grad steilen Pulverschneehang wie im Sinkflug direkt zur Filzmoosalm hinunter. Voller Glücksgefühle fellten wir wieder an und stiegen diesmal über einen Absatz und ein weitläufiges Almgelände zum 2050 Meter hohen Loosbichl auf. Am Gipfel entdeckten wir zahlreiche Varianten und Tourenmöglichkeiten, die auch bis nach Kleinarl führen. Einer ausgiebigen Brotzeit in der warmen Sonne folgte eine tolle Pulverschneeabfahrt durch lichte Lärchenwälder hinunter zur bewirtschafteten Loosbichlalm und weiter über den Fahrweg und Wiesen zurück zum Parkplatz.

Vom großen Wohnmobilparkplatz in Stockham am Talschluss von Großarl starteten wir zum 2400 Meter hohen Mureck. Über einen steilen Westhang erreichten wir nach 200 Höhenmeter eine Forststraße, die uns über die Kreekapelle und die gleichnamige Alm über eine Waldstufe hinauf zum weitläufigen Kreekar mit seinen schönen Hängen brachte. Hier stach die gewaltige Murwand ins Auge, die wir über eine breite Rinne umgingen und so das Murtörl erreichten, das gleich zwei Gipfelkreuze ziert.

Von hier führt ein angenehm steiler Hang hinauf zum eigentlichen Gipfel des kleinen Mureck, das ein besonders schönes schmiedeeisernes Gipfelkreuz hat und von dem man einen tollen Tiefblick über die Murwand hinunter ins Kar hat. Wir fuhren entlang des Anstiegs in staubenden Pulver ab, der sich nach 100 Höhenmetern in gemeinen Plattenpulver verwandelte. Der Wind hatte hier am Alpenhauptkamm ganze Arbeit geleistet.

In der Rinne unterhalb des Törls hatte die anstehende Sonne den Schnee zu allem Überfluss noch in unangenehmen Batz verwandelt. Während wir uns hier hinunterquälten, leuchteten von der anderen Karseite tolle Tiefschneespuren herüber. Also nichts wie hin, nochmals angefellt und wieder bis zu einem Rücken aufgestiegen. Inzwischen hatten wir knapp 1600 Höhenmeter zurückgelegt und die folgende Pulverschneeabfahrt reichlich verdient.

Herrliche Aussicht auf die Hohen Tauern

Am letzten Tag machten wir die mit 1050 Höhenmeter kürzeste, aber schöne Skitour auf den Karkogel. Ausgangspunkt ist das bei Skitourengehern beliebte Aschauerstüberl. Über einen Traktorweg, eine Wiese und anschließend über einen Forstweg erreichten wir die Hirschgrubenalm. Von hier stiegen wir über einen steilen aber schütteren Wald hinauf zu einem flacher werdenden Kar und über dieses auf den 2090 Meter hohen Gipfel, von dem wir die herrliche Aussicht auf die Hohen Tauern genossen.

Die sicheren Verhältnisse erlaubten die Abfahrt über den steilen Nordhang direkt hinunter zur Hirschgrubenalm. Wie im Rausch schwebten wir diesen 500 Höhenmeter hinunter, um nach der restlichen Abfahrt bei Topfenstrudel und Cappuccino im Aschauerstüberl die tollen Skitourentage ausklingen zu lassen. Dabei schlossen wir den festen Vorsatz, wiederzukommen, da im Großarltal noch viele weitere Skitourengipfel darauf warten, erobert zu werden. Rudolf Till