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Ein sagenhafter musikalischer Abend im »Unterstein«

Schönau am Königssee – Mal gruselig, mal lustig. Mal geheimnisvoll, mal belehrend: Die Sagen, Geschichten und Mythen, die sich um die Raunächte vom 21. Dezember bis zum 5. Januar ranken, regen seit jeher Fantasie und Aberglauben der Menschen an. So auch am Freitagabend im Gasthaus »Unterstein«. Karl-Heinz Hummel präsentierte gemeinsam mit der Tiroler Schauspielerin Evelyn Plank in angenehm-bayerischer Mundart alpine Sagen - vom Weitwiesenweiberl am Königssee über das Venediger-Mandl bis hin zur Frau Percht an Heilig-Drei-König. Für die musikalische Umrahmung sorgte die »Nagl-Musi«, eine der wohl ungewöhnlichsten faszinierendsten Stubenmusikbesetzungen Bayerns.

Karl-Heinz Hummel (2.v.l.) und Evelyn Plank (Mitte) entführen in der Adventszeit gemeinsam mit der »Nagl-Musi« in die Welt der Sagen, Mythen und Geschichten. Anzeiger-Fotos

»Die Raunächte beginnen am St.-Thomas-Tag, 21. Dezember, und dauern bis Heilig-Drei-König am 5. Januar«, begrüßte Karl-Heinz Hummel die knapp 150 Besucher im »Unterstein«-Saal, »an den Vorabenden der Raunächste räuchert man die Häuser aus, um die Hexen zu vertreiben und sein Heim zu weihen.« Denn die Raunächte sind jene Nächte, in denen die Geister umherziehen und ihr Unwesen treiben. Die geheimnisvollen Bösewichte der zwölf dunklen Nächte sind somit wohl auch die Fantasiequelle für zahlreichen Mythen.

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Alpine Sagen haben Hummel bereits vor zwanzig Jahren in ihren Bann gezogen. Der Autor, Librettist und Darsteller, welcher unter anderem die Opernfassung des Brandner Kaspars für die Uraufführung in diesem Jahr bei den Opernfestspielen auf Gut Immling schrieb, musste vor gut zwei Jahrzehnten Sagen für ein Theaterstück zusammensuchen. Seitdem hat ihn die Faszination nicht mehr losgelassen. »Ich habe an die 300 Sagen gesammelt«, verrät Hummel. Die Sagen und Mythen sind jedoch nicht nur von anderen übernommen, unzählige Geschichten hat Karl-Heinz Hummel auch selbst geschrieben.

Mit der Unterstützung der Tiroler Bühnen-, Film- und Fernsehschauspielerin Evelyn Plank gewährte er dem heimischen Publikum einen Einblick in sein Archiv. Dabei reichten die vorgelesenen Geschichten von humorvollen Ratschlägen wie »Was muss ich am Thomasabend machen, wenn ich wissen will, wen ich heirate« bis hin zur Erkenntnis, warum junge Burschen aus dem Talkessel kein Dankeschön mehr über die Lippen bekommen. Schließlich möchte niemand das unschöne Erlebnis mit dem Weitwiesenweib vom Königssee haben wie einst der junge Bauer Franz aus der Ramsau. Nachdenklich-ermahnende Sagen wie »Die übergossene Alm« standen ebenso auf dem Programm wie heitere Erzählungen über sprechende Ochsen und Rösser in der Heiligen Nacht, Reime zu Silvester, geheimnisvolle Mythen der Frau Percht oder die grob-makabere, moderne Geschichte vom »Wilderer Pfandl«, wofür eine Gämse durch die Schneefräse gehäckselt wurde. Und letztlich haben nicht nur die Menschen unter schmelzenden Gletschern zu leiden, auch der Schneewind beklagte in einem Gedicht bitter sein Leid über den Klimawandel.

Sorgten die Texte gleichermaßen für unheimliches Schaudern und befreiendes Lachen, faszinierte die »Nagl-Musi« das Publikum mit ihren volks- bis weltmusikalischen Kompositionen. Mit Gitarren, Kontrabass, Hackbrett, Klarinette, Flöten, aber auch E-Bass, elektrischer Zither und Schlagzeug präsentierten die fünf Musiker - ein jeder Meister auf seinem Instrument - einen Streifzug von bayerischer bis zu kubanischer Musik, vom regionalen Landler bis hin zum Bossa Nova, von der Polka zum Blues und rockigen Jazz. Stubenmusik der etwas anderen Art, aber auf alle Fälle ein Garant für exzellente Hörgenüsse. ci

Ausschnitte aus dem Programm »Raunachtssagen« sind am zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember, um 7.05 Uhr in der Volksmusiksendung »Heimatspiegel extra« auf Bayern 2 zu hören.