weather-image
16°

Ein Roman über Thomas Mann und eine große Liebe

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Hans Pleschinski las in Stein aus seinem Roman »Königsallee«. (Foto: Glossner)

Eine ausgezeichnete Autorenlesung fand an der Schule Schloss Stein anlässlich der Eröffnung der 15. Steiner Literatur- und Medienwoche statt. Der Schriftsteller Hans Pleschinski begeisterte das Publikum mit Texten aus seinem Buch »Königsallee«.


Sebastian Ziegler, Gesamtleiter der Schule, sagte zu Beginn, dass man die diesjährigen Literaturtage nun schon als kleines Jubiläum feiern könne. Der Roman über Thomas Mann und eine große Liebe ist ein literarisches Meisterwerk. Spannend ist vor allem die Darstellung des gesellschaftlichen Lebens der 50er Jahre in Deutschland, im Hinblick auf die Auswirkungen des Dritten Reiches.

Der berühmte Nobelpreisträger Thomas Mann wird im Sommer 1954 mit seiner Frau Katja in Düsseldorf erwartet, um aus seinem Buch »Felix Krull« zu lesen. Im vornehmen »Breidenbacher Hof« in der Königsallee wird für den bekannten Literaten alles vorbereitet. Im selben Hotel ist auch Klaus Heuser mit seinem Freund Anwar zu Gast – ein Zufall, der bei der Tochter Thomas Manns, Erika, für Unruhe sorgt, denn Klaus Heuser gehört zu den großen Lieben des Schriftstellers.

Hans Pleschinski beschreibt hier sehr spannend ein fiktives Wiedersehen zwischen dem 79-jährigen Thomas Mann und Klaus Heuser und malt aus, wie es gewesen sein könnte, wenn Karl Heuser tatsächlich an den Rhein gekommen wäre.

Im August 1927 hatte Mann sich in Kampen auf Sylt in den 17-Jährigen »verguckt«. Klaus wird für zwei Wochen nach München eingeladen, später besucht Mann die Familie Heuser in Düsseldorf. »Nach menschlichem Ermessen war das meine letzte Leidenschaft, und es war die glücklichste«, notierte er 1933 im Tagebuch. Viel passiert ist nicht zwischen den beiden, aber er erinnerte sich noch 1942 an sich als »glücklichen Liebhaber«.

Es handelt sich um eine eigenwillige Liebesgeschichte, die 1954 aber in der Realität kein Wiedersehen brachte, als Thomas Mann nach Düsseldorf reiste und aus Felix Krull vorlas. Nur die Eltern von Klaus sind dabei, wie er im Tagebuch festhält, und berichtet, wie es ihrem Sohn, der bald aus Asien zurückkomme, ergangen ist. Manns Tochter Erika kommentierte das unverheiratete Dasein von Klaus »Düsseldorf leuchtet«.

Das Gerüst für den Roman »Königsallee« bildeten biographisches Material und reale Personen, dabei verarbeitete der Schriftsteller Fakten über Thomas Mann und dessen Umfeld. Außerdem wurden ihm von einer Nichte Klaus Heusers bisher unveröffentlichte Briefe zur Verfügung gestellt.

Hans Pleschinski wurde 1956 in Celle geboren, verbrachte seine Studienzeit in München. Er arbeitete am Theater, in Kunstgalerien, bei Film und Hörfunk. Heute lebt er als freier Autor in München. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen die Literatursatíre »Gabi Lenz. Werden & Wollen«, der Mittelalterroman »Pest und Moor«, »Ein Nachtlicht« und der Kulturkrimi »Brabant«. Autobiographisch geprägt sind »Ostsucht« und »Bildnis eines Unsichtbaren«. Jüngste Romane sind »Leichtes Licht« und »Ludwigshöhe«.

Das Publikum war begeistert von der gelungenen Präsentation und der Kunst, Gedanken durch Sprache lebendig werden zu lassen und dankte dem Autor mit langanhaltendem Applaus. Friederike Glossner