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Ein Poet, Träumer und Wanderer

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Einen Einblick in das Leben von Charlie Chaplin (Bas Timmers) gibt das Musical im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

Selbst wer noch nie einen kompletten Charlie-Chaplin-Film gesehen hat, erkennt sie sofort wieder, die Silhouette des kleinen Tramps, mit Stock und Melone, seiner weiten Hose, den riesigen Schuhen und dem taillierten Jackett. Entsprechend gespannt waren die Zuschauer bei der Aufführung von »Chaplin – Das Musical« im Saal des Traunreuter k1, wie diese Kostümierung seinerzeit zustande gekommen ist.


Oder wie sie auf der Bühne in Szene gesetzt würde. In der Realität hatte Chaplin die Figur erfunden, als ihm 1914 am Set des Kurzfilms »Kid Auto Races at Venice« von Regisseur Henry Lehrman aufgetragen wurde, ein lustiges Kostüm zu tragen. Im Musical, geschrieben von Thomas Meehan und Christopher Curtis und 2006 in New York uraufgeführt, ist es Regisseur Mack Sennett (Dirk Hinzberg), der Chaplin, gespielt von Bas Timmers, nach etlichen verpatzten Einsätzen auffordert, endlich »komisch zu sein«.

Leicht gesagt, doch schließlich hat Chaplin eine Idee. Eine Eingebung, die ihn zurückführt in die Eingangsszene des Musicals, wo er zusammen mit seiner Mutter als Sänger in den Straßen von London sein Geld verdient und dabei so manch kauzigen Typen zu Gesicht bekommt. Aus diesen Kindheitserinnerungen heraus kreiert er seine Figur, die eine perfekte Mischung aus Melancholie, Übermut und Humor ausstrahlt, und ab dann gehören die Kurzfilme, in denen er als »kleiner Tramp« auftritt, zu den erfolgreichsten der Keystone Studios.

Auch sonst bietet der erste Akt einen guten Einblick in die Frühzeit von Chaplins Karriere, auf großer Leinwand illustriert durch zahlreiche Fotos und Filmausschnitte und in Schwung gehalten durch gefühlvolle Balladen und schmissige Tanzszenen.

Witzige Einfälle wie die (teuren) Scheidungen von seinen drei ersten Ehefrauen, dargestellt als Boxkämpfe, bei denen Chaplin jeweils k.o. geht, lockern das Geschehen auf der Bühne weiter auf. Zumal auch Bas Timmers seiner Aufgabe Herr wird und Chaplin in allen Lebenslagen überzeugend verkörpert.

Etwas weniger gelungen ist der zweite Akt, wenn Skandale, politische Aktivitäten und Chaplins eher belanglose Tonfilme zur Sprache kommen. Da drängt sich die berüchtigte Klatschkolumnistin Hedda Hopper (1885 bis 1966) allzu überdreht in den Vordergrund, wenn sie Chaplin nach einem verweigerten Interview den Krieg erklärt und dazu beiträgt, dass er als Kommunist verdächtigt wird und als Folge davon im Jahr 1952 beschließt, sich in der Schweiz niederzulassen.

Langeweile kommt dank der schrillen Performance von Marie-Luise van Kisfeld und der berührenden Gesangseinsätze von Lasarah Sattler als Chaplins vierte Ehefrau Oona dennoch nicht auf. Versöhnlich ist auch das Ende, wenn Chaplin 1972 einen Ehren-Oscar erhält. Nur fünf Jahre später verstirbt er im Alter von 88 Jahren. Wolfgang Schweiger