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Ein Lehrer aus Berufung und Leidenschaft

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Carl de Temple war auch ein Abenteurer. (Foto: privat)

Berchtesgaden – »Berchtesgaden ist um ein Original ärmer«. Dieser schlichte aber ehrende Satz gilt Carl de Temple. In den letzten Mai-Tagen verstarb der pensionierte Lehrer im 92. Lebensjahr. Geboren 1924 in Markt Indersdorf und nach einer glücklichen Kindheit im Allgäu folgte eine nicht nur für ihn schlimme Periode: Noch während der Gymnasialzeit, 18-jährig, wurde er zum Kriegsdienst eingezogen.


Mit schrecklichen Erlebnissen im Kopf kehrte er traumatisiert heim, mit psychischen Belastungen angefüllt, über die er bis zu seinem Lebensende nicht sprechen wollte – wie es auch vielen anderen seiner Generation erging. Auch körperlich geschädigt kam er zurück und ließ sich zunächst in München nieder. Das Elternhaus in Kempten gab es nach einem Bombenangriff nicht mehr, der Vater war als Oberst der Gebirgsjäger kurz vor Kriegsende gefallen. Carl de Temple ertrug mit Tapferkeit die Schmerzen, wobei ihm damals und zeitlebends sein Gottvertrauen stützte.

Den Neubeginn startete Carl de Temple, der Carli, wie ihn seine Freunde nannten, in Freising an der Lehrerbildungsanstalt, die er 1949 mit dem Abschluss als Lehrer für Grund- und Hauptschulen abschließen konnte. Als Aushilfslehrer bekam er eine Stelle in Berchtesgaden angeboten. Was für Carl de Temple eine große Freude bedeutete, war er doch schon immer ein begeisterter Bergsteiger. Er sah diese Berufung als Himmelsgeschenk an.

Üblicherweise gehörte in den Nachkriegsjahren eine Singstunde für Kirchenlieder zum Unterrichtsplan. Alle Schüler trafen sich dazu in der Berchtesgadener Pfarrkirche. Bei dieser Gelegenheit »ereilte« ihn zum zweiten Mal das Glück: Er traf erstmals seine spätere Ehefrau Elfi, die damals Brandner hieß, Berufskollegin war und mit ihrer dritten Klasse zur Singstunde gekommen war. Im Jahre 1959 heirateten Carl und Elfi de Temple in St. Bartholomä.

Es folgte eine glückliche und erfüllte Zeit, denn ein drittes Mal war Carl de Temple das Glück hold: Er bekam eine Stelle in der Grundschule Bischofswiesen, wo er fortan, zwischenzeitlich auch als Konrektor, die folgenden 28 Jahre unterrichtete. Mit Beginn der Sommerferien im Jahre 1987 wurde er, gemeinsam mit den Schulrektor Thomas Inderst, in den Ruhestand verabschiedet. Carl de Temple sei immer Lehrer aus Berufung gewesen, sagte der einstige Schulamtsdirektor Steinbacher zur Verabschiedung, stets jene Sicherheit ausstrahlend, in der sich Schüler wohlfühlten. Carl de Temple habe immer »nur« Lehrer sein wollen, ohne Streben nach einem höheren Amt. In den Mittelpunkt seines Wirkens für seine Schüler habe er die Erziehung zur Heimatliebe und zum Heimatverständnis gestellt und habe seine Begeisterung für und seine Kenntnisse über die Bergwelt auf seine Schüler übertragen können. Immer, so sagte Steinbacher schon damals, würden ihm seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler für alles Gute, was er geleistet habe, dankbar sein.

Carl de Temple schöpfte aus dem »Schatzkästlein der bayerischen Wesensart«, er versuchte, den Kindern die Augen und Ohren zu öffnen für bayerische Sprache, für die Liadln, die Tracht, die Berge und die Natur überhaupt im Besonderen.

»Abschied gehört zum Prinzip des Lebens«, war eine Maxime von Carl de Temple. Aus dem gesellschaftlichen Leben verabschiedete er sich aber noch lange nicht. Er war auch Mitbegründer des Laufes um die Watzmanngams, ebenso Pionier der ersten Stunde bei der Gründung des FC Mo. Bis zuletzt blieb ihm die Liebe zu den Bergen, nicht nur den heimischen. Im Himalaya-Gebirge beispielsweise stürmte er auf die Gipfel, auf den Kilimandscharo ebenso, in Grönland war er sogar an Erstbegehungen beteiligt.

In den letzten Lebensjahren fesselte ihn die Krankheit an das Bett, gepflegt auch von Ehefrau Elfi, in deren Armen er nach 57 gemeinsamen Jahren letztlich verstarb. Sein Wunsch wurde erfüllt: Zur Beisetzung erklang die von Carl de Temple geliebte Hymne »Gott erhalt das Land der Bayern«. Dieter Meister