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Ein Hörgenuss erster Klasse

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Chefdirigent Thomas Dausgaard und Pianistin Elisabeth Leonskaja sorgten mit dem »BBC Scottish Symphony Orchestra« für ein besonderes Konzerterlebnis. (Foto: SKV/Neumayr)

Mit stehenden Ovationen hat ein begeistertes Publikum im Salzburger Festspielhaus das »BBC Scottish Symphony Orchestra« und seinen dänischen Dirigenten Thomas Dausgaard, der sich erstmals für drei aufeinander folgende Abende in Salzburg zusammen mit der russisch-österreichischen Pianistin Elisabeth Leonskaja auf der Bühne präsentierte, gefeiert.


Zu Gehör kamen zu Beginn fünf Bilder aus Ungarn Sz. 97 aus Béla Bartóks (1881 bis 1945) »Magyar Képek« (Ungarische Skizzen). Schon hier zeigte sich der fein differenzierte Orchesterklang der Schotten.

Béla Bartók hatte diese kleine Sammlung musikalischer, ungarischer Skizzen noch in vergleichsweise konventionellem Stil geschrieben. Darin ließ er bewusst auch Einflüsse seiner Volksmusikforschungen anklingen. Thomas Dausgaard zeichnete mit dem von erstaunlich vielen Musikerinnen besetzten Orchester sensibel die unterschiedlichen Stimmungen zu den Bildern »Abend auf dem Lande«, »Bärentanz«, »Melodie«, »Etwas angeheitert« und »Uröger Hirtentanz«: lieblich so wie heiter, ausgelassen und rhythmisch bis zum abrupt-pfeffrigen Schluss.

Seit ihrem 7. Lebensjahr hat sich die Pianistin Elisabeth Leonskaja – zunächst auf Wunsch ihrer Mutter – dem Klavier verschrieben, nicht gerade früh für eine Russin, meint die in Tiflis geborene Künstlerin, die 1978 ihre Heimat verließ, um in Wien zu leben – der Musik wegen.

In Salzburg spielte sie das Konzert für Klavier und Orchester, a-Moll, op. 54 von Robert Schumann (1810 bis 1856). Elisabeth Leonskaja am Steinway-Flügel gestaltete die lyrisch-expressive Stimmung dieser gefühlvollen Fantasie souverän in all ihren beglückenden Details des Dialogs mit den Bläsern wie dem ganzen Orchester. Während Thomas Dausgaard stets der Pianistin zugewandt war, sie im Blick hatte und ihr Freiraum in ihren Tempi ließ, führte sie Regie über ihre Arme und unglaublich sicheren Hände ohne kaum erkennbare Bewegung ihres Körpers. Diese Grande Dame des Klaviers fesselte ihre Zuhörer mit ihrer reifen Musikalität, die ihr ausdrucksvolles Spiel zu einem stimmigen Ganzen mit dem Orchester verschmelzen ließ, seien es ihre zart aufgenommenen Themen, sensibel und voller Wärme, als leises Plätschern oder ihre anschwellend perlenden Läufe, feinen Triller oder ihre rhythmische Wendigkeit.

Natürlich erklatschte sich das hingerissene Publikum eine Zugabe und weitere Delikatesse: Aus Franz Schuberts Klavierstücken (Impromptus) D 946, Nr. 1 in es-Moll erklang ein ebenso anspruchsvolles wie vielseitiges Stück des Komponisten, in dem die Pianistin nochmals alle Register zog.

Edward Elgars (1857 bis 1934) Symphonie Nr. 1 in As-Dur, op. 55 begann mit einem schlichten, einstimmigen Motiv der ausgezeichneten hohen Bläser, das sich aber sogleich in ein hymnengleiches euphorisches Klangbild der Melodie wandelte. Immer neue Varianten dieses Anfangsmotivs in Besetzungen oder Tempi erschienen und damit eine schier unendlich sich verändernde Ausdruckspalette: sanft und ruhig, erhebend und mächtig, verzagt und überschwänglich bis aufbrausend und voller Energie.

Nicht allein überraschende Gegensätze offenbarte Elgars Werk, sondern mit diesen einen Hörgenuss erster Klasse: ein riesig besetztes Orchester mit bestechender Klangqualität im Einzel- wie Gesamtklang all seiner Instrumentengattungen. Selten, dass einmal ein Instrument nicht eingebunden war.

Die widersprüchlichen Empfindungen des hochsensiblen und vielen Gefühlsschwankungen ausgesetzten Künstlers mögen vielleicht auch Grund für diese Ausdrucksvielfalt seiner Symphonie gewesen sein, die zum Schluss in einem sich steigernden Tutti-totale mit euphorischem Blechbläserjubel äußerst positiv endete.

Der charismatische Dirigent Thomas Dausgaard punktete mit einem phänomenalen Klangbild, zeigte sich sensibel und leidenschaftlich zugleich. Ein Erlebnis, zu beobachten, mit welch biegsamer, ganzkörperlicher Intensität oder minimalistischer Klarheit er diese Vielfalt musikalischen Ausdrucks in enger Verbindung mit seinen Musikern hervorbrachte.

Lautstarke Begeisterung im Riesenapplaus des Publikums brachten diesem sogar zwei Zugaben. Als erste: Jean Sibelius' Andante Festivo für Streichinstrumente und Pauken, wobei der warme, erstklassige Streicherklang nochmals verzauberte und als zweite »Eightsome Reels«, einen schwungvoll mitreißenden, schottischen Tanz des Hochlands, von einigen Musikern auf der Bühne mitgetanzt und vom stehenden Publikum bejubelt und beklatscht. Ein Konzertabend, den kein Zuhörer so bald vergessen wird. Helga Mikosch