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Ein hochaktuelles Stück Menschheitsgeschichte

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Faszinierende Klangbilder schuf die Gruppe »Triebwerk9« beim Gilgamesch-Epos-Abend in der Theater-Strickerei Grabenstätt. Die professionelle Erzählerin Annette Hartmann steuerte wortgewaltig und ausdrucksstark die passenden Texte bei. (Foto: Müller)

Bis heute berührt das zur Weltliteratur gewordene, legendäre Gilgamesch-Epos jeden, der dazu bereit ist, sich mit dem tieferen Sinn des Lebens auseinanderzusetzen.


Die professionelle Erzählerin Annette Hartmann aus Pittenhart hat sich mit der 3000 Jahre vor Christus auf Tontafeln in Keilschrift niedergeschriebenen Geschichte des Gilgamesch mit Akribie und Leidenschaft angenommen und entführte ihre Zuhörer unlängst in der gut besuchten Grabenstätter Theater-Strickerei wortgewaltig und ausdrucksstark in eine alte, ferne, geheimnisvolle und spannende Welt, in der es um Götter, Macht, Kampf und Wandlung geht.

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Gilgamesch, der herrschsüchtige, grausame Machthaber der Stadt Uruk in Mesopotamien, im heutigen Irak, erhält von den Göttern einen gleichstarken Partner namens Enkidu. Mit diesem geht er auf abenteuerliche Touren, um »sich einen Namen zu machen mit ruhmvoller Tat«, denn der Menschen Tage seien gezählt, »was sie auch tun, es ist wie der Wind«, so Hartmann. Es gehe immer wieder darum, den Tod zu überwinden und die Unsterblichkeit zu erlangen. Aktueller könne eine Geschichte nicht sein, denn »suchen die Menschen nicht ständig nach dem ewigen Leben? Sind Macht, Reichtum und Ruhm nicht unsere internationalen Werte mehr denn je?«, fragt die Erzählerin und Theaterpädagogin. Das Epos zeige auch, dass Gier und Machtgebärden zunächst zum Erfolg führen könnten, aber das bittere Ende meist folge.

Nachdem Gilgamesch und Enkidu diverse Kraftproben und Machtbeweise verbrämt als Heldentaten vollbracht haben, geht der übermütige Enkidu zu weit, beleidigt die Liebesgöttin Ischtar und wird von den Göttern zum Tode verurteilt. Der Schmerz und die Trauer um den geliebten Freund und Bruder treibt Gilgamesch in jenseitige Welten, zu Utnapischtim, der das ewige Leben bekam. Gilgamesch überkommt eine tiefe Demut und geläutert beschließt er, seinem Volk zu dienen und auf Macht zu verzichten. Ein Läuterungsprozess, der heutzutage nichts an Aktualität verloren hat.

Dass das in der Region schon mehrmals zum Besten gegebene Gilgamesch-Epos auf so große Resonanz stößt und Jung und Alt in seinen Bann zieht, liegt zum einen an Hartmanns mitreißender Erzählkunst, zum anderen an der einzigartigen Musik in Klangbildern der Gruppe »Triebwerk9« mit Katharina Gruber-Trenker (Gesang), Hannes Herzog (Percussion), Mathias Bogenberger (Kontrabass) und Uli Warkentin (Gitarre). Musik und Geschichte fließen ineinander, bewegen sich, gehen wundersame Verbindungen ein und verstärken sich gegenseitig. Die verzauberten Theater-Strickerei-Besucher waren begeistert.

Einen letzten Gilgamesch-Epos-Abend gibt es am 12. Oktober, um 19 Uhr bei den Literaturtagen Bad Aibling in der Galerie im alten Feuerwehrgerätehaus in Bad Aibling. Markus Müller

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