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Ein großer Wurf der »Pampelmusen«

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Die Theaterstücke der »Pampelmusen« überzeugen nicht nur durch hervorragende Schauspielkunst, sondern auch durch originelle und passende Kostüme. (Foto: Heigl)

Ein großer Wurf ist der Traunsteiner Theatertruppe »Die Pampelmusen« mit ihrem Stück des Literaturklassikers »Große Erwartungen« von Charles Dickens in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS gelungen.


Mit Liebe zum Detail erzählten die Schauspieler unter der famosen Regie und Textvorlage von Barbara Mende die Geschichte vom Waisenjungen Pip, souverän, anrührend und authentisch gespielt von dem jungen Johannes Müller-Loennies. Den Werdegang Pips als junger Bursche und als Erwachsener spielte Max Müller-Loennies überzeugend und mit unaufgesetztem Einfühlungsvermögen in dessen tragische Geschichte.

Pips Tante Mrs. Gargery, die eine böse Zunge hat, und sein Onkel Joe Gargery, ein Schmied mit großem Herzen, ziehen den Waisenjungen gemeinsam groß. Wenn Mrs. Gargery, gespielt von Christiane Jung, herbeistürmte und zeternd ihre immer gleichen Beschwerden über das Haupt Pips und das ihres Mannes ausgoss, war das jedes Mal eine schauspielerische Glanzleistung. Und ob der unfreiwilligen Komik, die diesen Szenen innewohnte, lachte man zwar, hatte aber auch Mitleid mit dem armen Pip, der dieser wahrhaftigen Furie ausgeliefert war.

Die Weichen für Pips Leben werden in dem Moment gestellt, als er am Kirchhof einem entwichenen Sträfling, Abel Magwitch, begegnet, rau und verwegen gespielt von Dr. Christoph Jung, dem er zu essen gibt und ihm sein Mitgefühl ausspricht. Eine geheimnisvolle, verschrobene und alte, aber reiche Lady, Mrs Havisham, lädt Pip regelmäßig zu sich ein, damit er sein Herz an ihre schöne Stieftochter Estelle verlöre. Sie will sich damit stellvertretend an den Männern rächen, da sie an ihrem Hochzeitstag sitzen gelassen wurde. Barbara Mende spielte ihre Figur in ihrer ganzen Tragik, richtig böse und gefährlich. In ihrem Rollstuhl sitzend versprühte sie ihr böses Gift in das Herz Estelles, dass einem sogar im Zuschauerraum schauderte.

Als ein unbekannter Gönner dem heranwachsenden Pip überraschend eine Ausbildung in London zum Gentleman anbietet, nimmt dieser an, auch wenn er seinen Onkel Joe verlassen muss, bei dem er eine Lehre zum Schmied begonnen hat. Herbert Garnreiter spielte den herzensguten, einfachen Mann in seiner Schlichtheit des Verstandes und der Größe seines Herzens mit aller benötigten Feinheit.

Mit großen Erwartungen bricht Pip nach London auf und beginnt gemeinsam mit Charly Pocket, dem Neffen von Sarah Pocket, reizend gespielt von Gini Hafenmayer, einer armen Verwandten und Haushälterin von Miss Havisham, dort ein ausschweifendes Leben und wird von diesem für den Eintritt in die feine Gesellschaft unterrichtet. Auch er wird von dem unbekannten Gönner dafür bezahlt. Aber alles ist ganz anders, als es scheint. Wer ist der unbekannte Gönner? Ist es wirklich die inzwischen verstorbene Miss Havisham, die sich zeitlebens über die gierige Verwandtschaft ärgerte?

So genau weiß man das nicht. Pip sieht Estelle, seine große Liebe, zwar in London wieder, aber diese ist nur gekommen, um sich zu verabschieden. Sie heiratet einen reichen Mann und auch Pip kann ihr kaltes Herz nicht umstimmen. Luisa Jung, die beide Rollen der jungen und erwachsenen Estelle spielte, rührte mit ihrer feinsinnigen Darstellung vom Hochmut und der Einsamkeit des so böse manipulierten Mädchens und Frau das Publikum ebenso wie Lea Engelmaier als Darstellerin des Kindes Estelle.

Und die Moral von der Geschichte? Paul Clarke komponierte und textete für das Stück Moritaten über die Ereignisse mit ihren weitreichenden Folgen und trug sie als Sänger vor. Eine Aura des Geheimnisvollen schwebte über ihm. Märchenhaft schillernd spielte und kommentierte Paul Clarke mit Zylinder das Geschehen. Am Keyboard begleitete er außerdem das große Pampelmusen-Ensemble, das voller Esprit etwa die gierige Verwandtschaft des Geburtstagsfests der reichen Tante spielte und durch die Farbenpracht seiner Kostüme und Masken (Eva Weiß, Christiane Jung) das Auge erfreute. Für das wandelbare, geschickt eingerichtete Bühnenbild war Dr. Christoph Jung verantwortlich.

Mit Bravorufen zeigte das Publikum seine große Begeisterung. Obwohl das Theaterstück etwa zwei Stunden dauerte, konnte man sich gar nicht sattsehen und hören an dieser wieder einmal fantastischen und außerordentlich fantasievollen Inszenierung Barbara Mendes.

Weitere Vorstellungen sind am heutigen Samstag um 19 Uhr und am morgigen Dreikönigstag um 17 Uhr in der Kulturfabrik NUTS. Es gibt noch Karten. Barbara Heigl