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Ein großer Storyteller: Josh Ritters »Fever Breaks«

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Josh Ritter
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Josh Ritter hat mit «Fever Breaks» ein ambitioniertes Album aufgenommen. Foto: David McClister Foto: dpa

Seinen Vorbildern Dylan und Springsteen kommt Josh Ritter mit einem meisterhaften neuen Countryrock-Album so nah wie noch nie. Ein echter Storyteller, diesmal mit einer besonders guten Band im Hintergrund.


Berlin (dpa) - Ist er nun eher Singer-Songwriter oder Schriftsteller, dieser Josh Ritter? Für den Mann aus Moscow im US-Bundesstaat Idaho schließt das Eine das Andere nicht aus. Er ist in beiden künstlerischen Spielfeldern erfolgreich.

Zumal es am Ende ja immer darauf ankommt, wie gut man seine Geschichte(n) erzählt. Und das kann Ritter nun wirklich. Ob im Roman »Bright's Passage« (2011), den Meisterautor Stephen King in der »New York Times Book Review« als »Werk eines begabten Schriftstellers« lobte. Oder auf nunmehr zehn Studioalben, von denen das Ende April erschienene »Fever Breaks« (Pytheas/Thirty Tigers/Alive) vielleicht sein stärkstes ist.

In zehn Countryrock- und Folksongs kommt der 42 Jahre alte Ritter seinen Vorbildern Bob Dylan, Bruce Springsteen, Johnny Cash und Leonard Cohen so nah wie selten zuvor. Man kann nur hoffen, dass diese so ambitionierte wie zugängliche Americana-Platte vor allem auch in den USA gehört wird.

Denn die nachdenklich-melancholische Atmosphäre dieser Lieder und speziell ihre Texte spiegeln die Turbulenzen in Ritters Heimat - er besingt »darker days«, ohne speziell auf Donald Trump und seine Umtriebe Bezug nehmen zu müssen. Dazu ist Ritter wohl ein zu dezenter Schreiber.

»Die Songs reflektieren sehr stark die Zeit, in der sie geschrieben wurden«, sagt er. »In dieser Zeit ist die Welt noch verrückter geworden.« So singt Ritter im Dylan-esken Protestsong »All Some Kind Of Dream«: »I saw my country in the hungry eyes/of a million refugees/between the rocks and the rising tides/as they were tossed across the sea/there was a time when we were them...«. Noch Fragen zur politischen Relevanz dieser Platte?

»Fever Breaks« wurde vom Grammy-dekorierten Top-Gitarristen Jason Isbell produziert und im berühmten RCA Studio A von Nashville/Tennessee aufgenommen. Seine tolle Band The 400 Unit - neben Isbell noch Derry Deborja (Klavier, Orgel, Akkordeon), Chad Gamble (Schlagzeug), Jimbo Hart (Gitarre, Ukulelele, Kontrabass), Sadler Vaden (Gitarren) und Isbells Ehefrau Amanda Shires (Violine, Gesang) - begleitet und unterstützt Ritter vorzüglich.

Zurück zur Ausgangsfrage: Songwriter oder Romanautor? Wenn ein Künstler mit meisterhaften Werken wie »Bright's Passage« und »Fever Breaks« gleichermaßen beeindruckt, sollte er unbedingt weiterhin zweigleisig fahren. Wer Josh Ritter demnächst als Live-Musiker erleben will, kommt am 16. Juli zu seinem vorerst einzigen Deutschland-Konzert in die Berliner Passionskirche.

Website Josh Ritter