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Ein Entertainer von Weltformat

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Tim Fischer präsentierte sich bei seinem Auftritt in Salzburg als wandlungsfähiger Sänger. (Foto: Heel)

»Wer Tim Fischer noch nicht gehört hat, der weiß gar nicht, was mit Chansons möglich ist. Man muss sie hören, diese Stimme, die alles kann: kraftvoll röhren, zärtlich hauchen, derb klagen, leise rufen – und mit Witz und Ernst zugleich die größten Geschichten erzählen«, schrieb Barbara Kisseler, ehemals Kultursenatorin der Stadt Hamburg, über den Berliner Chansonnier und Schauspieler Tim Fischer – eine Einschätzung, wie sie zutreffender nicht sein könnte, wie Tim Fischers Auftritt im Salzburger OVAL, der Bühne im Europark, bewiesen hat.


Dort hat er sein aktuelles Programm »Absolut!« vorgestellt, wie üblich piekfein gekleidet und mit neuer »Frisur«. Perfekt begleitet am Klavier von seinem langjährigen Weggefährten Rainer Bielfeldt, präsentierte Tim Fischer sich dabei als so charismatischer wie wandlungsfähiger Sänger, der sich mit Gusto alle Lieder vollkommen aneignete, selbst ein so persönliches Lied wie Ludwig Hirschs »Komm, großer schwarzer Vogel«.

Ungewöhnlich breit gefächert war auch sein Repertoire: Da standen neben Liedern wie »Nur für Geld«, das Edith Jeske »haarscharf an seiner Biografie entlang geschrieben« habe, auch Lieder von Hildegard Knef (»Ich bin den weiten Weg gegangen«) oder Jacques Brel – gleich mehrfach vertreten mit dem »Lied von der alten Liebe« und »Bitte geh nicht fort« – und zum Finale erklangen noch das schnoddrige »Unterm Säufermond« (Udo Lindenberg/Horst Königstein) und das kecke Lied von der »Rinnsteinprinzessin« (Jeske/Bielfeldt).

Tim Fischer mischte persönliches Erleben, Schmerz und Trauer, aber auch Selbstironie, schwarzen Humor und eine Portion Frivolität zu einer virtuosen Ein-Mann-Show, der das Theatralische nicht fremd war und die einen wagemutigen Künstler offenbarte, der »bei Vollmond schon einmal ein Vampir sein möchte«.

Mut und Lust auf Neues waren schon immer die Markenzeichen von Tim Fischer, der kürzlich auch einen Gastauftritt in der TV-Serie »Babylon Berlin« hatte. 1973 in Delmenhorst geboren und in Oldenburg aufgewachsen, beschäftigte er sich schon als Jugendlicher intensiv mit dem Chanson und trat mit einer Bekannten, die ihn am Klavier begleitete, in einem Oldenburger Bistro auf. Im Alter von 17 Jahren zog er nach Hamburg, wo er zusammen mit dem Pianisten und Komponisten Rainer Bielfeldt sein erstes abendfüllendes Chanson-Programm mit dem Titel »Zarah ohne Kleid« gestaltete. Im Herbst 1992 wagte Fischer den Sprung nach Berlin und brachte bereits Anfang 1993 in der »Berliner Kabarett Anstalt« mit eigener Band sein zweites Bühnenprogramm »Wenn die Liebe ausgeht« zur Aufführung.

Eine wegweisende Begegnung für seine weitere Karriere war die mit dem Wiener Satiriker und Meister des schwarzen Humors, Georg Kreisler. Der war auf Fischer und dessen Interpretationen seiner eigenen Lieder aufmerksam geworden und hatte ihn als Darsteller seines 2002 uraufgeführten Ein-Mann-Musicals »Adam Schaf hat Angst oder das Lied vom Ende« ausgesucht. Als Hommage präsentiert Fischer bis heute parallel zu seinen aktuellen Solo-Programmen auch ein immerwährendes Programm mit den »alten, bösen Liedern« von Kreisler.

Ein klein wenig böse geriet auch sein Lied über »Maulende Rentner (im Ausland)« (Pigor/Eichorn), dem mit Friedrich Holländers »Stroganoff« und Hugo Wieners »Wie man eine Torte macht« noch zwei kulinarische Kabinettstückchen folgten, bevor sich das Konzert dem Ende zuneigte, das auch dank der perfekten Lichtregie ein ganz besonderes Erlebnis war.

Nicht verwunderlich also, dass das begeisterte Publikum eine Zugabe nach der anderen einforderte – und reich belohnt wurde, etwa mit einer ergreifenden Version des Lieds »Sein« von Andreas Bourani. Wolfgang Schweiger