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Ein Bilderbuch als Autobiografie

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Der Bildhauer, Maler und Grafiker Ekkehard Wiegand hat seine Autobiografie herausgegeben. In dem Bildband sind zahlreiche seiner Werke zu sehen. (Foto: Morgenroth)

Ekkehard Wiegand wollte bereits vor über fünf Jahren ein Buch über sein Leben und Wirken als Künstler und seine Kunstwerke publizieren. Im November ist nun seine Autobiografie erschienen – ein großformatiger Bildband, der bedeutende Stationen seines Lebens und seiner Kunst in chronologischer Reihenfolge aufzeigt.


Einmal aufgeschlagen, nimmt das Buch den Leser anhand seiner mehr als 550 abgebildeten Exponate mit auf eine Reise in die Welt künstlerischen Schaffens. Bei der Buchpräsentation im Atelierhaus von Ekkehard Wiegand in Gengham gab der Künstler eine kurze Einführung über die Entstehung des Buches.

Das Leben und Werk in acht Kapiteln

Ekkehard Wiegand nennt sein acht Kapitel umfassendes Werk »Eine Autobiografie, Ein Bilderbuch«. Es beginnt mit Wiegands Kindheit und Jugend (1944 bis 1965), anschließend folgt seine Studienzeit und der Aufbruch zum Kunstschaffen von 1965 bis 1968, dann seine »Wilden Zeiten« von 1968 bis 1974 in Bad Reichenhall und Sillersdorf, danach folgt das Kapitel »Neues Glück im Ekksill« in Sillersdorf von 1974 bis 1982 und anschließend ab 1982 bis 2015 ein Kapitel zum Ort und Lebensmittelpunkt, in dem überwiegend sein Hauptwerk entstanden ist und noch entsteht, in Gengham bei Palling.

Dort verbringt Ekkehard Wiegand den größten Teil seines Lebens als Bildhauer, Maler, Grafiker und auch als Familienvater. Dieser Zeit von 33 Jahren produktiven Kunstschaffen widmet er in seiner Autobiografie vier Untertitel, die er auch zeitlich gliedert. Die Zeiträume von 1982 bis 1990 bezeichnet er als »Sprünge«, von 1990 bis 1997 als »Aufgaben«, von 1997 bis 2002 »Neue (T)Räume« und von 2002 bis 2015 »Vielfalt« und unterteilt diese mit Beispielen anhand verschiedener Themenbereiche.

Was viele von ihm vielleicht nicht kennen, sind die aufgeführten Projekte und Arbeiten für die SKW Trostberg AG in der Zeit von 1991 bis 1999, darunter Farbgestaltungen für Tore und Fassaden, Wandbilder und Fliesenmosaike. Ein eigener Beitrag in diesem Bildband ist den Grafikaufträgen seit 1974 und den eigenen Jahresgaben gewidmet.

Eine besonders gelungene, informative Beschreibung mit Erläuterungen von Wiegand enthält der Abschnitt »Neubau des Atelierhauses von 1999 bis 2003« in Gengham. Erwähnenswert und interessant in diesem Buch sind auch seine fantastisch entworfenen und gebauten »Fahrzeuge und Spielzeuge« manchmal mit futuristischen Anklang.

Die Abbildungen der Werke werden immer wieder aufgelockert und durchsetzt von Briefen, durch eigene Texte und Geschichten, durch einen Beitrag des Bruders Wolfgang und von Dr. Peter Kniep wie auch mit dem Interview des Freundes Matthias Vogt.

Durch die Einbindung von alten Fotos und alten Zeitungsausschnitten wird der Leser auf eine lebendige Zeitreise durch mehr als sieben Jahrzehnte mitgenommen und erhält einen umfassenden Einblick und tiefgreifenden Eindruck in ein Künstlerleben.

Ekkehard Wiegand steht in enger Verbindung zu Weggefährten, die an seinem Werk regen Anteil nehmen, mit denen er zusammen ausstellt oder zusammen arbeitet. So begegnet man am Ende des Buches Künstlerfreunden und Gastausstellern in seinem Atelierhaus. Aufgeführt sind auch Menschen, die er kennen und schätzen gelernt hat.

Ekkehard Wiegand, geht seinen eigenen Weg und überrascht durch Konventionsbrüche. Die technische Finesse und seine Farbgestaltung in seinen Arbeiten zeigt dieses Bilderbuch. Darüber hinaus bildet eine seiner ausdrucksstarken Arbeiten, eine kleine Bronze, das Cover seiner Autobiografie.

Figürliche Bildwelten und Bildhauerarbeiten

Das Buch zeigt einen großen Künstler, wie man ihn noch nie in diesen Zusammenhängen gesehen hat. Ekkehard Wiegand prägt eine umfassende Kenntnis künstlerischer Stilvokabeln, die er in seine figürliche Bildwelten und Bildhauerarbeiten einfließen lässt. Seine Plastiken, Skulpturen, grafischen Blätter und Gemälde zeichnen ihn als stilsicheren Künstler aus, der überwiegend dem Figürlichen gekonnt Ausdruck verleiht, vom Gegenständlichen bis zur äußersten Abstraktion gehend.

Sein Buch, ein außergewöhnliches »visuelles Fest« gibt einen weitreichenden Überblick über seine künstlerische Entwicklung und sein Kunstschaffen von den Anfängen bis zum heutigen Tage. Er ist zweifellos einer der originellsten Künstler des Chiemgaus und über die bayerische Grenze hinaus bekannt.

Damit gibt der nunmehr 71-Jährige in seiner Autobiografie auf fast 300 Seiten nicht nur einen Einblick in seine 50-jährige Arbeit als Bildhauer, Maler und Grafiker, sondern auch in sein Leben. Es ist ein Buch über einen professionellen Bildenden Künstler in heutiger Zeit, über ein umfangreiches Werk von hoher handwerklicher Qualität und erstaunlicher Vielfalt, oft gepaart mit hintergründigem Witz.

Ein Bericht über mühsame Anfänge

Ein Bildteil, der Ekkehard Wiegands frühes Abstrahieren nach seiner klassischen Ausbildung ebenso zeigt wie sein Wandern zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, seine Ausflüge in das Spielerische und seine deutlichen Bezüge zur Klassischen Moderne. Ein Bericht über mühsame Anfänge, Brüche im Leben, Selbstausbeutung, Sturheit und über den unbedingten Willen, sich gültige Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Auch ein Buch über Menschen, die Ekkehard Wiegands Weg begleiteten und ein kleines Denkmal für Freunde und Kollegen. Für ihn gibt es nichts Spannenderes als die bildende Kunst. Er macht das, was er immer machen wollte, »von daher bin ich ein glücklicher Mensch«. Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungen Bildband!

»Ekkehard Wiegand, Bildhauer-Maler-Grafiker, Eine Autobiografie, Ein Bilderbuch« – Exemplare erhältlich beim Künstler, 48,50 €. www.ekkehard-wiegand.de Gabriele Morgenroth