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Ein besonderer Konzertabend

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Der Chiemgau-Chor widmet sich hauptsächlich der Operettenliteratur und bot so ein beeindruckendes Sommerkonzert im Vereinshaus Traunstein. (Foto: Heigl)

Der Chiemgau-Chor hat bei seinem Sommerkonzert im Vereinshaus Traunstein Potpourris aus den Operetten »Die Csárdásfürstin« von Emmerich Kálmán und »Die lustige Witwe« von Franz Lehár präsentiert – es ist eine Besonderheit des über 60 Mitglieder zählenden Chors, dass er sich unter der Leitung des Gesangspädagogen Michael Felsenstein hauptsächlich der Operettenliteratur widmet.


Das Publikum im Vereinshaus war von Beginn an von dem großartigen, mächtigen Volumen, das dem Chor zur Verfügung steht, beeindruckt. Trotzdem blieb der Chor in seinem Klangbild leicht und schwungvoll. Es schien, als sei es ein Kinderspiel, Operetten zu singen.

Dem Gassenhauer »Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht«, folgte das gefühlvolle »Weißt du es noch«. In Operettenseligkeit pur schwelgte das Publikum spätestens bei dem Lied »Tausend kleine Englein singen: Habt euch lieb«. Mit dem Lied »Halleluja, sing ein Lied«, dem Siegertitel beim Eurovision Song Contest 1979, und der wunderschönen Ballade »Raise me up« von Brandon Graham und Rolf Emerson setzte der Chor weitere Glanzpunkte an diesem Abend.

Der sympathisch und bescheiden auftretende Musikpädagoge, Fagottist, Pianist und Dirigent Alejandro Vila begleitet den Chiemgau-Chor und seine Solisten seit etlichen Jahren sehr einfühlsam. Er bereicherte den Konzertabend mit seiner akzentuierten, gefühlvollen und aufmerksamen Begleitung des Chors und der Solo-Sopranistin Christa Huber. Die Sängerin überzeugte das Publikum mit ihrer fein geführten Stimme sowie ihrer hingebungsvollen und innigen Art zu musizieren. Mit der zart, ernst, leidenschaftlich und klug phrasierten Arie der »Michaela« aus der Oper »Carmen« begeisterte sie gemeinsam mit Alejandro Vila die Zuhörer.

Besonders berührte das Publikum ihr in schwedischer Originalsprache gesungenes Lied »Gabrielas Song« aus dem Film »Wie im Himmel«. Dabei ließ sich Christa Huber vom Akkordeon-Orchester-Chiemsee sensibel begleiten, das sich unter der Leitung von Martin Schultheiss von seiner besten Seite zeigte. Das homogen im Musikfluss spielende Akkordeon-Orchester erfreute das Publikum außerdem mit dem romantischen »Concerto D‘amour« , dem melancholischen »Tango Sentimentale« und dem flotten »You raise me up«.

Weitere Höhepunkte an diesem stimmungsvollen Konzertabend, waren die Soloauftritte des Chor-Vorsitzenden Rudi Obermaier und des 2. Vorsitzenden Sepp Jaud. Beide eint eine mächtige und prachtvolle Bassstimme. Es war ein besonderes Hörvergnügen, solchen »tiefschwarzen« Stimmen zu lauschen, wie beim Trinklied »Als Büblein klein an der Mutterbrust« aus der Oper »Die lustigen Weiber von Windsor«, das Rudi Obermaier an diesem Abend zum Besten gab. Ehrfürchtige Stille breitete sich aus, als Sepp Jaud anhob »Old man runs« zu singen, begleitet von Chorleiter und Gesangslehrer Michael Felsenstein am Flügel, der auch Christa Huber seit Langem unterrichtet.

Dass Sepp Jaud länger in einem orthodoxen Chor gesungen hat, wird sofort klar, wenn man ihn hört. »Es gibt keine Grenze nach unten«, betonte Rudi Obermaier bei der Ankündigung seines Kollegen. Beide, Vollbartträger und von stattlicher Statur, ließen die Brustresonanz zur Freude des Publikums ordentlich vibrieren, zeigten sich aber auch flexibel bei Tönen, die mehr Kopfnote verlangten.

Die Zuhörer verlangten nach einer Zugabe, und bekamen das wunderschöne Duett »Shabbat Prayer« aus dem Musical »Anatevka« mit auf den Weg. Die langjährige Chorsolistin Martha Bergert sang gemeinsam mit Sepp Jaud das stille Gebet der Eheleute Tevje und Golde. Mit diesem berührenden musikalischen Eindruck ging ein ganz besonderer Konzertabend zu Ende, der von den beiden Vorsitzenden flott und angenehm moderiert wurde. Barbara Heigl