weather-image
22°
Zum Tode von Gustl Steiner, der im Alter von 76 Jahren verstarb

Ein Berchtesgadener Original sagt servus

Berchtesgaden – Er war einst ein »wilder Hund«, auch wenn ihm das Leben in den letzten Jahren zunehmend aus der Hand zu gleiten schien. Gustl Steiner, ein Berchtesgadener Original, verstarb an Ostern im Alter von 76 Jahren.

Da war er noch sportlich: Gustl Steiner rastet bei einem Bergausflug. (Foto: Wechslinger)

Über ein langweiliges Leben konnte sich der gelernte Restaurantfachmann nicht beklagen. Denn nach seiner Kellnerlehre im Reichenhaller Hotel »Axelmannstein« zog es den jungen Gustl in die weite Welt hinaus. London, Paris, Stockholm, Berlin und das Kreuzfahrtschiff »Hanseatic« waren unter anderem Stationen seines Schaffens als Kellner.

Aufgrund seiner Fremdsprachenkenntnisse stieg der Berchtesgadener bald in leitende Positionen auf. Unter anderem arbeitete er als Zahlkellner in der Spielbank von Bad Kissingen. Die Winter verbrachte der junge Gustl in seiner Berchtesgadener Heimat, wo er oft auf den verschiedenen Skipisten und danach besonders intensiv beim »Après Ski« anzutreffen war. Seine damals vielen Freunde lud der spendable Gustl zu manch prickelndem Getränk ein.

Mit einem Hang zu flotten Sprüchen präsentierte sich der gut aussehende Gustl Steiner der Weiblichkeit gegenüber stets charmant. Das verhalf ihm sogar zu einem Portrait seiner Person in der Zeitschrift »Revue«, die seinerzeit die Playboys der Sportregionen vorstellte. Der schwarzhaarige, durchaus sportliche Gustl wurde hier einem breiten Publikum vorgestellt.

Nach seiner Sturm- und Drangzeit ging Gustl Steiner mit seiner Monika den Bund der Ehe ein. Später kam Tochter Andrea zur Welt, die das Abitur mit der Note »1« gemacht hat und einen gestaltenden Beruf ausübt. Auch Gustl Steiner war für seine kunstvolle Handschrift bekannt, viele Vereine ließen ihre Urkunden von ihm gestalten.

Nachdem Gustl Steiner also sesshaft geworden war, übernahm er mit bester Absicht das Speiselokal »Die Zwiebel« in der Königsseerstraße. Doch in Wirklichkeit war der Berchtesgadener weder Wirt noch Geschäftsmann, sodass sich seine Frau mit der gemeinsamen Tochter ein neues Zuhause gesucht hat.

So schlug sich der Gustl fortan alleine durchs Leben, das lange Zeit von vielfältigen sportlichen Aktivitäten begleitet war. Der Steiner Gustl war ein begeisterter Skifahrer und auch ein Bergfex, der die Natur und die Tierwelt liebte. Im Aschauerweiherbad war er bekannt für seine eleganten Wassersprünge. Weil er für jeden Spaß zu haben war, zeigte er seine Sprünge vom Dreimeter-Brett auch einmal in kompletter Skiausrüstung und ließ davon Hunderte von Ansichtskarten drucken.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich als Kellner in verschiedenen Berchtesgadener Gaststätten. Weil er auch unter den Gästen viele Freunde hatte, bekam der Gustl nach der Wende einen »Trabbi« geschenkt, mit dem er stolz unterwegs war.

Gustl Steiners letzte Arbeitsstelle war das »Gebirgshäusl« in der Engedey, wo er mit Helga Schrank zusammenarbeitete. Die beiden verbrachten auch ihre Freizeit oft miteinander. Nachdem Helga schwer krank geworden war, pflegte der Gustl sie aufopferungsvoll, bis sie in seinen Armen eingeschlafen ist. Von diesem Schicksalsschlag erholte sich der bis dahin stets fröhliche Gustl nicht mehr. Er beendete seine sportlichen Aktivitäten und zog sich immer mehr zurück. In den letzten Jahren war nurmehr der Kurgarten seine Zuflucht, wo er täglich die Tauben und die Fische gefüttert hat. Gustl Steiners Ende kam so, wie er in den letzten Jahren gelebt hat: einsam in seiner Wohnung. Christian Wechslinger