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Ein »Bad« in der Gesangsmenge

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Mit Notenblatt und Glühwein: eine bestens gerüstete Gesangsrunde.
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Eine runde Stunde fröhliche Besinnlichkeit (v.l.): Ernst Schusser, Eva Bruckner und Bartl Mittner. (Fotos: Tessnow)

Berchtesgaden – Alle Jahre wieder – singt Ernst Schusser Lieder. Und wie! Eine runde Stunde gemeinsam Weihnachtslieder anstimmen – das hat sich mittlerweile schon für viele als der musikalische Treffpunkt vor Heiligabend etabliert. So bildete am Montagabend auch wieder größtenteils Stammpublikum die Szenerie. Das Konzept ist einfach: ein offener Gesangskreis, ob jung, ob alt – jeder konnte sich dazugesellen. Geschätzte 150 fröhlich gestimmte Freunde des weihnachtlichen Liedguts fanden sich heuer unter den Arkaden ein. Alle dicht an dicht, was der abendlichen Atmosphäre einen zusätzlich gemeinschaftlichen Reiz verlieh. Es war die bereits achte Ausgabe der Veranstaltung.


Mittendrin stand Ernst Schusser. Markant mit seiner roten Strickmütze und schwarzem Akkordeon, wirkte sein Auftritt wie ein »Bad« in einer Gesangsmenge. Begleitet wurde Schusser hierbei von Eva Bruckner, die ihn dezent an der Gitarre unterstützte. Schusser selbst musste sich schon mit lautstarker Stimme durchsetzen, um seinem weitläufigen Publikum die Titel verständlich anzukündigen. Schusser ist seit Jahren Leiter des Volksmusikarchivs Oberbayern und Volksmusikpfleger der regionalen Musiktradition. Was ihn neben seiner Fachkompetenz auszeichnet, ist eine außergewöhnlich humorvolle Konzert-Regie.

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Bei »Kommet, ihr Hirten ... fürchtet euch nicht!« animierte er zum kollektiven Schafsgeblöke. Mit einem 150-fachen »Määäh!« sollte das die Klänge von Dudelsäcken wirksam simulieren. Stets mit einem Scherz auf den Lippen dirigierte er das Publikum. Es durfte auch mal in die Kniebeugen gehen oder schunkeln. So reichte das gebotene Repertoire aus weihnachtlichen Volksliedern von fröhlich-frisch bis sentimental-besinnlich. Klassiker wie: »Schneeflöckchen«, »O Tannenbaum« oder das nicht ganz so bekannte Klöpfellied »Gott grüaß enk Leitln«.

Die Absicht ist es, wieder das Interesse am Volksliedgut aufzufrischen und die saisonale Liedgutpflege zu bewahren. Schusser schafft das mit einer außerordentlichen Prise aus Humor und Repertoirewahl. Ursprünglich galt die Veranstaltung als Spontanaufruf. Die meisten Melodien sind zwar überwiegend geläufig, aber nicht jeder hat von sämtlichen Liedern auch die kompletten Texte parat. Dafür gab es ja die hauseigene grüne Liederfibel. Diese fand erneut reißenden Absatz. Veranstaltungsunterstützer Bartl Mittner, Berchtesgadens 2. Bürgermeister, hatte noch während des Singens alle Hände voll zu tun, um die Notenhefte zu verteilen. Doch: Es war gar nicht so leicht, sich durch das Gedränge zu schlingern. Die Nachfrage nach der Ein-Euro-Textliteratur war enorm. Insgesamt 85 000 Exemplare konnten bisher abgesetzt werden. Jörg Tessnow