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Ein Adelsgeschlecht und seine Sammelleidenschaft

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Das Gruppenfoto zeigt von links den Vorsitzenden des Freundeskreises, Josef Schönwetter, Schlossbesitzerin Angelika Ziegler (Stein an der Traun), den Geschäftsführer von Kloster Seeon, Gerald Schölzel, Historikerin Hedwig Amann, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Nikolaus Herzog von Leuchtenberg, Kurator Dr. Rainer Tredt und Dr. Helmut Wittmann vom Freundeskreis Leuchtenberg.

Eine kurze, dafür umso prächtigere Blütezeit hatte die Adelsfamilie Leuchtenberg. In dieser Zeit hinterließ sie viele Spuren in Bayern, auch im Chiemgau und in besonderem Maße im malerischen Ort Seeon sowie in Stein an der Traun.


Bis heute gibt es viele Bezüge, Verbindungen und Geschichten, welche die gemeinsamen Wurzeln der Vergangenheit belegen. 1845 erwarb Dona Amalia, Witwe des Kaisers von Brasilien, geborene Prinzessin von Leuchtenberg, die »Burg Stein« und 1852 das ehemalige Benediktinerkloster Seeon. Ist diese prachtvolle Ära des Adels zwar vergangen, so wird ihre Geschichte doch bis heute lebendig gehalten und gepflegt. Zahlreiche Kunstschätze, die aus dieser Zeit über die Jahrhunderte hinweggerettet und erhalten werden konnten, sind kostbare Zeugnisse vergangener Geschehnisse.

Nun haben Geschichts- und Kunstinteressierte bis 26. Mai die Möglichkeit, in der Ausstellung »200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg«, die der Freundeskreis Leuchtenberg initiiert hat, eine Auswahl spannender Exponate im Kloster Seeon zu bewundern. Wie lebendig die Verbindung Leuchtenberg-Seeon immer noch ist, bekamen die vielen Besucher der Vernissage deutlich vor Augen geführt: Den einführenden Worten und Dankesreden von Bezirkstagspräsident Josef Mederer folgte nämlich Musik – und die war im Hause Leuchtenberg, wie man erfuhr, von großer Bedeutung.

Ein Ensemble der Jugendblaskapelle Seeon spielte in Zusammenarbeit mit Dr. Helmut Wittmann (Freundeskreis Leuchtenberg) und Markus Urbauer (Blaskapelle Seeon) Kompositionen aus dem »Seeoner Notenschatz« – eine musikalische Hin- und Einführung aus der Zeit, als Georg von Leuchtenberg in »Schloss Seeon« residierte, wie sie passender nicht hätte sein können. Dass diese musikalischen Überlieferungen an dem Ort, an dem sie einst komponiert wurden, heute wieder gespielt werden, berührte den direkten Nachfahren, Nikolaus Herzog von Leuchtenberg, sehr. Der Herzog war extra für die Ausstellungseröffnung aus Bonn nach Seeon gereist.

Bevor es aus dem Festsaal in die Ausstellung ging, wurden die Gäste noch von einem kurzweiligen, aber doch sehr umfassenden historischen Exkurs der Kunsthistorikerin Hedwig Amann und dem Stadtheimatpfleger von Eichstätt, Dr. Rainer Tredt (auch Kurator der Ausstellung) optimal vorbereitet.

Gleich im Eingangsbereich wird der Besucher von einem kurzen, sehr gelungenen Dokumentationsfilm zum Herzoghaus Leuchtenberg auf die Historie eingestimmt. Im Ausstellungsbereich kann sich dann das Auge kaum sattsehen: Die zusammengetragenen Exponate reichen von exotischen/zoologischen Kuriositäten, Mineralien, interessantem Text- und Notenmaterial, Gemälden, Geschirr, Waffen, ja sogar einem alten Waschtisch und einem Paar Schlittschuhe bis hin zu Kummetprachtgeschirren, welche um 1900 in der Schlossbrauerei Stein zum Einsatz kamen.

Der erste Blick im Ausstellungsbereich fällt unweigerlich auf das großformatige Ölgemälde der schönen Nadine Annenkowa (1839 bis 1891) – eine Leihgabe der Stadt Trostberg. Nadines Ehe wurde, nachdem sie sich in Nikolaus Herzog von Leuchtenberg verliebt hatte, zwar mit Erlaubnis der orthodoxen Kirche geschieden, aber eine weitere Eheschließung mit Nikolaus wurde vom Zaren untersagt. Auf dem Weg in den nächsten Ausstellungsraum geht es vorbei an einem Waschtisch, der im Juli 1914 am Ostbahnhof München aufgegeben wurde, seine Adressatin, Herzogin von Leuchtenberg in Schloss Seeon, aber nie erreichte.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zwang die gesamte herzogliche Familie zur Flucht. Erst im Jahr 1919 kehrte die Familie wieder aus russischem Exil zurück nach Seeon. Dafür steht der große Koffer mit original Transportaufklebern, der von Petersburg auf Umwegen schließlich nach Seeon gelangte: Sein Inhalt war das letzte Hab und Gut der geflüchteten Leuchtenberg-Familie. Besondere Attraktion der Ausstellung sind auch ein Taufkleid und ein Fächer aus Elfenbein – Geschenke der Kaiserin Zita von Österreich an Herzog Nikolaus III. und Elisabeth von Leuchtenberg zur Geburt des Stammhalters Nikolaus von Leuchtenberg IV. (1933).

Engsten Bezug zu Seeon haben auch eine ausgestellte Schützenscheibe, welche um 1920 Georg von Leuchtenberg dem Seeoner Schützenverein geschenkt hat und ein Schützenpokal, den Herzog Nikolaus von Leuchtenberg im Jahr 1911 gestiftet hat und der seitdem jährlich bei der Schützengesellschaft Seeon ausgeschossen wird. Einen Bezug zu Stein stellen auch die ausgestellten Kummetprachtgeschirre mit Herzoglich-Leuchtenbergischem Wappen zur Beschirrung eines Vierspänners (um 1900 Schlossbrauerei Stein) dar. Eine echte Schau sind die hölzernen Schlittschuhe, mit denen die herzogliche Familie um 1920 wohl Winterfreuden auf dem See genossen hat.

Wer sich also auf die Spuren der Leuchtenbergs begeben und diese einzigartige Ausstellung besuchen möchte, der sollte vor allem eines mitbringen: Zeit. Denn die verfliegt bei dem »Spaziergang durch die (Kunst-)Geschichte« und bei dem Einblick in die Sammelleidenschaft der Leuchtenbergs wie im Nu. Bei freiem Eintritt ist die Ausstellung noch bis zum 26. Mai täglich von 10 bis 17 Uhr zu bestaunen. Kirsten Benekam