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Druck in Facebook: Neues Bauprojekt in Berchtesgaden sorgt für Unmut

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Baugrund statt Grün: Das Bild zeigt, wo das Projekt geplant ist (rote Markierung), fotografiert aus Richtung Hanielstraße vor der BK-Tankstelle. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Ein Bauprojekt des umstrittenen österreichischen Investors Martin Harlander am Berchtesgadener Eberweinweg sorgt für Unmut in Teilen der Bevölkerung. Der Gemeinderat Florian Schmidt (CSU) hat vor Kurzem extra die Facebook-Gruppe »Keine neue Rollladen-Siedlung am Eberweinweg« gegründet, um Stimmung gegen das Vorhaben zu machen. Bisher hat das Forum schon 235 Mitglieder.


Wohnungsbau in Berchtesgaden. Ein heftig diskutiertes Thema. Besonders hitzig wird die Debatte immer dann, wenn sich Einheimische bei der Suche nach bezahlbarem Wohnraum, der auch im Talkessel immer knapper wird, von »Draustigen« übervorteilt fühlen.

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Im Fokus der Kritik ist derzeit ein geplantes Projekt am Eberweinweg. Investor Martin Harlander möchte dort in fünf Gebäuden 26 Wohnungen inklusive 55 Stellplätze, die meisten davon in einer Tiefgarage, bauen. Einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen und ein Bauleitverfahren einzuleiten hat der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am 11. Dezember 2017 einstimmig beschlossen. Marktbürgermeister Franz Rasp (CSU) lobte das Vorhaben seinerzeit als »technisch aufwendig, aber sehr harmonisch und landschaftsverträglich«.

Inzwischen schaut man auch in Berchtesgaden genau hin, wenn es um Wohnungsbau geht. Man denke nur an das Gezerre um das »Villa Schön«-Grundstück, die Verschärfung der Zweitwohnungssteuer und die zusätzlichen Hürden, neue Zweitwohnsitze anzumelden. Das Projekt »Eberweinweg« liegt seitdem auf Eis. Im Rathaus herrscht verordnetes Stillschweigen. Marktbaumeister Peter Hasenknopf möchte gar nichts sagen. Geschäftsleiter Anton Kurz verweist lediglich darauf, dass der Gemeinderat entscheiden müsse, ob das Vorhaben weiterverfolgt werde.

Der Chef selbst, Franz Rasp, teilt in Schmidts Facebook-Gruppe mit Blick auf den kommenden Gemeinderatsbeschluss lediglich mit: »Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich das Thema dann eh erledigt hat.« BN-Ortsvorsitzender Paul Grafwallner, ein prominentes Mitglied der Gruppe, sieht in dem Bauprojekt »sehr hohes Potenzial für ein erfolgreiches Bürgerbegehren und einen erfolgreichen Bürgerentscheid«.

Der Berchtesgadener Apotheker und Gemeinderat Florian Schmidt möchte, »die wenigen verfügbaren freien Wiesen in unserer schönen Heimat, wenn sie schon zugebaut werden, für einheimische Familien zur Verfügung stellen, und nicht für Zweitwohnungen oder Altersruhesitze von Zugereisten aus ganz Deutschland«. Gerade im vergangenen Jahr hätte er immer mehr das Gefühl, »dass gewisse Bauträger bei uns Bauerwartungsland in schönen Lagen kaufen und dann der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat diktieren wollen, was diese bitteschön dort in den Bebauungsplan schreiben beziehungsweise zeichnen sollen«.

Hinzu komme eine gewisse Hilflosigkeit als Gemeinderat, der Anträge oftmals abnicken müsse, um keinen Ärger mit Baugenehmigungsbehörde, sprich dem Landratsamt, zu bekommen. Deshalb plädiert Schmidt für eine aktive Mitgestaltung von Bauprojekten durch den Gemeinderat. »Wir müssen uns genau überlegen, was sinnvoll ist. denn wir sind dazu verpflichtet, das umzusetzen, was für die Gemeindebürger sinnvoll ist«, so der CSU-Mann.

In seiner Facebook-Gruppe, die er am 29. April gründete, möchte Schmidt die Berchtesgadener für das Thema »Wohnungsbau« sensibilisieren. Und rennt damit offene Türen ein. Nach drei Tagen hatte er 100 Mitglieder, jetzt sind es 235. Auch Kommunalpolitiker diskutieren dort mit. Den Vorwurf, Schmidt wettere nur gegen das Projekt, weil seine Eltern in unmittelbarer Nähe des Baugrundstücks wohnen, weist er zurück. »Natürlich ist man bei bestimmten Themen interessierter als bei anderen. Aber das Thema Wohnungsbau betrifft ja irgendwo alle Berchtesgadener.« Christian Fischer

 

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