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Drei Talkessel-Gemeinden übernehmen Rufbus

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Der Rufbus wird ab sofort von den Gemeinden Ramsau, Bischofswiesen und Berchtesgaden verwaltet. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Einstimmig hat man beschlossen, die »Planung, Organisation und Sicherstellung« für den Rufbus Berchtesgaden an die drei Gemeinden Berchtesgaden, Bischofswiesen und Ramsau zu übertragen.


Das entschied der Kreistag in Bad Reichenhall seiner jüngsten Sitzung. Damit gibt der Landkreis die Zuständigkeit ab 1. Oktober ab, bietet aber weiterhin eine »verkehrsplanerische Unterstützung« an.

Der Rufbus, der in drei Talkessel-Gemeinden 65 Haltestellen anfährt, wird in wenigen Monaten nicht mehr vom Landkreis, sondern den zuständigen Gemeinden finanziert werden. Bislang wird er noch subventioniert. Eine kürzliche Hochrechnung hatte ergeben, dass jeder bisherige Fahrgast mit 24 Euro zu Buche geschlagen hatte. Trotzdem wird an einer Fortführung des Angebots, das viele Befürworter hat, festgehalten. So sagte Kreisrat Dr. Bartl Wimmer (Grüne), dass sich »die Mobilität in Zukunft dramatisch verändern wird.«

Schon jetzt machten immer weniger Jugendliche den Führerschein, vor allem in Ballungsräumen werde dem eigenen Pkw kaum mehr Bedeutung beigemessen. Angebote, wie etwa das des Rufbusses, gewinnen an Beliebtheit. Trotzdem, so Wimmer, müsse man deutlich mehr unternehmen, um das Angebot zum einen rentabler zu machen, zum anderen mehr potenzielle Fahrgäste anzusprechen. Vor allem im inneren Landkreis sei eine »Vermarktung des Produkts« sinnvoll. Außerdem äußerte er die Hoffnung, dass auch die bislang nicht involvierten Gemeinden Schönau am Königssee sowie Marktschellenberg mitmachten. Kreisrat Rudolf Zeif (Freie Wähler) war der Ansicht, dass »mehr Attraktivität notwendig ist.«

Als Anreiz für die Einrichtung des Rufbusses diente das 2012 geschaffene ÖPNV-Sonderförderprogramm zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum. Der Landkreis hat in der Vergangenheit als zuständiger ÖPNV-Aufgabenträger mit dem Verkehrsunternehmen RVO zwei Verkehrsleistungsverträge abgeschlossen. Ende September endet die Zusammenarbeit, dann übernehmen die Gemeinden. Der Rufbus Berchtesgaden wurde vergangenes Jahr zu 70 Prozent aus dem Sonderförderprogramm zur Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum gefördert. 20 Prozent gingen auf das Konto des Landkreises, weitere zehn Prozent wurden über die Fahrgebühren erhoben. Dass die hohen Fördersätze Bestand haben, ist auf Dauer aber nicht gesichert. Seitens der Regierung, so Verkehrsmanager Johann Wick, sei darauf hingewiesen worden, dass »nur dann die vollen Fördersätze gewährt werden können, wenn das Staatsministerium ausreichend Fördermittel zuweist.«

Kreisrat Bernhard Heitauer aus Bischofswiesen sagte, dass man seit drei Jahrzehnten den öffentlichen Personennahverkehr verbessern wolle. Da man mit der Bahn auf zwölf Schienenkilometern lediglich eine Haltestelle habe, sei es umso wichtiger, dass das Rufbus-System Bestand habe. Für die Zukunft erkenne er »große Möglichkeiten«, wie sich das Rufbusnetz erweitern ließe.

Trotzdem: Ohne Förderung würde das Rufbus-System nicht finanziert werden können. Im Zeitraum Mai 2016 bis Mai 2017 wurden monatlich im Durchschnitt 350 Fahrgäste befördert. Die Investitionen für den Rufbus sind enorm: Bislang hat er 110 000 Euro gekostet – abzüglich der Fahrgeldeinnahmen. 4 580 Fahrgäste nutzten ihn seit Einführung. Edwin Hertlein (Grüne) bekräftigte, dass es wichtig sei, den gesamten Landkreis einzubeziehen. Auch anderswo könne der Rufbus gute Dienste erweisen. Kreisrat Hans Metzenleitner (SPD) ergänzte, dass der Rufbus auf hohe Resonanz stoße, die Kosten aber zu hoch seien.

Landrat Georg Grabner stimmte dem weitverbreiteten Wunsch nach einer besseren Bewerbung zu. Er sagte, dass man »in Verbindung mit unserem angekündigten Verkehrskonzept« eine andere, bessere Öffentlichkeitsarbeit anstreben wolle. Kilian Pfeiffer