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Drei Tage und sieben Stunden im Sattel

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Rainer Popp zeigte beim »Race aroumd Austria« mit Platz vier in der Klasse über 1 500 Kilometer wieder einmal seine Kämpfernatur. Foto: privat

St. Georgen/Attersee – Europas schwerstes Ultra Radrennen, das »Race around Austria«, machte in diesem Jahr seinem Namen alle Ehre. Über 30 Rennradfahrer wurden über 2 200 und 1 500 Kilometer Fahrstrecke mit 30 000 Höhenmetern nach dem Start in St. Georgen am Attersee regelmäßig von sintflutartigen Regengüssen eingeweicht. Gut die Hälfte des Feldes schied aufgrund der schweren Strecke und wegen der Wetterunbilden vorzeitig aus. Relativ unbeeindruckt davon radelte der Berchtesgadener Rainer Popp jedoch an die vierte Stelle.


Weil am Etappenort Großglockner zu viel Schnee lag, leitete die Rundfahrtorganisation das Feld über den Felbertauern um. Für den zweifachen Glocknerkönig Popp bedeutete dies eine unglückliche Entscheidung, weil die Aufholjagd des Kletterspezialisten damit vor den letzten 500 Kilometern auf einen Schlag gestoppt war.

Als ältester Einzelkämpfer rollte Popp nach dem Start bei wolkenbruchartigem Regen zunächst recht unmotiviert hinauf nach Schärding und weiter ins bergige Mühlviertel. Als Bergspezialist änderte sich Popps Laune nach den zahlreichen Anstiegen schlagartig und der mehrfache Weltmeister überholte einen Konkurrenten nach dem anderen.

Am höchsten Punkt in Guglwald an der tschechischen Grenze lag der Mitfavorit bereits auf Platz zwei. Doch als einer der wenigen Fahrer hatte Popp auch dieses Jahr nur ein Auto zur Verfügung. In Freistadt legte das Betreuerteam Peter Eggerl, Peter Derr und Sebastian Lochner eine gut dreistündige Ruhepause ein. Es wäre unverantwortlich gewesen, 30 Stunden am Steuer zu sitzen. Durch diese Zwangspause fiel Popp jedoch weit zurück. Über Litschau und Laa an der Thaya ging es weiter zum Neusiedler See, wo es wenigstens trocken war. Während sein Team nachtankte, fuhr Popp alleine weiter und verfuhr sich prompt. Insgesamt 40 Minuten verlor der Sportler durch diesen Lapsus.

Dennoch kämpfte sich das Urgestein der Ultra-Radszene wieder auf Platz sechs vor. Unermüdlich angetrieben von seinen Betreuern, hatte der Senioren-Weltmeister die Hoffnung, dass er in der steilen und bergigen Steiermark wieder Plätze gutmachen konnte. Auf der Soboth kam Popp in ein vehementes Unwetter. Sturzbäche, Windböen und dichter Nebel begleiteten die Rennradfahrer auf der 18 Prozent steilen Abfahrt nach Lavamünd. Über Abtei ging es Richtung Villach. Hier verließen Eggerl und Derr das Team und wurden durch neue frische Kräfte ersetzt, Lochner blieb dabei.

Die Abstände betrugen zwischen den einzelnen Fahrern mittlerweile Stunden. Doch Popp verkürzte durch seine Kletterfähigkeiten den Abstand. Mit seinem unbändigen Willen schaffte er es in der Auffahrt zum Dientener Sattel, zwei weitere Fahrer zu überholen.

Wie schon in den letzten Jahren spulte Popp das Pensum nun wie ein Uhrwerk herunter und rollte als Vierter, von Motorrädern eskortiert, ins Ziel. Sogar Popps Familie war angereist, um ihren »Radheroe« zu feiern. Nach drei Tagen und sieben Stunden war das Martyrium sodann beendet. Alle Sieger und Platzierten waren sich einig, dass das »Race around Austria« die weltweit beste Ultra-Radsportveranstaltung ist. Organisation, Strecke und Zuschauerzuspruch sind hier einzigartig. Im September steht für Rainer Popp noch die Titelverteidigung des Zwölf-Stunden Rennens in Graz an. Christian Wechslinger