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Drei junge Virtuosinnen zeigen eindrucksvoll die Bandbreite ihrer Instrumente

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Große Musik an großen Zithern: Maria Vieider (von links), Karmen Zidar Kos und Claudia Höpfl boten ein abwechslungsreiches Musikprogramm auf höchstem Niveau. (Foto: Eder)

Nur mit vier Zithern einen ganzen Abend musikalisch gestalten – das ist nicht alltäglich. Umso erstaunlicher war die Vielfalt dessen, was die Besucher im Rahmen der Waginger Musiktage in der gut gefüllten Mühlberger Wallfahrtskirche genießen durften: ein Musikprogramm vom Frühbarock bis in die Neuzeit, mit klassischen Werken ebenso wie modernen Stücken, auch mit einem Ausflug in die Volksmusik und als kleinen, vom Publikum wohl geschätzten Gag am Schluss mit dem Radetzky-Marsch.


Es waren drei junge Damen, alle mit der Zither von frühester Jugend an vertraut, die den Besuchern auf dem Mühlberg diesen schönen Sonntagsausklang – im wahrsten Sinn des Wortes – bescherten: Claudia Höpfl, eine geborene Münchnerin, Maria Vieider aus Südtirol und Karmen Zidar Kos, die aus Slowenien stammt. Sie haben sich in verschiedenen Studien zu Meisterinnen – nicht nur – an diesem Instrument ausgebildet und so kam das Publikum in den Genuss teilweise technisch ausgesprochen schwieriger Stücke.

Das Programm entführte die Zuhörer zunächst in die Zeit der Alten Musik, zum Beispiel mit der »Partie für Zither« von Graf Anton Logi (1643–1721), beinhaltete einen Bolero von Adam Darr (1811-1884) und erstreckte sich dann bis in die jüngere Vergangenheit, etwa mit dem ausgesprochen dissonant klingenden Gnomentanz von Richard Grünwald (1877–1963).

Eigentlich ist die Zither zwei Instrumente: eine Gitarre und eine flach liegende Harfe – das stellt hohe Ansprüche an die Finger. Die linke Hand drückt die jeweilige Saite, um die Noten zu erzeugen, während der metallbewehrte rechte Daumen die Saite schlägt. Und gleichzeitig haben die anderen vier Finger die Aufgabe, die Saiten der »Harfe« zu schlagen – ohne sich allzu weit vom Daumen zu entfernen, der weiterhin für die »Gitarre« zuständig ist. Dabei erstrecken sich die Saiten der »Harfe« über eine Ausdehnung, die fast doppelt so breit ist wie die Finger lang. Im Extremfall – auch das sah man beim Konzert – muss dann die linke Hand ganz flugs eingreifen, um einen besonders entlegenen Ton zu »erwischen«.

Das alles aber war für die drei Expertinnen an diesem Doppel-Instrument zwar eine echte Herausforderung, die sie aber aufgrund ihrer großen Erfahrung tadelfrei meisterten. Wobei der Gnomentanz, für den Karmen Zidar Kos mitunter zu den allertiefsten Tönen greifen musste und dessen Harmonien teilweise schon fast dem Ohr wehtaten, der Virtuosin sicherlich manches abverlangte.

Das Stück »Innerstes Du«, gespielt von Maria Vieider, verlangte ebenfalls eine sehr flexible Fingerführung, etwa um die merkwürdig dumpfen Töne zu erzeugen. Vier Zithern waren im Einsatz, mit größerem Klangkörper als die üblichen und mit leichter zu schlagenden Saiten, aber in ganz »normaler« Stimmung – als Diskant-, Alt- und schließlich auch noch als Bass-Zither.

Für das Walzer-Intermezzo »Chanteclair« des Komponisten Anton Stelzl (1878-1962) gab es geradezu donnernden Applaus. Beim Bolero wurde eifrig mitgewippt, erst recht beim Harfen-Boarischen von Klaus Karl. Eine Fantasie von Josef Haustein (1849-1926) erfreute sich der gesteigerten Gunst des Publikums – das natürlich endgültig in Begeisterungsstürme ausbrach, als, von allen Dreien gemeinsam gespielt, der Radetzky-Marsch erklang. Hans Eder