weather-image

dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Spanien bekommt rasch Notkredite und einen Zeitpuffer

Brüssel (dpa) - Das krisengeschüttelte Spanien erhält schon bald die ersten milliardenschweren Notkredite und bekommt einen Zeitpuffer für seine Sparziele. Die EU erlaubt der Regierung in Madrid in diesem Jahr eine deutlich höhere Neuverschuldung von 6,3 statt 5,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Spanien bekommt zudem ein Jahr mehr Zeit, um sein Defizit unter die erlaubten drei Prozent zu drücken und muss dieses Ziel erst 2014 erreichen. Diese Zugeständnisse vereinbarten die Euro-Finanzminister bei ihrem Treffen in Brüssel in der Nacht zum Dienstag, der Beschluss der 27 EU-Kassenhüter war nur noch Formsache. Die Details des bis zu 100 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramms wie Summe, Auflagen und Zinsraten sind noch offen. Dies wollen die Euro-Finanzminister bei einem Sondertreffen am 20. Juli festmachen.

Anzeige

Juncker bleibt zunächst an der Spitze der Eurogruppe

Brüssel (dpa) - Der Luxemburger Premier Jean-Claude Juncker (57) bleibt mindestens bis Jahresende Vorsitzender der Eurogruppe. Darauf verständigten sich die Euro-Finanzminister am Dienstag in Brüssel und beendeten damit ein monatelanges Tauziehen. Juncker wird damit etwa sechs Monate länger auf dem Prestigeposten verbleiben als ursprünglich vorgesehen. Sein bisheriges Mandat läuft am 17. Juli ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der lange als Nachfolgefavorit galt, ging damit leer aus. Juncker bekam offiziell ein neues Mandat für zweieinhalb Jahre, das er jedoch vorher beenden will - entweder Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres, wie er sagte. Wie es im neuen Jahr an der Eurogruppenspitze weitergehen soll, blieb offen.

Cinemaxx-Großaktionär macht Kasse - Britischer Betreiber steigt ein

Hamburg (dpa) - Der britische Kinobetreiber Vue übernimmt die deutsche Kette Cinemaxx. Den Aktionären der Hamburger Kinokette liegt seit Dienstag ein Übernahmeangebot im Wert von 174 Millionen Euro vor. Je Aktie werden 6,45 Euro geboten. An der Börse stieg der Kurs des Papiers zeitweise kräftig um mehr als 40 Prozent auf über 6,30 Euro. Großaktionär Herbert Kloiber hat bereits zugegriffen und verkauft seinen knapp 85-prozentigen Anteil. Der Übernahme müssen die Kartellbehörden noch zustimmen. Cinemaxx begrüßt den neuen Eigner grundsätzlich. «Wir sind sehr zuversichtlich, mit Vue eine gute Perspektive zu haben», sagte ein Unternehmenssprecher. Cinemaxx betreibt in Deutschland 31 und in Dänemark 3 Kinocenter mit rund 75 000 Plätzen. 2011 kamen 16,3 Millionen Besucher in die mehr als 290 Kinosäle.

Wirtschaft wehrt sich gemeinsam gegen Metalldiebe

Berlin (dpa) - Im Kampf gegen den zunehmenden Metalldiebstahl will die Wirtschaft jetzt an einem Strang ziehen. Die großen Infrastrukturbetreiber Bahn, Telekom und RWE wollen sich künftig gegenseitig informieren und Maßnahmen auch zusammen mit der Polizei abstimmen. Außerdem soll ein elektronisches Frühwarnsystem entwickelt werden. «Unser Ziel ist es, den Rohstoffdiebstahl vom Ort des Geschehens bis in die Absatzkette hinein einzudämmen», erklärte Gerd Neubeck, Leiter der Konzernsicherheit der Deutschen Bahn, am Montag. Im Frühsommer 2013 sei zudem ein Buntmetallgipfel geplant. Auch der Verkauf der gestohlenen Rohstoffe soll erschwert werden. Dazu sollen die Metallhändler mit einbezogen werden.

OECD: Wachsende Ungleichheit bei Einkommen in Deutschland

Paris (dpa) - Die äußerst positive Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts wird von wachsender Ungleichheit bei den Einkommen überschattet. Wegen der erheblich zurückgegangenen Tarifbindungen seien die Lohnunterschiede gestiegen, heißt es in der jüngsten Arbeitsmarktanalyse der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Auch Mini-Job-Verträge und die nachlassende Organisation von Arbeitgebern in Verbänden begünstigten diese Entwicklung. Gleichzeitig lobten die OECD-Experten die deutschen Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. In kaum einem Industrieland sank sie demnach in den vergangenen fünf Jahren so sehr wie in der Bundesrepublik. Für den Euro-Raum insgesamt bleiben die Aussichten hingegen weiter äußert düster.

VW: Zweistelliges Absatzplus im ersten Halbjahr

Wolfsburg (dpa) - Volkswagen hat im ersten Halbjahr deutlich mehr Autos verkauft und ein zweistelliges Plus beim Absatz seiner Kernmarke hingelegt. Von Januar bis Juni lieferten die Wolfsburger 2,79 Millionen Pkw mit dem VW-Emblem aus. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, waren das 10,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bis Ende Mai hatte der Zuwachs mit 9,4 Prozent noch etwas niedriger gelegen, im Juni allein betrug er 13,7 Prozent. Vor allem in Asien, Nordamerika und Osteuropa konnte Volkswagen die Verkaufszahlen erneut kräftig steigern. Vertriebsvorstand Christian Klingler sprach von einer insgesamt positiven Entwicklung. Mit Blick auf die Schuldenkrise und Absatzprobleme in Süd- und Westeuropa sei die Lage nach wie vor schwierig: «Die erheblichen Unsicherheiten bleiben aber bestehen und begleiten uns ins zweite Halbjahr.»

Druckindustrie setzt wieder mehr um

Frankfurt/Main (dpa) - Erstmals seit zwei Jahren hat die deutsche Druckindustrie wieder ein Umsatzplus erzielt. Die rund 9700 Unternehmen erlösten 2011 rund 20,3 Milliarden Euro, das war ein leichter Zuwachs von 0,7 Prozent, wie der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Die deutsche Industrie insgesamt legte allerdings mit 10,9 Prozent deutlich stärker zu. Die Branche hinke weiter hinterher, erklärte bvdm-Präsident Rolf Schwarz. Der Arbeitsplatzabbau in der Druckindustrie, die unter dem Boom der elektronischen Medien leidet, ging auch 2011 weiter. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 2,7 Prozent auf 154 524 Beschäftigte.

China will Wachstum wieder Vorrang einräumen - Importe verlangsamt

Peking (dpa) - Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao hat mögliche neue Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur in Aussicht gestellt. Nach einem unerwartet starken Rückgang des Importwachstums sagte der Regierungschef am Dienstag, die Stabilisierung des Wachstums sei jetzt die «dringendste Aufgabe». Er nannte laut Nachrichtenagentur Xinhua eine Stärkung der heimischen Nachfrage, eine Diversifizierung der Exporte und eine Förderung der Investitionen. «Als Entwicklungsland muss China ein bestimmtes Niveau an wirtschaftlichem Wachstum aufrechterhalten, um eine Grundlage für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu haben», sagte Wen Jiabao. Zuvor hatte der Zoll berichtet, dass sich die chinesischen Importe im Juni deutlich stärker als erwartet verlangsamt hatten.

Weiter Öl und Gas aus Norwegen: Oslo verbietet Arbeitskampf

Oslo/Singapur/Frankfurt (dpa) - Norwegens Regierung hat mit einem Streik- und Aussperrungsverbot in letzter Minute den Stopp der Öl- und Gasförderung aus der Nordsee verhindert. Wenige Stunden nach der Entscheidung von Arbeitsministerin Hanne Bjurstrøm für eine Zwangsschlichtung fielen die Ölpreise der Nordseesorte Brent am Dienstagmorgen auf 98,62 US-Dollar. Das waren 1,70 Dollar weniger als am Montag. Bedroht waren durch eine für Mitternacht angekündigte Aussperrung von 6500 Beschäftigten auf 70 Plattformen auch die norwegischen Gaslieferungen nach Deutschland und in andere europäische Länder. Die Skandinavier decken 27 Prozent des deutschen und 20 Prozent des europäischen Bedarfs. Norwegen gehört außerdem zu den zehn führenden Öl-Exporteuren der Welt.

Transparency: Konzerne zu verschwiegen bei Auslandsgeschäften

Berlin (dpa) - Weltweit agierende Konzerne hüllen sich aus Sicht der Antikorruptions-Organisation Transparency zu sehr in Schweigen über ihre Geschäfte in den jeweiligen Auslandsmärkten - besonders die Finanzbranche. «Unternehmen sollten länderspezifische Zahlen wie Umsatz, Vorsteuerergebnis und Steuern veröffentlichen», forderte die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, am Dienstag in Berlin. Nur so sei zu erkennen, inwiefern etwa in Schwellenländern Zahlungen an Regierungen flössen oder Geld verschwinde. Der Finanzsektor sei bei der Berichterstattung über Aktivitäten in einzelnen Ländern besonders intransparent, kritisierte Transparency nach einer Studie über 105 börsennotierte Konzerne. Dafür wurden frei zugängliche Angaben ausgewertet, wie Unternehmen über Transparenz und eigene Anti-Korruptionsmaßnahmen informieren. Die 24 Finanzinstitute darunter hätten ein unterdurchschnittliches Niveau gehabt.

Air Berlin streicht weitere Strecken - Hamburg verliert 4000 Flüge

Berlin (dpa) - Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin streicht weitere Strecken an deutschen Flughäfen. Besonders betroffen ist der fünftgrößte Airport in Hamburg, wo mit dem Winterflugplan nahezu jeder sechste Flug wegfällt. Auch in Stuttgart, Köln und Berlin kappt die angeschlagene Airline einzelne Verbindungen. «Wir stellen uns effizienter auf und optimieren fortlaufend unser Angebot», teilte Vertriebschef Paul Gregorowitsch am Dienstag in Berlin. Er machte besonders die Luftverkehrssteuer für die Einschnitte verantwortlich. «Diese außerordentliche Belastung trifft nicht mehr nur die Regionalflughäfen, sondern mittlerweile auch größere Standorte.»

Fußball lässt die Kasse klingeln

München (dpa) - Die Fußball-Europameisterschaft hat den Sporthändlern viel Geld in die Kassen gebracht - aber von den Olympischen Spielen erwarten sie wenig. Fußball sei populär, «ein sehr gut planbares Geschäft und der einzige Sport, wo wir am andern Tag die Umsätze spüren», sagte der Chef des Sporthändlerverbundes Intersport, Franz Julen, am Montagabend im Münchner Club Wirtschaftspresse. «Wir werden dieses Jahr erstmals die Marke von 900 Millionen Euro Fußball-Umsatz knacken», sagte Julen. Fußball mache gewöhnlich rund zehn Prozent des Umsatzes der 5300 angeschlossenen Läden in 40 Ländern aus. Aber während einer EM oder WM steige der Umsatz in fast jedem Land um fünf bis 15 Prozent. Der Gesamtumsatz der Intersport-Gruppe werde dieses Jahr um drei bis fünf Prozent auf über zehn Milliarden Euro zulegen, sagte Julen.

Zurückgetretener Barclays-Boss erhält goldenen Handschlag

London (dpa) - Der wegen einer Affäre um manipulierte Zinssätze zurückgetretene Vorstandschef der britischen Barclays, Bob Diamond, erhält einen goldenen Handschlag. Diamond werde zwei Millionen Pfund (knapp 2,5 Mio Euro) an Abfindung erhalten, kündigte der kommissarische Vorstandschef und Verwaltungsratsvorsitzende Marcus Agius am Dienstag in London an. Dafür verzichte Diamond auf langfristig garantierte Bonusleistungen in Höhe von rund insgesamt rund 20 Millionen Pfund. Auf seinen Bonus für das Jahr 2012 hatte Diamond im Zuge der Affäre ohnehin verzichtet. Händler von Barclays hatten in den Jahren 2005 bis 2009 den Libor-Satz mit zu niedrigen Zinsmeldungen manipuliert.

Brillenhersteller Rodenstock macht weiter Verlust

München (dpa) - Deutschlands größter Brillenhersteller Rodenstock steckt nach seiner Existenzkrise vor zwei Jahren immer noch in den roten Zahlen. Im vergangenen Jahr drückten die Zinsen für die hohe Schuldenlast von 340 Millionen Euro auf das Ergebnis, wie Rodenstock-Chef Oliver Kastalio am Dienstag in München berichtete. Wie hoch der Verlust unter dem Strich ausfiel, ließ er auch auf Nachfragen offen. Die akute Krise habe Rodenstock aber überwunden. «Momentan haben wir keine Insolvenzgefahr», betonte Kastalio. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbuchte Rodenstock 2011 einen Gewinn von rund 55 Millionen Euro und damit in etwa so viel wie 2010. Beim Umsatz kommt das Unternehmen inzwischen voran: Nach einem leichten Plus von 1,5 Prozent im Jahr 2011 steigerte Rodenstock die Erlöse im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um sieben Prozent auf 196,3 Millionen Euro.

500 000 Arbeitsplätze wegen Handels mit Osteuropa und China

Nürnberg (dpa) - Wegen des verstärkten Handels mit Osteuropa und China sind in Deutschland seit 1988 rund 500 000 Arbeitsplätze entstanden. Osteuropäische Länder fielen dabei deutlich stärker ins Gewicht, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer am Dienstag veröffentlichten Studie herausfand. Danach profitieren allerdings nicht alle Bereiche von dem verstärkten Handel.