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dpa-Nachrichtenüberblick Wirtschaft

Aufschub für Athen rückt näher - Nackenschlag für Madrid


Tokio/Madrid (dpa) - Griechenland soll mehr Zeit zum Sparen bekommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) brachte zugunsten Athens zwei Jahre ins Gespräch - genau die Gnadenfrist, um die Ministerpräsident Antonis Samaras wochenlang in den wichtigsten Hauptstädten Europas gebeten hatte. Aufschub bei der Sanierung der Staatsfinanzen war zuvor schon Spanien und Portugal gewährt worden. «Es wären zwei weitere Jahre notwendig, damit das Land tatsächlich die Haushaltskonsolidierung bewältigen kann, die angedacht ist», sagte IWF-Direktorin Christine Lagarde am Donnerstag vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Tokio. Deutschland reagierte reserviert auf Lagardes Vorstoß. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in Berlin, sie wolle das nicht kommentieren. «Ich warte jetzt auf den Troika-Bericht, und dann werden wir unsere Meinung bilden.»

S&P senkt Kreditwürdigkeit Spaniens - Eine Stufe über Ramsch-Niveau

London (dpa) - Rückschlag für Spanien: Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit des Euro-Schwergewichts gleich um zwei Stufen von «BBB+» auf «BBB-» gesenkt. Damit befindet sich die Bonitätsnote der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone nur noch eine Stufe über dem sogenannten Ramschniveau. Auch der Ausblick bleibe negativ, teilte S&P am Mittwochabend mit. Es droht also eine weitere Herabstufung. Eine schlechtere Bonitätsnote kann die Aufnahme von frischem Geld erschweren und verteuern.

Institute halbieren Wachstumsprognose 2013 - Euro-Krise bremst

Berlin (dpa) - Die Dauerkrise um den Euro und die schwächelnde Weltkonjunktur bremsen die Wirtschaftslokomotive Deutschland aus Sicht der führenden Forschungsinstitute empfindlich ab. Die Ökonomen erwarten für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Damit halbierten sie ihre Prognose aus dem Frühjahr. Bei der Vorlage des Herbstgutachtens für die Bundesregierung warnten die Institute am Donnerstag vor wachsender Inflationsgefahr durch die stärkere Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Krisenmanagement. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will die Binnennachfrage stärker ankurbeln.

EADS stellt Rüstung auf den Prüfstand - Rückendeckung für Enders

München (dpa) - EADS stellt nach dem Scheitern der Fusion mit dem Rüstungskonzern BAE Systems das eigene Wehrgeschäft auf den Prüfstand. Ohne den britischen Partner muss sich die Sparte mit dem Namen Cassidian neu sortieren. Dabei setzt der europäische Luft- und Raumfahrtriese weiter auf Konzernchef Tom Enders. Der Verwaltungsrat stärkte dem deutschen Manager am Donnerstag demonstrativ den Rücken und betonte, dass EADS auch künftig von Enders geführt werden solle.

Lufthansa lässt Germanwings in Europa fliegen

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa will künftig einen Großteil ihrer Europastrecken unter ihrer bisherigen Billigmarke Germanwings fliegen. Abseits der Drehkreuze Frankfurt und München werde das Angebot von Direktverbindungen ab 2013 in einer aufgewerteten Germanwings unter dem Motto «günstig, aber nicht billig» zusammengeführt, kündigte Vorstandschef Christoph Franz am Donnerstag in Frankfurt an. Mit dann knapp 90 Flugzeugen soll die bereits bestehende Lufthansa-Tochter auf den Direktflügen rund 18 Millionen Passagiere pro Jahr befördern. Damit will Lufthansa ab dem kommenden Jahr gegen Billig-Airlines wie Easyjet (2011: 55 Mio Passagiere) und Ryanair (76 Mio) punkten. Derzeit hat Germanwings 32 Jets und hat im Jahr 2010 rund 7,7 Millionen Passagiere befördert.

Oettinger beruhigt VW: Neue CO2-Grenzwerte nach 2020 nicht zwingend

Wolfsburg/Brüssel (dpa) - Ein Brief an VW-Chef Martin Winterkorn lässt EU-Energiekommissar Günther Oettinger als Fürsprecher der Autoindustrie im Kampf gegen strikte CO2-Auflagen erscheinen. Laut dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sei es ein Erfolg, dass Brüssel im Juli keine verbindlichen CO2-Grenzwerte für die Zeit nach 2020 festgelegt habe. Volkswagen bestätigte zwar die Existenz des Briefs, wollte dessen Inhalt allerdings nicht kommentieren. Oettingers Sprecherin bezeichnete das Schreiben am Donnerstag als «normale Praxis» und lobte den umstrittenen Gesetzesentwurf als «fair und ökologisch ambitioniert». «Wir haben wirklich alle Seiten des Arguments gehört», versicherte Oettingers Sprecherin - auch Umweltorganisationen.

EZB verteidigt Anleihenkaufprogramm: Spannungen abgemildert

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht ihr umstrittenes Anleihenkaufprogramm auf stabilem rechtlichen Fundament. Bei der Festlegung der Bedingungen sei insbesondere darauf geachtet worden, das «Verbot der monetären Finanzierung einzuhalten», versicherten die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Oktober. Die EZB ist bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien zu kaufen - wenn sich die Staaten der politischen Kontrolle durch die Rettungsfonds EFSF/ESM unterwerfen. Kritiker werfen der EZB Staatsfinanzierung durch die Hintertür vor, zudem sehen sie die Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr.

Teure Energie treibt Verbraucherpreise - Entspannung im September

Wiesbaden (dpa) - Teure Energie hält die Verbraucherpreise in Deutschland auf relativ hohem Niveau. Der September brachte jedoch leichte Entspannung: Die jährliche Inflationsrate sank auf 2,0 Prozent nach 2,1 Prozent im August. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen von Ende September. Im Monatsvergleich blieben die Verbraucherpreise in Deutschland unverändert. Energie verteuerte sich nach Berechnungen der Statistiker im September 2012 insgesamt um 7,0 Prozent gegenüber September 2011. Die Preise für Heizöl zogen um 10,4 Prozent an, Kraftstoffe verteuerten sich um 8,9 Prozent. Auch für Fernwärme (plus 8,7 Prozent), Gas (plus 5,3 Prozent) und Strom (plus 3,0 Prozent) mussten Verbraucher tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor.

Porsche knackt die Marke 100 000 schon vor dem letzten Quartal

Stuttgart (dpa) - Die Unsicherheit im kriselnden Euroraum schlägt sich erstmals auch bei Porsche merklich in den Verkaufszahlen nieder. Der Sportwagenbauer fängt die Rückgänge auf dem Heimatkontinent aber mit dem Nachfrageboom in Übersee locker auf und blickt unterm Strich noch immer auf einen reißenden Absatz. Wie der seit kurzem komplett zu VW gehörende Hersteller am Donnerstag in Stuttgart mitteilte, hat die Porsche AG die für sie bedeutende Hürde der 100 000 verkauften Fahrzeuge schon nach drei Vierteln des laufenden Jahres genommen. In den ersten neun Monaten 2012 übergaben die Zuffenhausener 104 362 Neuwagen in Kundenhand. 2011 hatte die Porsche AG die sechsstellige Marke erst einen Monat später Ende Oktober erreicht und damals lag die Zahl mit 100 391 Autos auch noch ein Stück niedriger.

Eurokrise: Weltstahlverband korrigiert Prognose deutlich nach unten

Neu Delhi/Düsseldorf (dpa) - Vor dem Hintergrund der Eurokrise und eines sich abschwächenden Wachstums in China hat der Weltstahlverband seine Prognosen deutlich nach unten korrigiert. Statt eines noch im April erwarteten Wachstums des weltweiten Stahlverbrauchs im laufenden Jahr von 3,6 Prozent geht die Branche nun nur noch von einem Zuwachs von 2,1 Prozent auf 1,41 Milliarden Tonnen aus. Auch für 2013 rechnen die Stahlkocher nach der am Donnerstag bei der Weltstahlkonferenz in Neu Delhi vorgelegten Prognose mit einem deutlich gebremsten Wachstumstempo: Statt eines noch im Frühjahr erwarteten Zuwachses von 4,5 Prozent wird nun nur noch ein Plus von 3,2 Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr hatte der weltweite Stahlverbrauch noch um 6,2 Prozent kräftig zulegen können.

Deutsche Aktien nach schwachem Wochenverlauf erholt

Frankfurt/Main (dpa) - Nach drei Verlusttagen hat der Dax am Donnerstag wieder zugelegt. Der deutsche Leitindex verbesserte sich bis zum Nachmittag um 0,94 Prozent auf 7273 Punkte. Die bisherige Wochenbilanz ist jedoch weiter deutlich negativ. Der tags zuvor bereits von EADS gestützte MDax mittelgroßer Werte legte um weitere 0,50 Prozent zu auf 11 301 Punkte, und der TecDax stieg um 0,38 Prozent auf 812,46 Punkte. Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,20 Prozent am Vortag auf 1,18 Prozent. Der Rentenindex Rex kletterte um 0,17 Prozent auf 134,32 Punkte. Der Bund Future büßte 0,04 Prozent ein auf 141,43 Punkte. Der Kurs des Euro zog an: Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2918 (Mittwoch: 1,2889) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7741 (0,7759) Euro.