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DOSB hält an Zielvereinbarungen fest - Geld gefordert

Frankfurt/Main (dpa) - Der DOSB will trotz zahlreicher Misserfolge bei den Olympischen Spielen in London am bisherigen Förderkonzept des Spitzensports festhalten, fordert mit Blick auf die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro aber mehr Geld vom Bund.

DOSB-Führung
DOSB-Präsident und Generaldirektor Michael Vesper gaben die Ergebnisse der Präsidiumssitzung bekannt. Foto: Fredrik von Erichsen Foto: dpa

Sollte dies nicht möglich sein «oder der verfügbare Mittelrahmen sogar schrumpfen», drohe der deutsche Sport «auf Mittelmaß abzurutschen». Dies erklärten DOSB-Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper im Anschluss an die Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Frankfurt am Main.

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Fest steht allerdings bereits, dass der deutsche Sport 2013 eine etwas geringere Förderung erhalten soll als in diesem Jahr. Das Bundesinnenministerium sieht im Haushaltsentwurf Zuwendungen von 129,2 Millionen Euro vor. Im Olympia-Jahr 2012 waren es 131,7 Millionen. «Natürlich wissen auch wir, dass die Zeiten im Moment sehr schwer sind», sagte Vesper. «Wir brauchen aber eine Debatte über den Wert des Spitzensports für unsere Gesellschaft, und ich denke, da haben wir sehr gute Argumente auf unserer Seite», sagte Vesper.

Dennoch wird der deutsche Spitzensport in Zukunft noch genauer über die Verteilung seiner Mittel nachdenken müssen. Bach kündigte daher «harte» Diskussionen mit den Verbänden an. «Die Gespräche werden nicht einfach. Alle Verbände wollen mehr Geld und beginnen sich bereits zu positionieren», sagte Bach. «Wir werden aber nicht allen Wünschen Rechnung tragen können, der leistungsorientierte Schlüssel muss konsequent angewandt werden», forderte der DOSB-Präsident und prophezeite: «Sie werden in den nächsten Wochen und Monaten jede Menge Stoff zum berichten haben.»

Festhalten will der Dachverband des deutschen Sports an den Zielvereinbarungen, die zum Ende der Sommerspiele in London zu heftigen Diskussionen und Irritationen geführt hatten. Mit zum Teil irrwitzigen Medaillen-Visionen hatte sich der deutsche Sport selbst in die Bredouille gebracht und viel Kritik einstecken müssen.

Eine Kurskorrektur wird es dennoch nicht geben. «Das Steuerungsmodell Leistungssport hat sich bewährt», sagte Vesper. Es sei «völlig irrsinnig», das Konzept jetzt wieder zu kippen, sagte die Vize-Präsidentin Leistungssport, Christa Thiel. Als Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes zählte die Rechtsanwältin zu den großen Verliererinnen von London. Lediglich Freiwasser-Spezialist Thomas Lurz hatte in der britischen Hauptstadt Silber geholt, womit das Ziel von achtmal Edelmetall klar verfehlt worden war. Einen Rücktritt hatte die Spitzenfunktionärin bereits in London ausgeschlossen.

Thiel betreibt längst Ursachenforschung. Ein Runder Tisch mit den Landesverbänden habe schon stattgefunden, ein weiterer mit ehemaligen Athleten werde folgen. Auf der Präsidiumssitzung des Schwimmverbandes am Freitag soll zudem ein Expertengremium beschlossen werden, in dem auch Fachleute aus anderen Verbänden vertreten sind. «Es soll einen Know-How-Transfer von erfolgreichen zu einem nicht so erfolgreichen Verband geben», sagte Thiel.

Der DOSB will aus den «enttäuschenden Ergebnissen in einer Reihe von Sportarten» aber nicht den Schluss «einer Konzentration auf die erfolgreichen Disziplinen» ziehen. Vielmehr soll «an der Förderung der ganzen Breite der olympischen Sportarten» festgehalten werden.

Die Gespräche mit den Verbänden sollen bis März 2013 abgeschlossen sein und in neue Vereinbarungen für Rio de Janeiro 2016 münden. «Darin werden wir auch weiterhin mit jedem Verband Medaillenpotenziale identifizieren, die allerdings wie bisher keine 'Vorgaben' sind», machte die DOSB-Spitze deutlich. Als Ziel für die deutsche Olympia-Mannschaft in vier Jahren sei klar, «dass sie das Ergebnis von London 2012 übertrifft». In der britischen Hauptstadt hatten die deutschen Sportler insgesamt 44 Medaillen - und damit drei mehr als 2008 in Peking - geholt.