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Die zerstörerischen Triebe von Rache und Eifersucht

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Othello (von links, Flavio Salamanka) ist gebrochen von den Einflüsterungen Jagos (Iure de Castro) über die Untreue Desdemonas (Márcia Jaqueline). (Foto: Anna Maria Löffelberger/Landestheater)

Rache und Eifersucht sind so alt wie die Menschheit und ihre zerstörerischen Energien heute so gegenwärtig wie zu Shakespeares Zeiten. Der Stoff von Shakespeares Othello-Drama hat viele Dichter und Musiker zur Nachschöpfung inspiriert.


Die berühmteste Version nach Shakespeare ist Giuseppe Verdis Oper »Otello«. Jetzt hat das Salzburger Landestheater einen eigenen Othello im spannenden Ballett von Reginaldo Oliveira. Othello ist hier ein Migrant mit einer Karriere als Berufssoldat, der die schöne, allseits begehrte Desdemona geheiratet hat.

Mit dem Brasilianer Oliveira als neuem Ballettleiter seit der letzten Saison kann sich das Landestheater zu einem Glücksgriff gratulieren. Der vielschichtige Ballettkünstler zeigt sich als Choreograf voller Fantasie, Kreativität und Kompetenz, der die Tänzer zu hohen Leistungen herausfordert. Er gibt dem Handlungsablauf plastische tänzerische Gestalt in einer Mischung aus klassischer Basis und Formen modernen Ausdruckstanzes, kombiniert und angereichert mit einer Vielzahl persönlicher Elemente und eigenwilliger Ideen. Dabei entwickelt er die Geschichte klar strukturiert, wenn Jago aus Enttäuschung über die Beförderung Cassios einen Rachefeldzug startet, in dem er mit einer Intrige Othellos Eifersucht schürt bis hin zum Siedepunkt. Als Indiz dient hier ein dekorativer roter Schal, mit dem Othello Desdemona zuletzt erwürgt.

Große Anerkennung für die glänzende tänzerische Gestaltung gebührt dem Othello von Flavio Salamanka und der Desdemona von Márcia Jaqueline. Ihre Pas des Deux’ sind die herausragenden Momente des Abends, vom anfänglichen »Liebesduett« über die sich stets steigernden zwiespältigen Begegnungen bis zum letalen Ende. Besonders eindringlich gestaltet Salamanka das aussichtslose Ende, als er merkt, dass Desdemonas Lebenslicht unwiderbringlich erloschen und er der Intrige aufgesessen ist. Beide sind auf das Höchste gefordert und gestalten mit großer Bravour, im tänzerischen Körpereinsatz ebenso wie im künstlerischen Ausdruck.

Auch Iure de Castro beeindruckt mit Intensität im gut charakterisierten Rollenporträt des Jago, von Larissa Motas Emilia entsprechend ergänzt. Angeführt vom Cassio des Lúcio Kalbusch und dem Rodrigo von Pedro Pires ist auch das Ensemble zu anspruchsvollen Schrittfolgen, symbolisierten soldatischen Abläufen oder origineller Tanz- und Körpersprache herausgefordert, die mit Brillanz gemeistert werden und das abendfüllende Ballett zu einem exquisiten Tanzerlebnis machen.

Schön und passend sind die Kostüme von Judith Adam. Sebastian Hannaks Bühne aus weißen veränderlichen Steinquadern sowie die Drehbühneneffekte fügen sich zum Gesamtkonzept. Die von Oliveira ausgewählte Musik mit Stücken von Lera Auerbach, Arvo Pärt, Camille Saint-Saëns und Alfred Schnittke wirkt hier teilweise als statische Kulisse, vor der sich die tänzerischen Bewegungen abspielen, die aber nicht aus der Musik heraus ausgelöst erscheinen. Die Entstehung des Tanzes ist ursprünglich geprägt von Bewegungen, die aus und mit dem Rhythmus ausgeführt werden.

Hier bleibt die ersten zwanzig Minuten lang die Musik mit ihren wiederholten Sequenzen ohne nennenswerte Rhythmikbewegung, umso mehr ist die Motorik der Tänzer von großer Intensität geprägt. Die Musik wirkt über weite Strecken hier nicht als auslösendes Element für die tänzerische Bewegung, sondern mehr als akustische Beigabe, die sich nur am dramatischen Höhepunkt tanzorientiert entfaltet. Die Tanzaussage und Wirkung ist indes genauso eindringlich, wenn am Ende eine Weile die Musik ganz verstummt.

Der große Tanzabend als neue Perle für den Theaterspielplan findet Wiederholungen im November und Dezember bis Februar und weiter durch die ganze Saison. Karten gibt es online unter www.salzburger-landestheater.at. Elisabeth Aumiller