weather-image
Salzburger Philharmonie begeistert mit Haydns Schöpfung – Weitere Konzerte in Salzburg

Die Wunder der Schöpfung

»Es lebe Papa Haydn! Es lebe die Musik!«, rief die Menge nach der Uraufführung von Joseph Haydns Schöpfung im Wiener Burgtheater im März 1799. Der 66-jährige Komponist hatte bis zur Erschöpfung an diesem großartigen Oratorium gearbeitet. Seiner eigenen Aussage nach war diese Komposition für ihn eine grundlegende religiöse Erfahrung.

Erzengel Raphael (Thomas Ruf) erzählt die Schöpfungsgeschichte. (Foto: Benekam)

Die Philharmonie Salzburg hat dieses Werk unter der Leitung von Elisabeth Fuchs kindgerecht als Familienkonzert aufgearbeitet. In Zusammenarbeit mit den Salzburger Chorknaben und -mädchen (Einstudierung von Helmut Zeilner) und den Solisten Eva Hinterreithner (Bengele Uriel), Gerhild Zeilner (Engele Gabriel) und Thomas Ruf (Engel Raphael) entstand ein buntes, klangvolles und vor allem kindgerechtes Konzert, das die zahlreichen Buben und Mädchen mit ihren Familien im k1-Saal in vollsten Zügen genossen.

Anzeige

Die Wirkung, die solche Werke klassischer Musik auf kleine Kinder ausüben, ist immer wieder verblüffend. Nachdem die Kleinen in aufgeregter Vorfreude wild hüpfend und rennend durch den Saal tollten und so, ohne es zu wissen, selbst an Haydns Werk Teil hatten, wurde es abrupt mucksmäuschenstill: Das große Orchester mit den vielen Instrumenten, die aufregende Beleuchtungstechnik und nicht zuletzt die auftretenden Protagonisten – die Erzengel Raphael, Uriel und Gabriel im Engelsgewand – brachten die Kinder zum Staunen und fordern die notwendige Aufmerksamkeit.

Wie eine spannende Geschichte wurde nun die Erschaffung der Welt, wie sie in der Bibel, in der Genesis, dem ersten Buch Moses zu lesen ist, erzählt. Nur sechs Tage brauchte Gott, so die drei Erzengel, bis sein fantastisches Werk vollbracht war. Gefesselt von dem imposanten Orchesterklang lauschten Große und Kleine der berühmten Ouverture in c-Moll, welche das Chaos beschreibt. Mit dem Chaos, so Erzengel Raphael, sei hier aber nicht etwa ein unaufgeräumtes Kinderzimmer gemeint oder das wilde Umhertollen vor Vorstellungsbeginn, sondern die Zeit vor der Erschaffung der Welt, bevor Gott am ersten Tag das Licht erschuf.

»Es werde Licht«, wurde aus dem Libretto rezitiert und mittels Projektionstechnik auf großer Leinwand an der Bühnenrückwand in Form eines Gemäldes aus Kinderhand veranschaulicht. Die Kinder verfolgten begeistert die Geschichte, lachten über die Neckereien der Erzengel und wurden vor allem bei den wunderbaren Arien der Erzengel ganz still und andächtig. Allzu gerne ließen sie sich zu interaktivem Mitspiel animieren: So spürten sie das Wachsen und Strahlen der Sonne, indem sie sich selbst hinstellten, die Arme bis zu den Fingerspitzen streckten, sich groß machten oder bei der Erschaffung der Pflanzen »mitwuchsen«.

Zum Thema Erschaffung der Tiere wussten sie besonders viel beizusteuern. Es wurden die Lieblingstiere aufgezählt und Erzengel Gabriel war mehr als angetan von den zahlreichen Vogelarten, die von den übereifrigen, kleinen Zuschauern benannt werden konnten. Auch das Funkeln der Sterne am Firmament, welches durch eine auf der Bühne platzierten, angeleuchteten und sich drehenden Discokugel veranschaulicht wurde, wird den Kindern sicher in guter Erinnerung bleiben. Die vergeblichen Flugübungen des Erzengel Uriel und sein leider nur lückenhaftes Wissen bezüglich der Schöpfungsgeschichte sorgten immer wieder für ausgelassenes Gelächter. Gemessen am kräftigen Applaus, darf man sicher sein, dass das Heranführen kleiner Kinder an Musik, Gesang und Theater nicht nur lehrreich ist, sondern auch Spaß macht. Dank der hervorragenden Umsetzung, der kindgerechten Dramaturgie, den tollen Stimmen der Erzengel und des jungen Chores und nicht zuletzt der grandiosen Leistung des Orchesters, unter dem Dirigat von Elisabeth Fuchs, kann Haydns Werk noch über 200 Jahre nach seiner Uraufführung glänzen.

Weitere Aufführungen finden am Samstag um 14 und um 16 Uhr sowie am Sonntag um 11, um 13 und um 15 Uhr in der Großen Universitätsaula statt. Am Sonntag um 17 Uhr findet auch eine Version als Tenniekonzert statt. Karten gibt es bei der Salzburger Kulturvereinigung Kirsten Benekam